"Zwei Tonnen Gewicht rauschten in die Pferde"

Britta Alpers betreibt seit mehr als 20 Jahren ein Kutschengewerbe
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Kutscherin Britta Alpers schildert im WOCHENBLATT, wie es zu dem Unfall in Egestorf kam.

(mum). Der Tourismus in der Heide steuert auf seinen Höhepunkt zu. Touristen aus nah und fern zieht es in die Region, um die blühende Pracht zu bewundern - und die ist dieses Jahr ganz besonders schön anzusehen. Kutschfahrten gehören für viele Menschen einfach zu diesem Erlebnis dazu. Hat sich das nach den beiden schweren Unfällen in Egestorf (Samtgemeinde Hanstedt) und Schneverdingen mit insgesamt mehr als 30 verletzten Personen verändert? WOCHENBLATT-Redakteur Sascha Mummenhoff sprach mit Britta Alpers. Sie ist nicht nur Vorsitzende des Kutschenvereins Wilsede. Alpers steuerte auch den Pferdewagen, der in Egestorf verunglückte. Zwölf Personen wurden dabei Anfang August zum Teil schwer verletzt.
Alpers ist gelernte Pferdewirtin und leitet seit 1994 ihr Kutschengewerbe. Sie fährt seit mehr als 20 Jahren unfallfrei. In der Kutscher-Szene ist die 51-Jährige dafür bekannt, besonders gepflegte und ordentliche Gespanne beziehungsweise Kutschen zu haben. Diese wurden erst Mitte Juni vom TÜV geprüft. "Es ist Pflicht, diese Prüfung jedes Jahr wiederholen zu lassen", so Alpers. Auch eine alljährliche amtstierärztliche Gespannkontrolle sei vorgeschrieben. Weiterhin muss jeder gewerbliche Gespannfahrer den sogenannten B-Führerschein für das gewerbliche Kutschieren besitzen. "Eine Menge Vorgaben, die ich alle gewissenhaft erfüllt habe", so Alpers.
Wie es dann zu dem Unfall kommen konnte, kann sich die erfahre Kutscherin nicht erklären. "Trotz Abfahrtskontrolle und mehrmaligen Bremsvorgängen bis zum Abfahrtsort war kein Defekt erkennbar", sagt die 51-Jährige. Und doch sei an einer sehr steilen Wegstrecke von Egestorf nach Sudermühlen das Bremsseil überraschend gerissen. Über zwei Tonnen Gewicht rauschten gnadenlos von hinten in die Pferde, die in diesem Moment erschraken, ihre Köpfe hochrissen und lostrabten. "Die einzige Möglichkeit, ein noch schlimmeres Ende zu verhindern, war das reaktionsschnelle Einleiten eines Rechtsmanövers", schildert Alpers die Sekunden, bevor die Kutsche verunglückte. Die Kutscherin versuchte, in der Heidefläche den Schwung aus Gespann und Planwagen zu bekommen. "Dies gelang mir auch, doch leider kippte der Planwagen in letzter Minute langsam um, da er in Schräglage geraten war." In diesem Moment funktionierte das Zusammenspiel zwischen Alpers und ihren Pferden gut. Sie blieben artig stehen. "Meine Friesen sind zum Glück sehr gut ausgebildet."

Künftig mit zwei Bremsen

"Meinen Gästen geht es den Umständen entsprechend", sagt Kutscherin Britta Alpers. Anfang August verunglückte die 51-Jährige bei einem Ausflug in Egestorf, weil das Bremsseil gerissen war. Zwölf Personen wurden dabei verletzt. "Die meisten waren bereits abends wieder zurück im Hotel." Alpers hatte mit einigen von ihnen am nächsten Morgen gefrühstückt. Dabei habe sie sich nach ihrem Befinden erkundigt. "Meine Erleichterung war riesengroß, denn auch wenn ich den Unfall aufgrund des technischen Defekts nicht verhindern konnte, fühle ich doch mit meinen Kunden."
Für Britta Alpers geht es nun darum, die Wahrscheinlichkeit eines solchen Unfalls weiter zu verringern. "Mir hätte ein zweites Fußpedal sehr geholfen", so die Kutscherin. "Daher werde ich meine Kutschen umrüsten lassen, so dass ich künftig ein zweites Fußpedal habe, das gleichzeitig als Feststellbremse dient." Weiterhin möchte sie an ihren Kutschen alle drei Jahre die Bremsseile erneuern lassen.
"Ich bekomme sehr viel Zuspruch von meinen Mitmenschen", ist Britta Alpers dankbar. Es habe nicht eine Stornierungen gegeben. "Wenn Kunden angerufen haben, wollten sie wissen, wie es mir geht und fragten, ob die Fahrt planmäßig stattfinden kann", so die 51-Jährige, die sich gleich am nächsten Tag wieder auf den Kutschbock gesetzt hat. "Ich wollte nicht, dass die Angst siegt." Allerdings hat sie ihr Fahrverhalten verändert. "Bei abschüssigen Wegstrecken fahre ich im losen Sand, so dass die Kutsche bereits stark ausgebremst wird." Das sei auf allen Heidewegen rund um Döhle möglich. So hat Alpers schnell ihre Sicherheit zurückgewonnen. "Meine Pferde reagieren wie immer sehr fein und ruhig auf meine Hilfen."
Auch viele von Alpers Kollegen haben sehr verständnisvoll reagiert. Ein Kutscher sei vor einigen Tagen dieselbe Strecke bergauf gefahren und habe ihr bestätigt, dass sie eine gute Reaktion bewiesen habe.
"Soweit ich weiß, kommen ernsthafte Unfälle bei uns nur selten vor", sagt Britta Alpers. "Die vielen Auflagen, die wir seit Jahren erfüllen, machen sich bezahlt." Umso unverständlicher sei es für sie, dass an zwei aufeinanderfolgenden Tagen solche Unglücke geschehen sind. "Wir alle hoffen, dass sich so etwas nicht mehr wiederholt", so die Kutscherin. Als Vorsitzende des Kutschenvereines Wilsede werde sie als Nächstes eine Fortbildung zum Thema Sicherheit organisieren. Dazu steht sie mit Verantwortlichen der Berufsgenossenschaft für Fahrzeughaltung in Verbindung. Ebenso tauscht sie sich intensiv mit Klaus Meyer, dem Vorsitzenden des Kutschenvereines der Heidekutscher, aus. "Gemeinsam werden wir mit unseren Vorständen einiges zusammentragen."

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