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Sprechstunde via Webcam: Vorhaben in Harsefeld als Modell?

Ärztliche Beratung per Webcam Foto: Fotolia/agenturfotografin
jd. Harsefeld/Hannover. Wer gut verdienen will, sollte Arzt werden. Mediziner nehmen im Ranking der bestbezahlten Berufe nach wie vor eine Spitzenposition ein - wenn sie denn als Ober- oder Facharzt in einer Klinik arbeiten. Für viele Medizinstudenten eine höchst attraktive Berufsperspektive. Weniger erstrebenswert ist es für einen Jungmediziner hingegen, als Hausarzt zu arbeiten. Vor allem die ungeregelten Arbeitszeiten und das betriebswirtschaftliche Risiko einer Praxisgründung oder -übernahme machen den Beruf des Hausarztes nicht gerade attraktiv. Das bekommen vor allem ländliche Kommunen zu spüren - auch im Kreis Stade: Viele Hausärzte, die auf das Rentenalter zusteuern, sind über die Suche nach einem Nachfolger bereits ergraut. In vielen Landgemeinden ist der drohende Hausarzt-Mangel längst Thema in der Politik - wie zum Beispiel in Harsefeld. Auch die Landespolitiker haben in dieser Woche im Landtag darüber beraten.

Dieses Projekt aus Harsefeld könnte als Blaupause für anderen Kommunen dienen, sofern es so umgesetzt wird, wie es sich der stellvertretende Landrat und Harsefelds Bürgermeister Michael Ospalski (SPD) vorstellt: Gemeinsam unter einem Dach - man könnte es "Ärztehaus" nennen - praktizieren mehrere Hausärzte und bei Bedarf auch Fachärzte, das Ganze wird abgerundet durch eine Apotheke und ein ergänzendes Gesundheitsangebot. Die passende Immobilie ist mit dem ehemaligen Aldi-Markt bereits gefunden.

Nach Ansicht von Ospalski ist die Einrichtung eines sogenannten Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) ein geeignetes Modell, um dem drohenden Hausarzt-Schwund zu begegnen - unabhängig davon, ob dieses MVZ von der Kommune oder einem privaten Investor betrieben wird.

Der Vorteil für die dort angesiedelten Ärzte: Sie wären in einem Angestelltenverhältnis, hätten pünktlich Feierabend oder könnten - vor allem bei jungen Müttern wäre das wohl ein gewichtiges Argument - Beruf und Familie unter einen Hut bringen, indem sie nur halbtags den weißen Arztkittel anziehen. Die viel gepriesene "Work-Life-Balance" wäre endlich auch für den klassischen Landarzt kein Fremdwort mehr.

Außerdem, so spinnt Ospalski seine Idee weiter, könnten dort Patienten behandelt werden, ohne dass ein (Fach-)Arzt vor Ort ist. Stichwort: Telemedizin. "Das ist eine zukunftsweisende Option", befindet der stellvertretende Landrat. Sogenannte Versorgungsassistenten würden dann im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten die medizinische Versorgung vornehmen, während bei Bedarf der Arzt per Webcam zugeschaltet wird, Anweisungen über das Tablet gibt und via Internet eine "Ferndiagnose" vornimmt.

Das Thema Telemedizin haben auch CDU und SPD in einem Entschließungsantrag aufgenommen, der am Donnerstag im Niedersächsischen Landtag verabschiedet wurde. In dem Antrag mit dem Titel "Hausärztliche Versorgung in Niedersachsen sicherstellen" sind zwölf Punkte aufgeführt, mit denen eine "wohnortnahe, qualitativ hochwertige medizinische Versorgung" sichergestellt werden soll.

Dazu gehört eben auch die Schaffung von "Behandlungseinrichtungen", wie sie in Harsefeld in Planung ist. Wenn - wie es in einem Fall bereits vorgekommen sein soll - Söhne nach einem Medizinstudium nicht mehr bereit sind, die Praxis ihres Vaters zu übernehmen, weil für für sie der Arztjob auf dem platten Land unattraktiv ist, dann dürfte es tatsächlich höchste Zeit sein, sich mit der Nachfolgeproblematik bei den Hausärzten zu beschäftigen.