Zwei Tierärztinnen und eine Hundetrainerin warnen vor Folgen
Hunde-Boom in Deutschland

Tierärztin Stephanie Jürgens (v. li.) mit ihren sieben Monate alten Doggen Tiger und Bendix, die im Rudel bei Papa Bommel und Mama Emma bleiben, sowie Tierärztin Ann-Kathrin Bentrup und Hundetrainerin Annalena Schläfke
3Bilder
  • Tierärztin Stephanie Jürgens (v. li.) mit ihren sieben Monate alten Doggen Tiger und Bendix, die im Rudel bei Papa Bommel und Mama Emma bleiben, sowie Tierärztin Ann-Kathrin Bentrup und Hundetrainerin Annalena Schläfke
  • Foto: sv
  • hochgeladen von Svenja Adamski

(sv). Deutschland erlebt zurzeit einen regelrechten Hunde-Boom: Über 50.000 neue Hunde wurden im vergangenen Jahr allein im Niedersächsischen Hunderegister angemeldet, rund 5.000 mehr als 2019. Aktuell sind insgesamt 483.362 Hunde in Niedersachsen gemeldet. Doch so schön die wiederentdeckte Liebe der Deutschen zum Hund auch scheint, die immense Nachfrage bringt so einige Schattenseiten mit sich.
"Jeder will gerade einen Hund haben", erzählt Stephanie Jürgens, Tierärztin der mobilen Praxis aus Egestorf. "Dabei informieren sich viele im Voraus aber gar nicht, was mit der Hundehaltung alles einhergeht." Wenn sie und Tierärztin Ann-Kathrin Bentrup mit ihrer mobilen Praxis bei den frischgebackenen Hundebesitzern zur Erstuntersuchung oder zur Impfung vorbeischauen, werden ihnen oft Fragen gestellt, die bei einer gründlichen Vorbereitung eigentlich schon vor Anschaffung des Hundes hätten beantwortet werden müssen.
"Es wird nicht mehr überlegt gehandelt", sagt Annalena Schläfke, Hundetrainerin bei "Hundherum glücklich". Auch sie beobachtet den Trend zum Hund während Corona mit Sorge. "Anstatt sich im Voraus gründlich über mögliche genetisch veranlagte Krankheiten der Rasse, Jagd- oder Herdentriebe und die Verträglichkeit mit Kindern und anderen Hunden zu informieren, richten sich immer mehr Menschen nach dem Angebot. Wenn es die gewünschte Rasse nicht gibt, weil die Wartelisten bei den Züchtern gerade explodieren, wird der nächstbeste Hund genommen."
Seit 2013 muss jeder neue Hundebesitzer in Niedersachsen bei der Anmeldung des Hundes einen Hundeführerschein vorweisen. Aktuell kann Annalena Schläfke zwar die Prüfung für den Hundeführerschein abnehmen, den dazugehörigen Theorieunterricht darf sie während des Lockdowns jedoch nicht geben. Weil die Anschaffung eines Hundes aber zunehmend zu einer kurzfristigen Entscheidung wird, gehen die Hundetrainerin und die Tierärztinnen der mobilen Praxis davon aus, dass die Dunkelziffer der nicht angemeldeten Hunde in den Kommunen wächst.
Ganz abgesehen von der mangelnden Vorbereitung halten die drei es ohnehin für keine gute Idee, sich in diesen Zeiten einen jungen Hund anzuschaffen. "Wer denkt, dank Corona besonders viel Zeit für die Erziehung eines jungen Hundes zu haben, kann in ein paar Jahren, wenn der Welpe erwachsen ist, massive Probleme bekommen", sagt Tierärztin Ann-Kathrin Bentrup. "Junge Hunde wachsen gerade in einer vollkommen anderen Welt auf. Sie werden in einer Blase der verzerrten Realität erzogen, wo es keine menschenvollen Städte gibt und der Zweibeiner immer zuhause ist."
So wird mancher Hund mit langen Spaziergängen "auftrainiert" und zuhause intensiv beschäftigt. Durch die geschlossenen Hundeschulen wird die Sozialisierung mit anderen Hunden von den Besitzern nur bedingt moderiert und durch die eigene Recherche über Google kommen Erziehungsmaßnahmen wie das Halti (eine Schlaufe, die an der Schnauze befestigt wird und dem Besitzer direkte Kontrolle über den Hundekopf gibt) zum Einsatz. In den Händen von Unerfahrenen können diese Hilfsmittel viel Schaden anrichten.
Schläfke empfiehlt unbedingt eine Welpenberatung vor dem Hundekauf. Das kann selbst im Lockdown per Telefon erfolgen. Auch die Tierärztinnen appellieren an alle neuen Hundebesitzer, schon vor Problemen aktiv Beratung und Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Während das Ende von Corona bzw. zunächst das Ende des Lockdowns für ältere Hunde nur eine Rückkehr zur Normalität darstellt und daher kaum Probleme verursachen dürfte, sollten Besitzer von jungen Hunden bereits jetzt regelmäßig üben, den Hund allein zu lassen. Die drei Tierexpertinnen raten dazu, auch mal für eine Stunde wegzufahren.
Und, so schwer es auch klingt, nicht vom Hund verabschieden. Dadurch werde eine Routine eingeführt, die den Hund bereits im Voraus stresst und aufputscht, was das Entspannen nach dem Abschied erschwert.
Während der Übung sollte der Vierbeiner die Zeit haben, zur Ruhe zu kommen. Denn kommt der Zweibeiner schon zurück, wenn der Hund noch jaulend an der Tür steht oder, schlimmer noch, gerade das Sofa zerlegt, kann die sofortige Rückkehr diese Verhaltensweisen weiter bestärken. Tierärztin Ann-Kathrin Bentrup empfiehlt zum Üben eine WLAN-Kamera. So kann der ideale Moment für die Rückkehr bestimmt werden.

Autor:

Svenja Adamski aus Buchholz

Service
Aus den beiden Grafiken geht hervor: Der Anteil der Altersgruppe "Ü 70" liegt im Landkreis Stade bei 16 Prozent. Aus dieser Gruppe kommen aber mit Abstand die meisten Corona-Toten (88 Prozent)

Sieben-Tage-Inzidenz weiter unter dem Grenzwert 50
Über 70-Jährige stellen nur 16 Prozent der Bevölkerung im Landkreis Stade, aber 88 Prozent der Corona-Toten

jd. Stade. Die Warteliste für das Impfzentrum in Stade ist abgearbeitet. Daher ruft der Landkreis Stade die über 80-Jährigen dazu auf, bei der Impf-Hotline des Landes einen Impftermin zu vereinbaren. "Auf der Warteliste des Landes stehen für den Landkreis Stade zurzeit keine Namen mehr von Personen, die 80 Jahre oder älter sind", sagt Nicole Streitz, Leiterin des Impfzentrums in Stade. Menschen aus dieser Altersgruppe, die sich impfen lassen möchten, können laut Streitz im Moment zeitnah einen...

Panorama
Die Entwicklung des Inzidenzwertes in den vergangenen zwei Wochen im Landkreis Harburg

Die aktuellen Corona-Zahlen vom 5. März
Inzidenz wieder bei 56,6 im Landkreis Harburg - 200 aktive Fälle

(sv). Nachdem es am Donnerstag noch aussah, als würde der Inzidenzwert im Landkreis Harburg wieder unter die 50er-Grenze sinken, stieg er am heutigen Freitag, 5. März, wieder an - auf 56,60. In den Kommunen bleibt die Gemeinde Stelle weiterhin an der Spitze der Inzidenzwerte (132,68), gefolgt von der Gemeinde Neu Wulmstorf (94,08). Die Samtgemeinde Jesteburg (8,97) und die Samtgemeinde Salzhausen (13,80) verzeichnen immer noch die niedrigsten Werte. Der Landkreis Hamburg kommt am Freitag auf...

Politik
Dr. Dunja Sabra
2 Bilder

Rassismus bekämpfen: WOCHENBLATT-Serie begleitet Online-Veranstaltungen
"Man hat mir den Tod durch Vergasung gewünscht"

tk. Stade. Ein breites Bündnis von verschiedenen Akteuren lädt im Landkreis Stade dazu ein, sich in digitalen Formaten mit dem gesellschaftlichen Problem des Rassismus auseinanderzusetzen (das WOCHENBLATT berichtete). "Solidarität-Grenzenlos" ist der Leitsatz. In den kommenden Wochen schreiben Menschen aus dem Landkreis Stade, wie sie selbst Rassismus erleben und wie sie mit den Herausforderungen einer Gesellschaft umgehen, die sich von Vorurteilen befreien will. Wir drucken die Texte...

Politik
Winsens Bürgermeister André Wiese (CDU)   Foto: Stadt Winsen

André Wiese redet Klartext über Winsen 2030

Bürgermeister setzt sich auf seiner privaten Facebook-Seite mit der Kritik an Baumfällungen auseinander thl. Winsen. Seit Bekanntwerden der Planung für den Umbau der Haupteinkaufsstraßen im Rahmen des Projektes "Winsen 2030", hagelt es immer wieder Proteste gegen die damit verbundenen Baumfällungen. Diese hatten sich noch verstärkt, als am Montag vergangener Woche die Kettensägen ratterten und die Bäume zwischen dem Südertor und der Rathausspitze fielen. Jetzt platzte Bürgermeister André Wiese...

Politik
Deutlich zu sehen: Das Baugebiet Seevekamp/Schierhorner Weg liegt etwa 1,5 Meter höher als der Seevekamp. "Darauf noch ein elf Meter hohes Haus zu setzen, ist zu viel", sagt Heike Paulick-Stein Foto: as
2 Bilder

Jesteburg
Anwohner fordern Anpassung des B-Plans "Seevekamp-Süd"

as. Jesteburg. "Wir sind nicht gegen die Bebauung, sondern wir sind für eine moderate Planung", betont Heike Paulick-Stein. Die Jesteburgerin wohnt am Seevekamp und setzt sich gemeinsam mit weiteren Anwohnern dafür ein, dass die geplanten Mehrfamilienhäuser auf dem Areal zwischen Seevekamp, Waldwinkel und Schierhorner Weg an den Bestand angepasst werden. Auf den 49.452 Quadratmetern zwischen Seevekamp, Waldwinkel und Schierhorner Weg möchte Investor Steffen Lücking insgesamt 106 Wohneinheiten...

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen