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Nach Tötung von Journalistin: Verdächtiger in Stade gefasst

In diesem Wohnblock in Stade wurde der mutmaßliche Täter festgenommen Foto: lt
 
(Foto: Jörg Dammann)

Mordfall Wiktoria Marinowa: Mutmaßlicher Täter wird im Altländer Viertel festgenommen

jd. Stade. Der brutale Mord an der bulgarischen Journalistin Wiktoria Marinowa sorgte europaweit für Entsetzen. Die Fernsehreporterin war am Samstag in der Stadt Russe in Nord-Bulgarien vergewaltigt, geprügelt und dann erstickt worden. Jetzt wurde der mutmaßliche Täter in Stade verhaftet. Das Mobile Einsatzkommando nahm den 21-jährigen Bulgaren Severin Nadezhdov K. am Dienstagabend gegen 20 Uhr bei Verwandten fest, die im Altländer Viertel in Stade wohnen. 
Zielfahnder des Landeskriminalamtes (LKA) hatten den Mann am Dienstagnachmittag in einem Mehrfamilienhaus an der Hohenfriedberger Straße in Stade aufgespürt. Der Bulgare soll bei der Festnahme unbewaffnet gewesen sein und keinen Widerstand geleistet haben. Nach Medienberichten sollen die Mutter und der Stiefvater des Festgenommenen in Stade leben.
Nach Berichten lokaler bulgarischer Medien soll Severin K. auf Anraten seiner Verwandten nach Deutschland geflohen sein, nachdem er ihnen von der Tat erzählt hatte. Der Tatverdächtige soll von Überwachungskameras auf dem Gelände an der Donau gefilmt worden sein, wo Marinowa am Samstag beim Joggen überfallen und getötet wurde.
Laut LKA-Präsident Friedo de Vries hatte die deutsche Polizei Hinweise der bulgarischen Ermittler auf den Aufenthaltsort des Flüchtigen erhalten. Er soll am Sonntag mit dem Auto über die Donaubrücke nach Rumänien und von dort weiter nach Deutschland geflohen sein. Nach Angaben des bulgarischen Generalstaatsanwaltes Sotir Tsatsarov sind DNA-Spuren des polizeibekannten Mannes, der u.a. wegen des Diebstahls von Altmetall vorbestraft ist, am Körper und an der Kleidung der Getöteten gefunden worden. Bulgarien hat daraufhin einen europäischen Haftbefehl ausgestellt.
Außerdem berichten bulgarische Medien, dass in K.s Zimmer, der bei seiner Tante lebt, private Gegenstände von Marinowa sowie deren Handy gefunden worden seien. Auch Blutspuren von der Getöteten sollen dort entdeckt worden sein. Freunde berichteten, dass K. zum Tatzeitpunkt stark alkoholisiert gewesen sein soll.
Die bulgarischen Behörden haben die Auslieferung des Tatverdächtigen beantragt. Die Entscheidung darüber fällt das Oberlandesgericht Celle. Severin K. wurde zunächst in einer Zelle der Stader Polizeidirektion in Gewahrsam genommen. Ein Haftrichter in Stade verhängte am Mittwochmittag Untersuchungshaft gegen K., der laut Justizkreisen einem vereinfachten Auslieferungsverfahren zugestimmt hat. Er wurde daraufhin in eine niedersächsische Justizvollzugsanstalt gebracht. Die für das Auslieferungsverfahren zuständige Oberstaatsanwaltschaft Celle führt jetzt die weiteren Ermittlungen in Deutschland.
Nach Angaben der bulgarischen Behörden soll der Mord an Marinowa nicht im Zusammenhang mit ihrer journalistischen Tätigkeit stehen. Kritische Journalisten aus dem Balkanstaat sahen das bisher anders: Marinowa hatte in einer von ihr moderierten Sendung eines lokalen Fernsehkanals über Betrügereien in ihrem Land mit EU-Subventionen berichtet. Es gab Mutmaßungen, dass die Tat als Racheakt oder "Warnschuss" für andere Reporter verübt wurde. Die bulgarische Regierung hat sich gegen diese Spekulationen vehement zur Wehr gesetzt.