Was steckt hinter der Insolvenz der Beckdorfer Firma "Ehrecke-Krüger"? Geschäftsführer erhebt schwere Vorwürfe

Es wird um falsche Rechnungen und fehlende Lieferscheine gestritten
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jd. Beckdorf/Harsefeld. Sie könnten in einem Drehbuch für einen Wirtschafts-Krimi stehen: Die Vorgänge, die sich in einem Unternehmen aus Beckdorf ereignet haben sollen, klingen geradezu unglaublich. Der Bad-, Sanitär- und Heizungs-Fachbetrieb "Ehrecke-Krüger Haustechnik" ging Anfang Oktober in die Insolvenz. Grund sind laut Angaben des Geschäftsführers Michael Ehrecke die "Machenschaften" seines Kompagnons K.*: Dieser soll laut Ehrecke "Beträge im sechsstelligen Bereich aus dem Unternehmen gezogen haben." Dem WOCHENBLATT wurden Dokumente vorgelegt, nach denen die Steuerfahndung gegen K. tätig geworden ist. Die Staatsanwaltschaft Stade hält sich allerdings bedeckt: "Aus ermittlungstaktischen Gründen äußern wir uns nicht", erklärt Sprecher Kai-Thomas Breas.

"Ab seinem ersten Tag als Geschäftsführer hat K. mich hinters Licht geführt", sagt Michael Ehrecke. K. habe seit mehr als drei Jahren mittels fingierter Rechnungen Geld, das eigentlich "Ehrecke-Krüger" zustehe, in eine weitere eigene Firma, ein Unternehmen für den Heizungs-Zwischenhandel, umgeleitet, so Ehrecke: "Das Ganze blieb über Jahre unentdeckt, weil K.s Ehefrau bei uns die Buchhaltung gemacht hat." Diese sei inzwischen fristlos entlassen.

"Wir haben uns lange gewundert, dass wir keine schwarzen Zahlen schreiben", berichtet Ehrecke. Erst das Finanzamt sei K. auf die Schliche gekommen: "Die Betriebsprüfer vermissten sämtliche Lieferscheine für die Waren, die angeblich von K.s Zwischenhandel an uns ausgeliefert worden sind." Eigentlich sollte diese Firma mit Sitz in Harsefeld nur zwischengeschaltet werden, um an Rabatte von Herstellern zu kommen. Nun sei es genau andersherum gewesen, so Ehrecke: "K.s Firma stellte satte Aufschläge in Rechnung - für Waren, die wir nie erhalten haben." Stattdessen sollen vor allem Heizungs-Anlagen gleich an Endkunden geliefert worden sein. "Diese bekamen dann eine Rechnung von K.s Zwischenhandel", berichtet Ehrecke.

Er sei dann hellhörig geworden, weil Kunden angerufen hätten, so Ehrecke: "Die Leute wunderten sich, dass die Rechnung aus Harsefeld kam und nicht von uns." Selbst von "Ehrecke-Krüger" erbrachte Handwerkerleistungen sollen von dem Zwischenhandels-Unternehmen berechnet worden sein. "Wir haben auf unseren Computern Abrechnungen gefunden, für die K.s Frau nie eine Rechnung im Namen unserer Firma erstellt hat." Ehreckes Vorwurf: Sein Mit-Geschäftsführer und dessen Ehefrau hätten die Ressourcen von "Ehrecke-Krüger" genutzt, um sich über ihre eigene Firma zu bereichern.

"Am Ende wollte K. unsere gemeinsame Firma allein übernehmen", sagt Ehrecke. Er verweist auf ein Übernahme-Angebot, dass in seinen Augen wie eine Erpressung anmutet: Darin droht K., die Kredite bei der Hausbank zu kündigen und die Firma in die Insolvenz zu bringen, wenn Ehrecke und weiterer Mit-Gesellschafter sich nicht auszahlen lassen." "Dieses Vorhaben kommt einer Erpressung gleich", sagt Rechtsanwalt Ingo Ebling, der für "Ehrecke-Krüger" tätig ist: Dass ein Geschäftsführer drohe, seine Firma zugrunde zu richten und diese Drohung auch noch wahrmache, sei ein unglaublicher Vorgang.

"Eine ganz normale Steuerprüfung"

K. weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe vehement zurück. Er sieht darin eine Kampagne, um ihn in Misskredit zu bringen. "Wir sind zwei Geschäftsführer, die sich nicht mehr grün sind", so K. Angesprochen auf eine Durchsuchungsmaßnahme der Steuerfahndung, erklärte K.: "Es hat sich um eine ganz normale Steuerprüfung gehandelt." Er gehe davon aus, dass das Insolvenzverfahren bei "Ehrecke-Krüger" Ende November abgeschlossen sei. Danach stehe er für ein Gespräch zur Verfügung, so K.: "Bis dahin will ich mich nicht zu einem schwebenden Verfahren äußern."

Geschäftsbetrieb läuft weiter

Auch wenn es noch Monate dauern wird, diesen Fall aufzuarbeiten, richtet Michael Ehrecke den Blick nach vorn: "Ich setze jetzt meine ganze Kraft für das Weiterbestehen unseres Unternehmens ein. Aber dann ohne K." Der vorläufige Insolvenzverwalter, der Hamburger Anwalt Friedrich von Kaltenborn-Stachau, sagte auf WOCHENBLATT-Nachfrage: "Der Geschäftsbetrieb läuft uneingeschränkt weiter. Kunden werden beliefert und Lieferanten werden bezahlt." Es gehe immerhin um mehr als 40 Arbeitsplätze. "Unsere Aufgabe ist es nicht, in der Vergangenheit zu rühren, sondern den Betrieb in die Zukunft zu führen", so der vorläufige Insolvenzverwalter: Ziel sei es, das Unternehmen durch Übertragung auf eine neue Gesellschaft auf sichere wirtschaftliche Beine zu stellen. Dafür suche er jetzt Investoren.

* Name der Red. bekannt.

Es wird um falsche Rechnungen und fehlende Lieferscheine gestritten
Sicherlich keine normale Steuerprüfung: Einer der Durchsuchungsbeschlüsse, die die Steuerfahnder gegen K. erwirkt haben
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Jörg Dammann aus Stade

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