Absurde Willkür in Undeloh
Aufs Klo darf hier niemand, auf den Parkplatz schon

"Wenn die Gastronomen sich beschweren, sollen sie doch selbst ihre WCs öffnen", sagt 
Bürgermeister Albert Homann. Das würde Hotelier Heini Brunkhorst (Foto) ja gerne tun, 
doch er darf niemanden hereinlassen
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  • "Wenn die Gastronomen sich beschweren, sollen sie doch selbst ihre WCs öffnen", sagt
    Bürgermeister Albert Homann. Das würde Hotelier Heini Brunkhorst (Foto) ja gerne tun,
    doch er darf niemanden hereinlassen
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sv. Undeloh. Zu hunderten strömen die Menschen momentan an den Wochenenden nach Undeloh in die Lüneburger Heide und gehen der einzig bleibenden Beschäftigung während des Lockdowns nach: Spazierengehen.
Nicht wenige der Spaziergänger schlagen sich aber noch weiter in die Büsche. Denn so gut sich der Tag auch an der frischen Luft verbringen lässt, wer hier auf Toilette muss, steht vor verschlossenen Türen. Die Gastronomen dürfen keinen reinlassen und die öffentliche Toilette der Gemeinde ist zu.
"Ich will während des Lockdowns keine Touristen in Undeloh", sagt Undelohs Bürgermeister Albert Homann kurzangebunden. Dass Undeloh auf der Homepage der Gemeinde weiterhin als beliebtes Ausflugsziel beworben wird und die geschlossene öffentliche Toilette dort mit keinem Wort erwähnt wird, hält er für irrelevant. Die Menschen sollten ohnehin zu Hause bleiben.
So ganz passt das aber auch nicht zusammen, werden sich die meisten Spaziergänger denken, die mit ihrem Kleingeld in der Hand vor dem Toilettenhaus stehen. Hundert Meter weiter, wo ihr Auto auf dem vom Verein Naturschutzpark betriebenen Parkplatz steht, wurden sie ihre drei Euro nämlich trotz Lockdowns am Parkautomaten los.
"Letztes Wochenende war es hier proppenvoll", sagt Hotelier Heini Brunkhorst vom Undeloher Hof. "Hier standen über 70 Autos, dabei hat unser kostenloser Parkplatz gar nicht so viele Plätze!" Nebenan auf dem zahlungspflichtigen Parkplatz bestätigt der Mitarbeiter vom VNP-Landschaftspflegehof Tütsberg Hermann Marquardt das Bild: "Mit 250 bis 300 Autos war auch unser Parkplatz gut gefüllt. Bei schönem Wetter haben wir zu dieser Zeit momentan mehr Besucher als in den vergangenen Jahren."
Im Gegensatz zum Bürgermeister ist Heini Brunkhorst froh über die vielen Besucher: "Wir haben doch nur noch einen Bauern hier, der Rest ist vollkommen auf den Tourismus ausgerichtet." Den Kaffee to go kann der Hotelier während des Lockdowns noch an die Wanderer verkaufen, auf eines der insgesamt 14 WCs im Hotel und Café darf er sie aber nicht lassen. Dabei klopfen immer mehr Besucher an seine Tür und bitten verzweifelt darum, auf Toilette zu dürfen. Wenn er sie abweist, reagieren die meisten mit Unverständnis, einige sogar mit Wut. Nun findet er ihre Hinterlassenschaften und Taschentücher zunehmend auf seinem Grundstück.
Umso mehr ärgert sich Heini Brunkhorst, dass der Gemeinderat 2004 seinen Vorschlag ausschlug, die Toiletten in seinem Café öffentlich nutzbar zu machen. Als Hotelier könnte er diese das gesamte Jahr über betreiben. Stattdessen zahlte die Gemeinde 49.000 Euro Zuschuss an einen Privatmann, ein Toilettenhaus zu bauen und zu betreiben, das nur das halbe Jahr offen ist.
Der Besitzer dieses Toilettenhauses ist Sven Schlegel. Laut Vertrag mit der Gemeinde muss er es nur von Mitte Juli bis Mitte Oktober sowie an Pfingsten und Ostern öffnen. Er hält die öffentlichen WCs zu dieser Zeit normalerweise immer geschlossen, da der Besucherstrom nur gering ist. Trotz des Ansturms während des Lockdowns möchte er sie aber nicht öffnen. Denn während die Touristen sich in der Heide aus dem Weg gehen können, sei es ihm auf den WCs unmöglich, die notwendigen Hygiene- und Abstandsregeln umzusetzen. "Das war schon während der Heidesaison im vergangenen Jahr eine Herausforderung. Nach jedem Besucher musste alles desinfiziert werden!" Im Lockdown möchte Schlegel sie nun erst recht nicht öffnen.
Brunkhorst dagegen würde sofort eine Putzfrau einstellen. "Mir geht es nicht darum, Geld an den WCs zu verdienen. Das würde ich allein durch das Beschäftigen der Putzfrau wieder ausgeben", sagt er. "Mir geht es darum, den Menschen, die hierherkommen und die Natur genießen wollen, diesen Service anzubieten, damit Undeloh weiterhin eine touristenfreundliche Stadt bleibt." Dass der Bürgermeister während des Lockdowns überhaupt keine Besucher mehr in Undeloh sehen möchte, ist für Brunkhorst vollkommen unverständlich. "Alle hier leben vom Tourismus." Er ist sich sicher: Nach Corona wird nicht jeder wieder aufmachen können. Nun auch noch die Touristen zu vergraulen, sei keine Lösung.

"Wenn die Gastronomen sich beschweren, sollen sie doch selbst ihre WCs öffnen", sagt 
Bürgermeister Albert Homann. Das würde Hotelier Heini Brunkhorst (Foto) ja gerne tun, 
doch er darf niemanden hereinlassen
Die öffentlichen Toiletten bleiben geschlossen
Autor:

Svenja Adamski aus Buchholz

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