Stopp für Rasensprenger: Wasserkrise auf der Stader Geest

Ist vorerst nicht erlaubt: den Garten mit einem Rasensprenger bewässern 
 Foto: Fotolia/Ralf Geithe
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Kein Wasser verschwenden: Trinkwasserverband Stader Land reagiert auf Wassernotstand

jd. Dollern. Rasensprengern und Co. wird der Hahn abgedreht: Der Trinkwasserverband Stader Land verhängt mit sofortiger Wirkung ein Bewässerungsverbot. Auch Planschbecken dürfen nicht mehr befüllt werden. Autowaschen ist ebenfalls nicht erlaubt. "Unsere Versorgungssysteme sind in den vergangenen Tagen zusammengebrochen", erklärt Verbands-Geschäftsführer Fred Carl. Grund ist der stark angestiegene Wasserbedarf aufgrund des trockenen Wetters. Besonders betroffen ist die Stader Geest mit den Samtgemeinden Harsefeld und Apensen. Nach einer Krisensitzung am Montag reagiert der Wasserverband nun mit diesem drastischen Schritt und untersagt das Sprengen von Rasenflächen und Gärten.

"Eine solche Extremsituation habe ich in meiner elfjährigen Amtszeit noch nicht erlebt", erklärt Carl. Nach seiner Auskunft liegen die Spitzenzeiten zwischen 18 und 21 Uhr: "Dann wässern die Leute ihre Gärten." Der um diese Uhrzeit sprunghaft angestiegene Wasserbedarf habe dazu geführt, dass kein Druck mehr auf den Leitungen sei. "Engpässe gibt es im Sommer immer mal wieder", sagt Carl, doch in diesem Fall sei der Verband mit seinen technischen Möglichkeiten am Ende: "Die Druckerhöhungsstation in Harsefeld war völlig überlastet."

Bislang habe der Verband ein Bewässerungsverbot vermieden, so Carl: "Wegen rechtlicher Bedenken." Er habe das Thema jetzt noch mal juristisch prüfen lassen - mit dem Ergebnis, dass der Verband eine sogenannte Nutzungsbeschränkung aussprechen darf. Es darf erst wieder gewässert werden, wenn die Trockenperiode beendet ist. Auch wenn die Meteorologen von Gewittern sprechen: Selbst ein ausgiebiger Regenguss würde nur eine vorläufige Lösung des Problems darstellen. 

Aus dem Wasserhahn kam nur noch ein dünner Strahl: In weiten Teilen der Stader Geest herrschte in den vergangenen Tagen Wassernotstand. Vor allem in den Samtgemeinden Harsefeld und Apensen saßen manche Dörfer und Ortsteile fast auf dem Trockenen. Die Ursache des Druckabfalls, der vornehmlich in den Abendstunden auftrat, sind laut dem Versorger, dem Trinkwasserverband Stader Land, die vielen Rasensprenger. Sie dürfen ab sofort nicht mehr angeschaltet werden: Der Verband hat ein Bewässerungsverbot erlassen. Das Verbot umfasst auch das Befüllen von Pools und das Waschen von Autos.

Es gilt für den ganzen Landkreis Stade mit Ausnahme der Städte Stade und Buxtehude.
"Solch ein Verbot habe ich schon länger gefordert", sagt Harsefelds Rathauschef Rainer Schlichtmann. Seine Kommune ist besonders stark von der Wasserknappheit betroffen: "Ich weiß, dass es gerade im Neubaugebiet Ärger wegen des zu geringen Wasserdrucks gibt." Aber auch in den Dörfer im südlichen Gebiet der Samtgemeinde kommt in diesen Tagen viel zu wenig Wasser an. Wer abends unter die Dusche steigt, benötigt eine gefühlte Ewigkeit zum Abbrausen.

Gravierend ist der Wassermangel für manche Landwirte auf der Stader Geest: Wer etwa mit seinem Hof ausgesiedelt ist und am Ende einer Leitung hängt, muss um jeden Tropfen bangen. Wasser wird in erster Linie für das Spülen und Reinigen der Melkanlagen benötigt. "Am Samstagabend konnte ich beobachten, wie der Wasserfluss fast völlig versiegte. Da war Pause im Champions League-Finale und es gingen wohl alle aufs Klo", berichtet ein Landwirt, dessen Wasserversorgung geradezu kollabiert ist.

Auch das Vieh hat bei Temperaturen um die 30 Grad deutlich mehr Durst: Deren Wasserbedarf sei derzeit auf das Dreifache als das sonst Übliche gestiegen, so der Landwirt. Rinder, Schweine und Co. seien aber gut versorgt: "Rund dreiviertel der Höfe in der Region beziehen das Trinkwasser für ihre Tiere aus eigenen Brunnen." Der Trinkwasserverband steht nach eigenen Angaben in Kontakt zum Landvolk. "Nutztiere sind nach unseren Informationen nicht zu Schaden gekommen", berichtet Verbands-Geschäftsführer Fred Carl.

Der geringe Wasserdruck kann auch der Feuerwehr Schwierigkeiten bereiten: Ausgerechnet am Samstagabend mussten die Brandschützer im Harsefelder Ortsteil Ruschwedel ein größeres Feuer in einem Wohnhaus bekämpfen. Dort kam nicht genügend Wasser aus dem Hydranten, so dass eine 100 Meter lange Schlauchleitung zu einem Teich gelegt werden musste. "Wir waren aber vorgewarnt und hatten die Einsatzpläne im Vorfeld umgestellt, sodass der Schlauchwagen sofort vor Ort war", sagt Harsefelds Ortsbrandmeister Olaf Jonas. Schwieriger wird es allerdings, wenn kein Löschteich in der Nähe liegt.

Carl spricht zwar angesichts der aktuellen Wasserknappheit von einer "Extremsituation", die er so noch nicht erlebt habe - doch mit dem nächsten Wolkenbruch wird das Problem nicht gelöst sein. Carl räumt ein, dass hier großer Handlungsbedarf besteht: "Wir bekommen im Bereich des Trinkwasserverbandes, der den gesamten Landkreis außer Stade und Buxtehude umfasst, jedes Jahr 500 neue Hausanschlüsse hinzu." Um des Problems Herr zu werden, sei es nötig, hohe Investitionen in die Infrastruktur zu tätigen. Überall entstünden Neubaugebiete. Bei dieser rapiden Entwicklung müsse der Trinkwasserverband mit dem Ausbau des Netzes erst mal hinterherkommen.

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Jörg Dammann aus Stade

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