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Abschied nach 14 Jahren: Johann Book, Leiter des Harsefelder Gymnasiums, geht in den Ruhestand

Der Schreibtisch ist voll: Johann Book hat noch einiges aufzuarbeiten, bis er in den Ruhestand geht Foto: jd
jd. Harsefeld. Die offizielle Verabschiedung ist bereits Ende Juni und ein Monat später ist dann endgültig Schluss: Johann Book (66), Schulleiter des Aue-Geest-Gymnasiums in Harsefeld, geht in den Ruhestand. Damit endet nach 14 Jahren eine Ära an der Schule: Book ist der erste Direktor des 2004 gegründeten Gymnasiums. Er hat die Schule maßgeblich geprägt. Book kann an seinen Nachfolger ein gut bestelltes Haus übergeben. Wer seinen Posten übernimmt, steht allerdings noch nicht fest. Im WOCHENBLATT-Interview lässt Book, der in Stade wohnt, seine Zeit in Harsefeld Revue passieren:

WOCHENBLATT: Herr Book, Sie haben das Pensionsalter bereits vor einem halben Jahr erreicht. Warum sitzen Sie noch hinter dem Schreibtisch?
Book: Ich habe mich entschlossen, dieses Schuljahr noch zu Ende zu bringen. Es gibt schon einen gewissen "Trennungsschmerz". Schließlich ist es eine besondere Situation, eine Schule zu verlassen, die man in verantwortlicher Position mit aufgebaut hat.

WOCHENBLATT: Können Sie sich noch an die Anfangszeit erinnern?
Book: Das ging damals Schlag auf Schlag. Ende 2003 fiel die Entscheidung, zum August 2004 den Schulbetrieb aufzunehmen. In einem achtköpfigen Planungsteam mit drei Lehrern des Stader Athenaeums machten wir uns an die Arbeit.

WOCHENBLATT: Es gab ja noch nicht mal ein eigenes Schulgebäude.
Book: Richtig, das musste erst gebaut werden. Wir haben für zwei Jahre nebenan in der Haupt- und Realschule, der jetzigen Oberschule, Unterschlupf gefunden.

WOCHENBLATT: Vom Stader "Athe" in die Provinz - wie war das für Sie?
Book: Damit hatte ich keine Probleme. Schließlich war das 2006 eingeweihte Harsefelder Gymnasium die modernste Schule des Landkreises. Ich habe eher einen "Kulturschock" erlebt, als ich Ende der 1970er Jahre meine erste Anstellung als Lehrer am "Athe" erhielt. Ich hatte an der TU Braunschweig studiert. Dort herrschte eine sehr liberale Atmosphäre. Das "Athe" hingegen war damals noch eine altehrwürdige Lehranstalt mit einem überwiegend konservativen Kollegium. Für mich als Junglehrer war es gar nicht so leicht, mit diesem sehr formalen Umgangsstil und den festen Hierarchien zurechtzukommen.

WOCHENBLATT: In gewisser Weise wirkt ja auch ein Schulname identitätsstiftend. Wie finden Sie den Namen "Aue-Geest-Gymnasium"?
Book: Die Namensgebung war eine Vernunftentscheidung und ein guter Mittelweg. Es gab ja zwei Extreme: Das eine lautete "Benediktinum", das andere war der Vorschlag, die Schule nach der außerhalb von Fachkreisen völlig unbekannten Physikerin Lise Meitner zu benennen. Die Gemeinde favorisierte den Mäzen Friedrich Huth als Namensgeber. Doch das wäre nach dem Geschmack der Mehrheit unserer Schulgemeinschaft zu viel des Guten gewesen. Nach ihm sind bereits die Bücherei und eine Straße benannt.

WOCHENBLATT: Was wäre denn mit dem Vorschlag Gymnasium am Ponyhof?
Book: Ein charmanter Vorschlag. Sie spielen sicher auf die gute "Landluft" an. Diese "Düfte" wabern besonders an warmen Tagen durch die Schule. Solche Gerüche zählen zu den wenigen Dingen, die ich nicht vermissen werde.

WOCHENBLATT: Und wie sieht es mit der Dauer-Fahrgemeinschaft mit Ihrer Stellvertreterin Ute Appelkamp aus?
Book: Diese Fahrten werde ich natürlich vermissen. Frau Appelkamp hat mich jeden Morgen auf ihrem Arbeitsweg aufgepickt. Die rund 20-minütige Fahrt haben wir genutzt, um wichtige Dinge für den Tag zu besprechen. Das war kostbare Zeit, die uns zusätzlich zur Verfügung stand.

WOCHENBLATT: Als Schuldirektor verbrachten Sie die meiste Zeit am Schreibtisch. Wieviel Stunden haben Sie eigentlich unterrichtet?
Book: Es waren im Schnitt zwei bis vier Stunden pro Woche, die ich unterrichtet habe. Überlegungen, dass die Schulleiter gar nicht mehr unterrichten sollen, halte ich für falsch. Ein Schuldirektor sollte schon einen gewissen Bezug zur Praxis haben. Sinnvoll wäre es, eine Klasse in der Mittelstufe und einen Oberstufen-Kurs zu unterrichten.

WOCHENBLATT: Sie haben Geschichte und Biologie unterrichtet. Welches Fach mögen Sie lieber?
Book: Gerade weil beide Fächer so unterschiedlich sind, gibt es keinen Favoriten. In den ersten zwei Dritteln meiner Lehrer-Laufbahn habe ich fast ausschließlich Biologie unterrichtet. In meiner Zeit in Harsefeld dann größtenteils Geschichte. Das habe ich mir aber nicht so ausgesucht. Es lag einfach daran, dass das jeweils andere Fach durch Kollegen ausreichend abgedeckt war.

WOCHENBLATT: Was nehmen Sie sich für den Ruhestand vor?
Book: Langweilig wird mir bestimmt nicht. Ich habe mir schon einiges überlegt. Vielleicht werde ich ein Zweitstudium aufnehmen oder mich ehrenamtlich betätigen. Fest vorgenommen habe ich mir, meine Spanisch-Kenntnisse aufzufrischen.