Steht das Aus bevor?

Simon Thompson (re.) und Wolfram Meinung vom Romantischen Kreis machen sich Sorgen um die Zukunft des Kultuvereins
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Vorstandsmitglieder des Romantischen Kreises wollen nicht wieder kandidieren.

mum. Hanstedt. Für viele Menschen im Landkreis Harburg sind die regelmäßigen Veranstaltungen des Kulturvereins Romantischer Kreis einfach unverzichtbar. Konzerte, Tanz und Lesungen - bis zu zwölf Mal im Jahr gibt es in Hanstedt Kultur für jeden Geschmack - und für jeden Geldbeutel. Der Verein verlangt keinen Eintritt. Jeder zahlt den Betrag, den er sich leisten kann. "Uns ist es wichtig, dass Menschen unabhängig von ihren finanziellen Möglichkeiten sich ein Konzert leisten können", sagt Simon Thompson, der seit 2012 Vorsitzender des Romantischen Kreises ist. Etwa 1.000 Besucher zählt der Verein jedes Jahr. Zuschüsse der Gemeinde sind kaum erwähnenswert. "Wir finanzieren uns über Spenden", so Thompson. Der Jahresbeitrag beträgt gerade einmal 20 Euro.
Doch dieses großartige Kulturangebot könnte bald ein Ende haben, denn mit Wolfram Meinung und Beate Binder-Karl wollen zwei Vorstandsmitglieder nicht wieder kandidieren. Und auch der Vorsitzende selbst würde sein Amt gern zur Verfügung stellen. Die Jahreshauptversammlung findet am Mittwoch, 27. Februar, um 18.30 Uhr im "Küsterhaus" (Bei der Kirche 2a) in Hanstedt statt. Thompson: "Bis Ende des Jahres würden wir alle noch im Amt bleiben, um eine gute Übergabe zu gewährleisten. Doch dann ist Schluss", so Thompson.
Es gebe viele Gründe, die letztlich dazu geführt haben, dass der Vorstand aussteigen möchte. "Insgesamt merken wir alle, dass es Zeit wird, die Führung in jüngere Hände zu geben." Deutlich wird bei den Schilderungen von Thompson und Meinung, dass sie enttäuscht sind. Zwar zählt der Verein gut 75 Mitglieder, doch zur letzten Jahreshauptversammlung kamen gerade einmal eine Handvoll Interessenten. "Wir haben uns bemüht, Nachfolger zu finden", sagt Meinung. "Doch das war erfolglos." Thompson räumt zudem ein, dass auch die formalen Verpflichtungen, die das Führen eines Vereins mit sich bringen, gestiegen sind. "In diesem Punkt wünsche ich mir mehr Unterstützung seitens der Gemeinde."
Ganz gleich, wie die Jahreshauptversammlung ausgeht, dieses Spieljahr wird auf jeden Fall beendet. Die Künstler sind gebucht. "Aber ohne einen neuen Vorstand fällt im Dezember der letzte Vorhang", so Thompson. Nicht betroffen von den Umständen ist auch das geplante Programm anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Vereines. Rund um den 15. Juni soll es Angebote für Jung und Alt geben. Unter anderem ist ein Rockkonzert sowie ein klassischer Flamenco-Abend geplant.
Das Aus im Jubiläumsjahr - es wäre ein bitterer Zeitpunkt. Gegründet wurde der Verein im Dezember 1979 von Ludwig G. Overbeck. Anfangs standen Mal- und Musikveranstaltungen im Vordergrund. Ziel war es schon damals, Menschen mit einem geringen Einkommen Kunst und Kultur zu ermöglichen. Mit der Sanierung des 500 Jahre alten "Küsterhauses" Anfang der 1980er Jahre bekam der Verein eine feste Spielstätte. 1987 gab es beispielsweise 27 Kaminabende, die von insgesamt 1.553 Gästen besucht wurden. In seiner Blütezeit hatte der Romantische Kreis an die 1.000 Mitglieder - von Schleswig-Holstein bis Bayern.

Ein "Kümmerer" für die Vereine
Hanstedts Gemeindedirektor Olaf Muus und Bürgermeister Gerhard Schierhorn wissen, dass viele Vereine in einer schwierigen Lage sind. Gemeinsam haben sie nun den Vorschlag gemacht, eine neue Stelle zu schaffen. Ein Mitarbeiter soll sich künftig um die Belange der Vereine kümmern.
"Überall in Deutschland sind immer weniger Menschen bereit, in den Vereinen Verantwortung zu übernehmen", so Muus. Ein Grund sei die Zunahme des bürokratischen Aufwandes und der Verantwortung. Letztes Beispiel sei die Datenschutzgrundverordnung gewesen, deren Inkrafttreten zu einer großen Verunsicherung geführt habe. "Daneben sind die Mitgliederverwaltung beziehungsweise die damit zusammenhängenden Vorschriften, die Buchhaltung und das Thema Gemeinnützigkeit, häufig in intensiver Abstimmung mit dem Finanzamt, eine Belastung, die einen immer größeren zeitlichen Aufwand bedeuten", so Muus. Die Konsequenz: Der eigentliche Anteil der inhaltlichen Arbeit für den Verein wird immer kleiner.
Diese Entwicklung sei in vielen Bundesländern aufgegriffen und so genannte Freiwilligenagenturen installiert worden. Ein entsprechendes Modell gibt es auch in Niedersachsen, worauf der Landkreis Harburg zurückgegriffen hat. Seit einigen Jahren existiert eine Agentur für das Ehrenamt, deren Arbeit in vielfältiger Weise auch innerhalb der Samtgemeinde Hanstedt angenommen wird. "Sie ist aber nicht darauf ausgelegt, die Vereine vor Ort konkret im täglichen Alltag zu entlasten, sondern ist von der Aufgabenstellung deutlich breiter aufgestellt", erläutert Muus. Genau hier soll jetzt in Hanstedt angesetzt werden. Mit der Bereitstellung finanzielle Mittel für die Finanzierung einer Stelle als geringfügig Beschäftigter, die speziell die Vorstände in den Vereinen mit Sitz in Hanstedt bei den bürokratischen Aufgaben entlastet. Die Stelle soll zunächst auf zwei Jahre befristet werden. Muus und Schierhorn rechnen mit Kosten in Höhe von insgesamt 7.000 Euro.
"Ich sehe das Ganze als einen Versuch an. Natürlich gibt es Bedenken, doch wir sollten es zumindest ausprobieren", so Muus. Beispielsweise hat der Verwaltungschef dabei die rechtliche Seite im Blick. "Die Beratung durch die Gemeinde entbindet die Vorstände nicht von ihrer juristischen Verantwortung", so Muus.
Der Vorschlag kam im nicht-öffentlichen Verwaltungsausschuss gut an. Am Dienstag, 19. Februar, hat nun der Gemeinderat das letzte Wort.

Auf ein Wort
Der Weg ist richtig, aber
Nicht nur der Romantische Kreis hat Schwierigkeiten, Kandidaten für den Vorstand zu finden. Ein Blick in die Nachbargemeinde Jesteburg zeigt, auch andere Vereine sind betroffen. Der VfL Jesteburg (mehr als 1.300 Mitglieder) steht derzeit ohne Vorsitzenden da. Das Gleiche gilt für den Bürger- und Gewerbeverein Jesteburg. Selbst die Freiwillige Feuerwehr in Jesteburg hat keinen Ortsbrandmeister. Wahrscheinlich lässt sich die Liste beliebig fortsetzen.
Ich denke, dass der Vorstoß aus Hanstedt genau richtig ist. Gemeinden, denen ihre engagierten Bürger wichtig sind, müssen unbedingt dafür sorgen, dass sie im Paragrafen- und Formaliendschungel nicht allein gelassen werden.
Andererseits: Warum wird es immer schwieriger, einen Verein zu führen? Vielleicht sollten sich diejenigen, die das Vereinsrecht komplizierter machen, einmal selbst hinterfragen. Wer einen Verein führen und sich für die Gesellschaft einsetzen möchte, sollte dies auch ohne Jura-Studium oder Steuerberater-Hintergrund hinbekommen.
Sascha Mummenhoff

Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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