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Bewässerungsverbot im Kreis Stade: "Die Situation ist durchaus dramatisch"

Wasser ist in vielen Ländern ein kostbares Gut (Foto: Fotolia / lovelyday)
 
Zuständig für das Wasser im Kreis Stade: Fred Carl Foto: lt/Archiv

WOCHENBLATT-Interview mit Fred Carl, Geschäftsführer des Trinkwasserverbandes Stader Land


(jd). Im Landkreis Stade hat sich die Situation bei der Wasserversorgung in dieser Woche erneut zugespitzt. Wegen der anhaltenden Trockenheit und Temperaturen jenseits der 30 Grad-Marke ist der Wasserverbrauch in dieser Woche vor allem zu den abendlichen Spitzenzeiten wieder stark nach oben geklettert. Um zu verhindern, dass das Netz wie am 26. Mai kollabiert, hat der Trinkwasserverband Stader Land erneut eine unbefristete Nutzungseinschränkung bei der Verwendung von Trinkwasser für private Zwecke angeordnet.
Laut amtlicher Mitteilung ist die Nutzung des Trinkwassers aus dem öffentlichen Versorgungsnetz des Trinkwasserverbandes Stader Land für Beregnungszwecke im Garten (Gießkannen dürfen befüllt werden), Wagenwaschen und für die Befüllung von Swimmingpools und Planschbecken untersagt.
Das Verbot gilt für alle Kommunen im Landkreis Stade außer den Städten Stade und Buxtehude.

Es stellt sich die Frage: Gehen die Menschen mit der Ressource Trinkwasser viel zu gedankenlos um? WOCHENBLATT-Redakteur Jörg Dammann sprach darüber mit Verbands-Geschäftsführer Fred Carl:

WOCHENBLATT: Der Trinkwasserverband hat erneut eine Nutzungsbeschränkung ausgesprochen. Es ist u.a. wieder verboten, den Garten zu bewässern. Ist die Situation ähnlich brenzlig wie bei der "Wasserkrise" Ende Mai?
Carl: Bisher ist es nicht zum Zusammenbruch des Netzes wie Ende Mai gekommen. Das ist jedoch zu befürchten, wenn die Nutzungseinschränkung nicht ausgesprochen würde. Insofern ist die Situation durchaus dramatisch. Von „Wasserkrise“ würde ich allerdings nicht sprechen.

WOCHENBLATT: Bei dem derzeitigen Wetter mit Hitzerekorden und extremer Trockenheit war eigentlich an fünf Fingern abzuzählen, dass die Leute wieder ihre Gartenschläuche anschließen. Werden die Menschen einfach nicht klüger?
Carl: Ich denke, das hat nichts mit der Klugheit der Menschen zu tun. Man ist es einfach gewohnt, dass immer genügend Trinkwasser aus der Leitung kommt. In den allermeisten Fällen ist das ja auch so.

WOCHENBLATT: Sie haben kürzlich dem Harsefelder Rat zum Thema Wasserversorgung Rede und Antwort gestanden. Dort wurde aus den Reihen der Politik ein gewisse Erwartungshaltung formuliert. Tenor: Wasser müsse immer ausreichend zur Verfügung stehen, damit es auch für den Rasensprenger reicht. Was halten Sie von diesem Anspruchsdenken?
Carl: Wie zuvor erläutert, steht in den allermeisten Fällen genügend Wasser zur Verfügung. Technische Systeme können allerdings an Ihre Grenzen geraten und dann halte ich Einschränkungen in Form eines Verbots für das Rasensprengen für ein relativ geringes Übel. Ich denke, die meisten Leute sehen das auch ein. Ein überzogenes Anspruchsdenken kann ich eigentlich nicht erkennen.

WOCHENBLATT: Auf der Homepage Ihres Verbandes stand in dieser Woche folgender Satz: "Wasser ist ein soziales Gut und erfordert einen gewissenhaften Umgang von uns allen." Das klingt ein wenig nach Gesellschaftskritik. Ist ein drohender Netz-Kollaps letztlich ein typisches Problem unserer Überfluss-Gesellschaft?
Carl: Der Hinweis, dass Wasser ein soziales Gut ist, sehe ich hier nicht als gesellschaftskritische Äußerung. Hiermit ist nur gemeint, dass der Wasserdruck selbst in extremen Situationen ausreichen sollte, damit Trinkwasser eben auch bei allen Kunden ankommt.

WOCHENBLATT: Ihre Kernaufgabe ist die Bereitstellung von sauberem Trinkwasser. Ärgert es Sie eigentlich, wenn Menschen auch in solchen Extremsituationen die gemeinschaftliche Ressource Trinkwasser für den Rasen, das Auto oder den Pool vergeuden?
Carl: Mich ärgert nicht, dass Trinkwasser auch für andere Zwecke als zum Trinken benutzt wird. Es geht hier nur um das Verhalten in derartigen Extremsituationen.

WOCHENBLATT: Konkret gefragt: Ist das Trinkwasser mit einem Preis von unter einem Euro pro 1.000 Liter einfach zu billig?
Carl: Wir haben einen günstigen Wasserpreis, da der Verband keine Gewinne machen darf. Insofern spiegelt der Preis die reine Kostensituation wider. Ich halte ihn deshalb für angemessen.

WOCHENBLATT: Ein Verbot kann doch nur wirken, wenn sich alle oder zumindest die meisten daran halten. Nimmt der Trinkwasserverband Kontrollen vor oder setzen Sie darauf, das sich Nachbarn gegenseitig anschwärzen? Oder ist das Bewässerungsverbot im Prinzip nur ein Appell?
Carl: Das Verbot hat tatsächlich Appell-Charakter, da wir es nicht mit Sanktionen belegt haben. Sollten wir allerdings feststellen, dass es nicht befolgt wird, könnte man entsprechende Sanktionen in Form von Bußgeldern verhängen.