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Mähen und düngen mögen Molche nicht: Debatte der Stader Kreis-Politiker

Wo kriecht der Kammmolch herum? Diese Frage blieb offen Foto: Fotolia/bennytrapp
jd. Harsefeld. Große Debatte um einen kleinen Molch: Im Umwelt-Ausschuss des Landkreises diskutierten die Politiker vor Kurzem heftig über den Kammmolch. Wegen des amphibischen Kriechtiers sollten mehrere Weideflächen rund um das Harsefelder Waldgebiet Braken zusätzlich unter Naturschutz gestellt werden. Am Ende wurde entschieden: Das NSG Braken bleibt (vorerst) im alten Umfang bestehen. Denn niemand weiß derzeit genau, wo der Molch herumkriecht.

Es ist das übliche Prozedere: Brüssel verlangt, dass für die bestehenden Naturschutzgebiete (NSG) neue Verordnungen gemäß EU-Recht geschaffen werden. Auch im Landkreis sind Verwaltung und Politik dabei, diese Aufgabe abzuarbeiten. Dem bestehenden NSG Braken sollten dabei ein paar angrenzende Wiesen zugeschlagen werden, die landwirtschaftlich genutzt werden. Der Grund: Dort soll im Frühjahr der Kammmolch unterwegs sein, um seine Laichtümpel aufzusuchen.

Die meiste Zeit des Jahres zieht der Molch feuchten Waldboden vor. Der ist im Braken reichlich vorhanden. Auf seiner Wanderung zu den Laichplätzen scheint das sensible Tierchen allerdings seine Eigenarten zu haben. Frisch gemähte und gedüngte Wiesen sind ihm ein Graus. Daher sollten den Bauern, die diese Flächen bewirtschaften, ein paar Beschränkungen auferlegt werden. Die machten ihrem Unmut in der Sitzung Luft: Behördliche Auflagen beim Düngen, Mähen und Walzen der Wiesen seien für sie nicht hinnehmbar.

Dr. Uwe Andreas, Leiter der Kreis-Naturschutzamtes, sorgte in der Sitzung für einen kleinen Eklat: Seine Aussage, Landwirte bekämen mit den Ausgleichszahlungen für Flächen in Naturschutzgebieten "Geld fürs Nichtstun", rief Proteste in der Runde hervor.
Kreislandwirt Johann Knabbe ("Ich verwahre mich aufs Schärfste gegen solche Unterstellungen.") sowie Politker aus den Fraktionen von CDU und FWG waren auf Zinne.

Sie forderten Andreas auf, seine Äußerungen zurückzunehmen. Der zeigte sich von der Empörung im Saal wenig beeindruckt. Für ihn in die Bresche sprang sein Vorgesetzter, Dezernent Hans-Hermann Bode: Er erklärte, der Begriff "Nichtstun" sei völlig wertfrei zu verstehen und bedeute nur, dass einfach die Bewirtschaftung unterbleibe.

Bode konterte auch den Vorwurf der CDU-Politikerin Christiane von der Decken, die Überführung landwirtschaftlicher Flächen ins NSG sei ein "enteignungsgleicher Zustand": "Wir sollten hier auf dem Teppich bleiben", so Bode. Schließlich gebe es eine Sozialbindung des Eigentums.

Nachdem die Wogen geglättet waren, hat der Ausschuss der Verwaltung aufgetragen, beim Land - es ist zuständig für die Biotop-Kartierungen - nachzuhaken, wann endlich wieder Molche gezählt werden. Die letzte Bestandsaufnahme liegt immerhin zehn Jahre zurück.

• Das NSG Braken steht auch auf der Tagesordnung der Kreistagssitzung. Einen erneuten politischen Schlagabtausch zu dem Thema wird es wohl nicht geben.