Er übergibt ein gut bestelltes Haus
Nach 25 Jahren als Verwaltungschef in Harsefeld: Rainer Schlichtmann geht in den Ruhestand

Rainer Schlichtmann hat sich 25 Jahre zum Wohle der Samtgemeinde Harsefeld eingesetzt
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jd. Harsefeld. Eine Ära geht heute zu Ende: Dieser Mittwoch ist der letzte Arbeitstag für Rainer Schlichtmann. Am Abend wird der Harsefelder Samtgemeinde-Bürgermeister bei einem Festakt in der Eissporthalle offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Dass seine Amtszeit später einmal als "Ära Schlichtmann" bezeichnet wird, dürfte ziemlich sicher sein. Schließlich hat der 67-Jährige die Geschicke der Samtgemeinde und auch ihrer vier Mitgliedsgemeinden entscheidend geprägt - und das über einen Zeitraum von einem Vierteljahrhundert.

Dabei gibt sich der angehende Ruheständler wie gewohnt bescheiden: Er zeigte sich zunächst skeptisch, ob es überhaupt nötig sei, seine Tätigkeit in diesem Rahmen zu würdigen. Und er betont immer wieder, dass alles, was man in den vergangenen Jahren in Harsefeld erreicht habe, nicht allein ihm, sondern einer Teamleistung zu verdanken sei - sowohl innerhalb der Verwaltung als auch in der Politik. Vieles verdanke der Geestort auch der Leistung von Ehrenamtlichen, so Schlichtmann.

Begonnen hat seine "Ära" am 1. Oktober 1995, als er als Samtgemeindedirektor die Nachfolge des langjährigen Rathauschefs Horst Küster antrat. "Dem 'Neuen' ist klar, dass er in reichlich große Fußstapfen tritt", schrieb damals das WOCHENBLATT. Am Ende von Schlichtmanns Dienstzeit kann man mit Fug und Recht behaupten, dass er in die Fußstapfen seines Vorgängers hineingepasst und diese sogar vergrößert hat.

Rainer Schlichtmann sorgte immer in enger Abstimmung mit der Politik dafür, dass sich Harsefeld zu dem entwickelt hat, was es heute ist: eine aufstrebende ländliche Kommune mit Kleinstadt-Charakter, ausgestattet mit einer Infrastruktur, für die sie von anderen Orten dieser Größenordnung beneidet wird.

Einwohnerzahl hat sich deutlich erhöht

Unter Schlichtmanns Ägide hat sich die Einwohnerzahl in der Samtgemeinde deutlich erhöht. Vor allem der Geestflecken selbst, aber auch die Dörfer Ahlerstedt und Bargstedt haben sich zu attraktiven Wohnstandorten entwickelt. Viele Neubürger sind in die Samtgemeinde Harsefeld gezogen, weil sie dort ein umfangreiches Angebot an Geschäften vorfinden und die Bereiche Handel, Handwerk und Dienstleistungen anders als sonst in manchen ländlichen Regionen noch gut aufgestellt sind. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich die Verwaltung mit Schlichtmann an der Spitze stets darum bemüht hat, ideale Rahmenbedingungen für das Gewerbe zu schaffen. Auch wenn Harsefeld sich wegen eindeutiger Standortnachteile wie etwa die große Entfernung zur Autobahn nie zu einem bedeutenden Gewerbe- oder Industriestandort entwickelt hat: Zahlreiche heimische Betriebe konnten sich durch die Ausweisung neuer Gewerbegebiete vor Ort entwickeln und erweitern und mussten nicht auf auswärtige Standorte ausweichen.

Wenn man die Samtgemeinde Harsefeld mit einem Haus vergleicht, dann könnte man sagen, dass der bisherige Hausherr ein fast durchgängig von Keller bis zum Dach renoviertes und modernisiertes Haus an seine Nachfolgerin Ute Kück übergibt. Während Rainer Schlichtmanns Amtszeit wurden fast alle öffentlichen Einrichtungen saniert und fit für die Zukunft gemacht. Man denke nur an die Umgestaltung des Freibades zu einem modernen Spaß- und Familienbadt. Auch die Eissporthalle wurde in mehreren Bauabschnitten in Schuss gebracht und selbst die kleine Schwimmhalle in Ahlerstedt wurde nicht vergessen.

Um im Bild zu bleiben: Wenn Rainer Schlichtmann jetzt in den wohlverdienten Ruhestand geht, hinterlässt er seiner Nachfolgerin weder Flickwerk noch größere Baustellen. Die Entwicklung weiterer Wohngebiete ist mit der Aufstellung eines neuen Flächennutzungsplans auf den Weg gebracht worden. Zudem sind wesentliche Teile des neuen Fahrradkonzeptes bereits umgesetzt. Ein ganz wichtiger Mosaikstein war dabei der Brückenschlag über die EVB-Bahnstrecke. Auch die Erneuerung der Ortsmitte ist abgeschlossen und mit der Sanierung der Herrenstraße wurde auch im Bereich Tiefbau ein wichtiger Punkt abgehakt.

Seit 36 Jahren als Verwaltungschef tätig

50 Jahre im öffentlichen Dienst: Rainer Schlichtmann kann auf eine lange Zeit in der Verwaltung zurückblicken. Angefangen hat alles in seiner Heimatkommune Cadenberge. Der Landwirtssohn absolvierte eine Ausbildung im Rathaus der Samtgemeinde Am Dobrock und erwarb einen Abschluss als Diplom-Verwaltungswirt. Zuletzt leitete er dort das Bauamt. 1984 erfolgte der nächste Schritt auf der Karriereleiter: Rainer Schlichtmann wurde Gemeindedirektor im Heideort Bienenbüttel (Kreis Uelzen).

Elf Jahre später lockte Harsefeld. "In der Lüneburger Heide hat es uns gut gefallen", sagt Rainer Schlichtmann. "Doch mit Anfang 40 habe ich mir noch mal überlegt, mich beruflich zu verändern." Bei seiner Frau habe er ein allerdings ein wenig Überzeugungsarbeit leisten müssen. "Wir schauten uns Harsefeld an einem trüben Wintertag an. Meine Frau war damals nicht so sehr angetan von dem Ort." Das hat sich längst geändert. "Wir haben es nie bereut, nach Harsefeld gezogen zu sein, und wir werden auch weiter hier wohnen bleiben", sagt Schlichtmann.

Er selbst kennt den Geestflecken schon seit seiner Jugend. Einmal habe er mit seinem Vater einen Mähdrescher bei der Firma Tobaben abgeholt und als aktiver Fußballer sei er mit seinem Team gegen die Mannschaften von TuS Harsefeld und "A/O" angetreten. Die Leidenschaft für den Fußball hat Rainer Schlichtmann sich bis heute bewahrt: Regelmäßig ist er bei den Heimspielen von TuS und A/O anzutreffen und vor einiger Zeit ist er sogar dem Ahlerstedter Bayern-Fanclub "Elbe-Bazis" beigetreten. Bei seiner Bewunderung für Bayern München kommt ganz der Verwaltungsfachwirt durch: "Ich finde es erstaunlich, wie dieser Verein immer wieder Spitzenspieler verpflichten kann und trotzdem wirtschaftlich so gut dasteht."

Zwei große Wahlerfolge

Als Rainer Schlichtmann sein Amt 1995 antrat, gab es in Niedersachsen noch die sogenannte Zweigleisigkeit an der Spitze einer Kommune. Zum einen gab es den ehrenamtlichen Bürgermeister als politischen Repräsentanten und zum anderen den hauptamtlichen Leiter der Verwaltung. In dieser letztgenannten Funktion hat Rainer Schlichtmann seine Zeit in Harsefeld begonnen - eben als Samtgemeindedirektor. Beide Ämter wurden in Niedersachsen kurz danach verschmolzen: Die Eingleisigkeit wurde nach und nach eingeführt. In Harsefeld geschah dies im Jahr 2007.

Für Rainer Schlichtmann bedeutete dies: Sein bisheriger Posten des Samtgemeindedirektors wurde mit dem Amt des Samtgemeinde-Bürgermeisters, das bis dahin Friedrich Dammann ehrenamtlich bekleidete, vereint. Rainer Schlichtmann musste sich dafür erstmals der direkten Wahl durch die Bürger stellen. Einen "echten" Wahlkampf gab es damals in Harsefeld nicht. Schlichtmann hatte keinen Gegenkandidaten. Doch er musste trotzdem ein wenig "zittern": Um als Einzelkandidat gewählt zu sein, musste man 25 Prozent der Stimmen aller Wahlberechtigter erhalten. Doch viele Harsefelder fragten sich, warum sie überhaupt wählen gehen sollten, wenn nur ein Bewerber zur Auswahl stand.

Um die Wähler trotzdem zu mobilisieren, betrieb Rainer Schlichtmann im Frühjahr 2007 einen "einsamen Wahlkampf", wie das WOCHENBLATT damals schrieb. Er sei auf etlichen Veranstaltungen über die Dörfer "getingelt". Und der "Charmeoffensive in den Ortschaften folgte eine Flyer-Invasion im Flecken", so der Artikel. Wahlkampfthema war die geplante Ortsentlastungsstraße - ein Projekt, das mittlerweile längst umgesetzt ist.

Eine Woche später druckte das WOCHENBLATT einen strahlenden Wahlsieger ab. "Schlichtmann siegt souverän", wurde getitelt. Schlichtmanns Freude war verständlich: Er holte 96,3 Prozent der Stimmen und die Wahlbeteiligung lag bei stattlichen 38,2 Prozent.

Seinen Wahlerfolg habe Schlichtmann auf seine gewohnt zurückhaltende Art kommentiert, heißt es im Artikel: "Das ist nicht mein Verdienst, na ja, vielleicht ein bisschen schon."
2015 stellte Rainer Schlichtmann sich für eine zweite Amtszeit als Samtgemeinde-Bürgermeister zur Wahl - wiederum mit einem tollen Ergebnis von 95 Prozent Ja-Stimmen. Einziger Wermutstropfen: die schwache Wahlbeteiligung von nur 28,5 Prozent.

Diese zweite Amtszeit hätte am 31. Oktober 2021 geendet. Doch im Februar vergangenen Jahres gab Rainer Schlichtmann bekannt, dass er seinen Posten vorzeitig mit Wirkung zum heutigen Tag niederlegt - aus familiären und gesundheitlichen Gründen.

Autor:

Jörg Dammann aus Stade

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