"Klein-Chicago" statt Dorfidylle
Familie Preuß aus Hollenbeck ist den Krawall in ihrer Nachbarschaft leid

Nach der Sprengung: Elke Preuß (57) und ihr Mann Hans-Georg (62) haben Angst, dass bald noch Schlimmeres passiert
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jab. Hollenbeck. Hollenbeck gilt als beschauliches Dörfchen. Aufmerksamkeit erregt die Ortschaft im Allgemeinen durch ihre gut funktionierende Dorfgemeinschaft und den Zusammenhalt, wie zuletzt, als es um die Sanierung des Friedhofs ging. Doch der Schein trügt: Auch hier ist nicht alles harmonisch. "Wir halten den Terror kaum noch aus", sagt Elke Preuß.

Den "Terror", den Preuß meint, sollen seit nunmehr drei Jahren Jugendliche verbreiten, die ihre Zerstörungswut und Aggressionen vor allem in der Straße "Am Brink" ausleben. Begonnen hatten die Krawallaktionen zu Pfingsten vor drei Jahren. Damals hätte sich Familie Preuß bei einer Gruppe betrunkener Jugendlicher beschwert, die in der Straße die Nachbarschaft durch Radau gestört haben soll. Es sollen ausgerissene Bäume, Drohungen mit einer Baseballkeule im Garten und zerschlagenen Blumenkübeln gefolgt sein. Anzeige erstattet hätten die Preuß allerdings nicht. "Das waren ja nur die Jungen hier vom Dorf."

Das Fass zum Überlaufen brachte nun aber der gesprengte Briefkasten der Familie Preuß an Silvester. Mehrere Meter weit wurde das Metall sowie eine Solarlampe aus der Erde vor dem Haus geschleudert, das Namensschild an der Tür zerbrochen. "Das kann so nicht weitergehen", sagt Preuß. Nun haben sie doch Anzeige erstattet.

Die Frau befürchtet, dass irgendwann noch ihr Haus oder ihr Auto angezündet wird. "Vor Kurzem haben die Jugendlichen eine Feuerwerksbatterie in unserem Blumenbeet abgebrannt. Was da alles hätte passieren können." In der Straße hätten daher schon einige Überwachungs- oder Wildkameras installiert, erzählt Preuß.

Inzwischen ist es bei der Frau so weit, dass sie Angst hat, allein zu Hause zu bleiben. Sie habe regelrecht Panik, schlafe schlecht und horche ständig nach Geräuschen am Haus und auf dem Grundstück. Für besonderen Schrecken sorgte bei ihr vor zwei Jahren eine Aktion, bei der sich nachts Jugendliche in der Baustelle des Nachbarn, der anonym bleiben möchte, aufhielten. Dieser habe die Geräusche gehört und versucht, sie mit lauten Rufen zu vertreiben. In diesem Zusammenhang haben die Jugendlichen Schüsse abgefeuert, bevor sie sich aus dem Staub machten. Der Nachbar selbst sieht die Sache allerdings nicht als so schwerwiegend an. Und auch die Gesamtsituation sei für ihn nicht so schlimm wie von der Familie berichtet.

Ähnlich sieht es auch die Polizei. Pressesprecher Rainer Bohmbach schätzt die gemeldeten Fälle in Hollenbeck als nicht herausragend ein. Auf WOCHENBLATT-Nachfrage zeigte sich Hollenbecks Dorfbeauftragter Jürgen Deden kurzangebunden. Er könne zu den Vorwürfen nichts sagen. Bisher habe sich keiner der Anwohner bei ihm beschwert und an einer "Gerüchteküche" werde er sich nicht beteiligen. Dass das nicht stimme, sagt wiederum Preuß. Sie habe jedes Mal, wenn etwas vorgefallen sei, bei Deden angerufen. Passiert sei aber nie etwas.

"Das sind für mich keine Dummejungenstreiche mehr", sagt Preuß. Die hätten sie auf dem Kieker. Daher fordert sie jeden auf, der ein Problem mit ihr hat, sich persönlich an sie zu wenden. Denn sie weiß auch, dass sie gern mal mit ihrem "Sinn für Gerechtigkeit" aneckt. "Wir wollen nur, dass das endlich aufhört."

Autor:

Jaana Bollmann aus Stade

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