Briefmarken als Ausgleich für Post-Frust in Stade

Jens S. hatte in der Vergangenheit immer wieder falsch zugestellte Briefe in seinem Postkasten  Foto: jd
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WOCHENBLATT-Leser berichten über Ärger mit der Brief-Zustellung: Deutsche Post gelobt Besserung

(jd). Diesmal hat er sogar 20 Briefmarken als "Entschädigung" erhalten: Seit Monaten ärgert sich Jens S.* aus Stade über die Deutsche Post. Er hat sich mehrfach beschwert, weil immer wieder Briefe falsch zugestellt werden. Der Kundenservice gelobte in seinen Schreiben an S. stets Besserung und legte auch schon mal zehn Briefmarken bei. Es änderte sich nichts. S. beschwerte sich wieder, der Kundenservice bat erneut um Entschuldigung für die "Unannehmlichkeiten" - und verdoppelte die Zahl der Gratis-Briefmarken. "Ich will keine Briefmarken, sondern die verbindliche Zusage, dass die Briefträger endlich vernünftig ihre Arbeit machen", sagt Jens S. Über seinen "Post-Ärger" hatte das WOCHENBLATT vor ein paar Wochen berichtet. Damals tat ein Pressesprecher die Sache als Einzelfall ab. Die Reaktionen auf unseren Artikel zeigten allerdings: Die Post muss gerade in Stade massive Probleme bei der Zustellung haben.

Vertauschte Sendungen, bei denen zwar die Hausnummer, aber nicht die Straße stimmt, Briefe, die erst Wochen später den Empfänger erreichen, oder Post, die regelmäßig verkehrt bei Nachbarn landet: In den Zuschriften wurden jede Menge Beispiele für Schlampereien bei der Deutschen Post genannt. Den Rekord vermeldete ein Leser aus dem Stader Ortsteil Haddorf: Vier von sechs Briefen, die ihm an einem bestimmten Tag zugestellt wurden, waren Irrläufer und an ganz andere Empfänger adressiert.

Eines kam in den vielen Zuschriften immer wieder zur Sprache: Mit den Problemen bei der Zustellung ging es meist los, nachdem der langjährige Postbote in den Ruhestand gegangen war oder in einen anderen Zustellbezirk versetzt wurde. Die verärgerten Postkunden beklagten sich, dass ständig wechselnde Aushilfskräfte eingesetzt werden, die offenbar nur über mangelnde Ortskenntnisse verfügen.

Das WOCHENBLATT nahm die hohe Zahl der Beschwerden noch einmal zum Anlass, bei der Post nachzuhaken. Wie berichtet, gab der Post-Sprecher bei einer ersten Anfrage - damals ging es nur um den Fall von Jens S. - lediglich ein lapidares Statement ab, statt die konkreten Fragen zu beantworten. S. wurde quasi als Querulant hingestellt, der eine übersteigerte Erwartungshaltung an den Service der Post habe. "Es geht doch nur um normale Briefe", lautete die mündliche Stellungnahme. Nach wie vor sieht die Post aber keine "generellen Probleme" am Standort Stade. Die Post sei aber insbesondere in den Ferienzeiten auf den Einsatz saisonaler Kräfte angewiesen, so Pressesprecherin Maike Wintjen: "Wir bitten um Verständnis, wenn unsere neuen Kollegen noch nicht gleich so routiniert sind." Aufgrund der derzeitigen Lage auf dem Arbeitsmarkt sei es auch für die Post schwieriger geworden, "geeignetes Personal zu rekrutieren."

Dass gute Ortskenntnisse das A und O bei der Briefzustellung sind, räumt auch die Post ein: Man weise die Mitarbeiter in ihren Zustellbezirk ein, so Wintjen: "Außerdem erwarten wir, dass sich die Kollegen die jeweiligen Touren auf dem Stadtplan anschauen." Jeder Zusteller erhalte zudem sogenannte Merkkarten, auf denen Hinweise zu dem jeweiligen Bezirk gegeben werden, wie etwa die ideale Route oder vorliegende Nachsendeaufträge.

Postsprecherin Wintjen bestätigte, dass die Briefträger per Arbeitsanweisung dazu angehalten sind, die Postsendungen vollständig in die Briefkästen zu werfen. Denn auch darüber gab es Klagen: Oftmals wurden Brief einfach achtlos auf oder neben den Kästen abgelegt. Laut Wintjen werden die Zusteller zu diesen Themen auch geschult. Sollten sich Reklamationen häufen, würde es entsprechende Nachschulungen geben.

Jens S. hatte vom Post-Kundenservice jetzt noch einmal die Zusage erhalten, dass man sich bemühe, die Situation zu verbessern: "Wir haben veranlasst, dass die Zustellqualität dieses Auslieferungsbereiches durch unsere Qualitätsmanager in nächster Zeit verstärkt im Auge behalten wird", heißt es in dem Schreiben.

"Ich bin gespannt, ob diese Qualitätsmanager etwas bringen und die Briefe endlich korrekt zugestellt werden", meint S.

Das WOCHENBLATT wollte von Wintjen auch wissen, was die Kunden mit falsch zugestellten Briefen machen sollen: "Ab in den nächsten gelben Briefkasten", lautet die Antwort. Ob der Brief dann tatsächlich beim richtigen Empfänger ankommt? Man darf skeptisch bleiben. * Name der Red. bekannt

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