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Ärger in Harsefeld: Jugendliche sorgten für Probleme

Lina, Samin, Natalie, Radwan und Hendrik (v.li.) fühlen sich in der Wohngruppe der Jugendhilfe-Einrichtung "B+S Soziale Dienste" gut aufgehoben.
 
Das B+S-Leitungsteam will künftig für ein positives Imgae der Harsefelder Einrichtung sorgen (v.li.): Sebastian Beck, Kai Tripmaker, Thomas Betzin und Udo Schmidt Fotos: jd/B+S

Verantwortliche reagieren nach Anwohner-Beschwerden über Harsefelder Betreuungseinrichtung

jd. Harsefeld. Gegen Vorurteile anzukämpfen, ist nicht leicht. Schon gar nicht, wenn sich andere in ihrer vorgefassten Meinung bestätigt fühlen, weil man selbst einen Fehler gemacht hat. Das wissen jetzt auch die Verantwortlichen von der Sozial-Einrichtung "B+S Soziale Dienste". Vor knapp einem halben Jahr hat das privat geführte Unternehmen, das überwiegend auf die Betreuung junger Menschen aus Problemfamilien spezialisiert ist, eine neue Jugendunterkunft in Harsefeld eingerichtet. Wiederholt gab es nun im Umfeld des Hauses Ärger. Nachbarn beklagten sich über Lärm, Passanten störten sich an den Jugendlichen, die an der Straße und vor dem gegenüberliegenden Supermarkt "abhängen" - und einmal ging sogar eine Scheibe zu Bruch. Doch den Betreuern kamen viele Beschwerden erst spät zu Ohren - und sie reagierten dann nicht ausreichend. "Das war ein großer Fehler", räumt der Leiter der Harsefelder Einrichtung, Kai Tripmaker, ein.

Dieser Fehler soll nun ausgebügelt werden: Die im Haus tätigen Sozialpädagogen haben ihre Schützlinge jetzt noch intensiver im Blick, an der Straße wird nicht mehr herumgelungert und die Treffpunkte vor den Supermärkten sind tabu. Stattdessen richten Tripmaker und sein Team auf einer Fläche direkt an der Unterkunft einen überdachten Platz ein, an dem die Jugendlichen sich draußen aufhalten und auch mit Freunden aus dem Ort treffen können. "So haben wir die jungen Leute ein wenig mehr unter Aufsicht", meint Tripmaker.

"Wir können uns nur in aller Form bei den Harsefeldern entschuldigen, dass wir in den vergangenen Wochen für Unmut gesorgt haben", erklärt B+S-Geschäftsführer Sebastian Beck. Es sehe fast so aus, dass sich die Befürchtungen mancher Bürger, die von B+S betreuten Jugendlichen würden Unruhe in den Ort bringen, bestätigt hätten. "Da wir diese Sorgen ernst nehmen, wollen wir künftig offensiver an die Öffentlichkeit treten und zeigen, welch wichtige Arbeit in unserer Einrichtung geleistet wird."
Geplant ist ein Info-Abend, zu dem alle Nachbarn und Interessierten eingeladen werden. "Dann kann sich jeder ein selbst ein Bild davon machen, was in unserem Haus passiert", sagt Tripmaker.

Um den Ruf ihrer Einrichtung sorgen sich auch die beiden B+S-Gesellschafter Thomas Betzin und Udo Schmidt. Sie haben weitere Maßnahmen angeschoben. So ist ein Sicherheitsdienst damit beauftragt worden, nachts regelmäßig rund ums Haus Streife zu gehen. Auch die Pädagogen und Betreuer werden künftig für Außenstehende deutlich zu erkennen sein: "Wir statten sie mit einheitlichen blauen Jacken mit B+S-Logo aus", berichtet Betzin. "So wissen die Bürger gleich: Das ist jemand, den sie ansprechen können, falls es Probleme geben sollte."

Mit den jungen Bewohnern ist natürlich auch gesprochen worden: "Den meisten ist inzwischen klar, dass sie in Harsefeld nur dann akzeptiert werden, wenn sie sich gut benehmen", sagt Tripmaker. Einige "Störenfriede" seien inzwischen in anderen Häusern von B+S untergebracht worden, sodass jetzt weitgehend Ruhe herrsche. "Aber wir können die jungen Menschen ja auch nicht wegsperren." Gewisse Freiheiten müsse man ihnen schon lassen. Den einen oder anderen Konflikt werde es daher immer mal geben, so Tripmaker: "Wer aus einem schwierigen familiären Umfeld stammt, hat bei Streitigkeiten eher eine 'kurze Zündschnur'."

• Sollte es jetzt trotzdem noch Anlass zu Ärger geben, bittet Tripmaker, sich direkt an ihn zu wenden. Er ist unter ( 0170 - 3711520 zu erreichen.


Betreuung rund um die Uhr

In dem Haus am Harsefelder Paschberg finden Jugendliche, die vom Jugendamt oft aus schwierigen familiären Situationen geholt werden, Schutz und Zuflucht. Acht Plätze stehen für diese sogenannte Inobhutnahme bereit. Dabei geht es um Fälle, bei denen dringender Handlungsbedarf besteht, weil das Wohl des Jugendlichen zu Hause gefährdet ist. Derzeit werden drei Jugendliche in diesem Rahmen betreut. In der Regel verbleiben sie vier bis sechs Wochen in der Einrichtung.

Ebenfalls über acht Plätze verfügt die Wohngruppe. Dort leben die jungen Leute wie in einer Großfamilie zusammen, mit festen Bezugspersonen aus dem Betreuerteam. Diese Jugendlichen sind dort meist mehrere Monate untergebracht. Bei einigen sind die Eltern verstorben oder aus Krankheitsgründen nicht mehr in der Lage, sich um sie zu kümmern. Auch minderjährige Flüchtlinge gehören zu dieser Klientel.

Für beide Bereiche ist eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung gewährleistet: "Tagsüber sind bis zu sieben Mitarbeiter vor Ort und auch nachts ist immer jemand aus unserem Team da, der sich kümmert", sagt Einrichtungsleiter Kai Tripmaker.

Darüber hinaus verfügt das Haus noch über elf Plätze in Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen. Dieses Wohnangebot richtet sich Jugendliche und junge Erwachsene bis 21 Jahre, die sich bereits von zu Hause abgenabelt haben - meistens, weil das Zusammenleben mit den Eltern unter einem Dach nicht mehr funktioniert. Sie werden darin unterstützt, den Sprung in ein eigenständiges Leben zu schaffen.