sb. Mulsum. "Gelebte Dorfgemeinschaft" ist in der heutigen Zeit, in der viele täglich weite Wege zur Arbeit zurücklegen müssen und wenig Zeit zuhause verbringen, oft nur eine Worthülse. Vereine und soziale Institutionen verzeichnen immer weniger Mitstreiter, das Feierabendbier wird vor dem heimischen Fernseher statt in der Dorfkneipe getrunken und oft kennt man den Mitbürger zwei Straßen weiter schon gar nicht mehr. Nicht so in Mulsum. Hier hat die Dorfgemeinschaft etwas ganz Besonderes auf die Beine gestellt. Um ihr Gasthaus "Deutsches Haus" vor der Schließung zu retten, haben die Bürger Mitte Juni eine Genossenschaft gegründet und verkaufen seitdem Anteile, um den Kauf und die Sanierung des Gebäudes am "Roten Platz" zu finanzieren. Dabei kamen bereits mehr als 225.000 Euro zusammen, 250.000 Euro werden für den Kauf benötigt.

"Eine tolle Gemeinschaftsleistung", freut sich Stefan Allers, der gemeinsam mit Ralf Steffens und Dr. Henning Götzke den Vorstand der Genossenschaft bildet. Aufgrund der Corona-Auflagen fand die Genossenschaftsgründung nur im kleinen Kreis statt. Derzeit laufen diverse Formalitäten, um offiziell ins Genossenschaftsregister eingetragen werden zu können. "Da muss von der Satzung über Protokolle bis zum polizeilichen Führungszeugnis des Vorstands viel eingereicht werden", sagt Allers.

Aber: Erst wenn der Eintrag offiziell ist, kann die Mulsumer Kooperative beim Amt für regionale Landesentwicklung Fördergeld beantragen. Der Stichtag wurde wegen Corona von Mitte September auf den 15. Oktober verschoben. "Ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen", so Allers. Auch von der Kommune erhofft man sich einen Zuschuss. Denn es wird viel Geld benötigt: Neben den 250.000 Euro für den Kauf der Immobilie werden rund 350.000 Euro für Sanierungs- und Renovierungsarbeiten anfallen. Neue Böden, Schönheitsreparaturen an Wänden, Decke und Fassade, neue Sanitäranlagen und vor allem eine neue Küche werden da kräftig zu Buche schlagen. "Zum Glück haben wir kürzlich von einem Gastronomen aus der Region, der seinen Betrieb geschlossen hat, gut erhaltene Möbel für Gaststätte und Clubzimmer geschenkt bekommen", freut sich Allers. "Die haben wir bereits Ende Juli abgeholt und erst einmal eingelagert."

Neben der Renovierung planen die Genossenschaftsmitglieder auch eine teilweise Umnutzung der Räume im Deutschen Haus. So soll der jetzige Gastraum ins Clubzimmer ziehen und umgekehrt. Der Biergarten, der sich zurzeit auf einer gepachteten Fläche befindet, soll auf der Veranstaltungsfläche vor dem Gasthaus, dem "Roten Platz", angesiedelt werden. "80 Prozent des Roten Platzes gehören zum Gasthaus", sagt Allers.
Hintergrund der Aktion "Rettet das Deutsche Haus" ist die Ankündigung der jetzigen Wirtin Trixie Büchler, den Gastronomiebetrieb abzugeben. Bereits 2018 startete das Projekt, das jetzt richtig Fahrt aufnimmt (das WOCHENBLATT berichtete). "Wir müssen jetzt noch einmal alle Kräfte mobilisieren, um die letzten zehn Prozent für die Kaufsumme zusammenzubekommen", sagt Stefan Allers. Dabei geht es nicht nur um die Möglichkeit, gut zu essen und gemeinsam zu feiern, sondern auch um den Erhalt einer langen Dorftradition. Denn die Wurzeln des Deutschen Hauses als Gastronomiebetrieb gehen bis auf das Jahr 1890 zurück. Und: "Würde das Deutsche Haus an einen Investor verkauft und gar abgerissen, ginge auch die Fläche für Dorffeste wie den Weihnachtsmarkt verloren. Wir wollen das Dorf aber lebendig halten", sagt Allers.

Die Gründungsversammlung fand am 12. Juni statt
Großzügige Möbelspende für die Genossenschaft
Autor:

Stephanie Bargmann aus Stade

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