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Wasser aus der Wikingerzeit: Das Stader Trinkwasser wird tief aus der Erde gefördert

Olaf Schacht zeigt anhand einer Schautafel, aus welchen Erdschichten das Trinkwasser gefördert wird Fotos: jd
 
Wassermeister Klaus Dede nimmt eine Wasserprobe
jd. Stade. Vor etwa 1.000 Jahren überfielen die Wikinger Stade. Es ist nicht überliefert, wie damals das Wetter war. Vielleicht hat es geregnet. Dann ist es durchaus möglich, dass wir heute das Wasser trinken, das einst von den Helmen der Nordmänner tropfte, bevor es im Boden versickerte. "Proben haben ergeben, dass das von uns geförderte Trinkwasser zum Teil rund 1.000 Jahre alt ist", sagt Olaf Schacht, Bereichsleiter Netze und Anlagen bei den Stadtwerken Stade. Mit jedem Schluck Wasser nimmt man so quasi ein Stück Stader Geschichte in sich auf. Ob das auch herauszuschmecken ist, mag jeder selbst entscheiden. Eines steht aber fest: Das erfrischende Nass ist an diesen heißen Sommertagen ein wahrer Genuss - und außerdem supergünstig.

Pro Kubikmeter - das sind 1.000 Liter - zahlen die Stader etwas mehr als einen Euro. Für diesen Preis erhalten die Kunden eines der am strengsten kontrollierten Lebensmittel, das zudem von höchster Reinheit ist. "Die Brunnen unserer beiden Wasserwerke reichen in Tiefen bis 140 Meter", erklärt Schacht: "Darüber liegen zwei Tonschichten, die wie ein Deckel wirken und das Grundwasser nach oben hin weitgehend abschirmen."
Manche Sprudelhersteller werben kostenintensiv mit solch einem Wasser aus den Tiefen der Erde. Das müssen die Stadtwerke nicht, weil ihr Wasser ohnehin in jedem Stader Haushalt aus der Leitung kommt und außerdem ein "Preisschlager" ist: Für die gleiche Menge Mineralwasser, die abgefüllt in Flaschen pro Kiste rund 5 Euro kostet, verlangen die Stadtwerke nicht einmal einen Cent.

"Unser Wasser kann bedenkenlos als Trinkwasser konsumiert werden. Wir empfehlen es sogar unseren Kunden", sagt Schacht. Die Besitzer älterer Häuser sollten allerdings vorsichtig sein: "Wer in seinem Haus noch alte Bleirohre verwendet, sollte sich an einen Installateur wenden und eine Probe ziehen, bevor er das Wasser regelmäßig trinkt." Die Stadtwerke selbst haben in ihrem rund 200 Kilometer langen Netz die letzten Bleirohre vor mehr als 30 Jahren ausgemustert.

"Lediglich Mangan und Eisen werden herausgefiltert, damit das Wasser nicht trübe ist und geschmacklich nicht beeinträchtigt wird, erläutert der Bereichsleiter. Das Wasser werde weder mit Chlor versetzt noch müsse es - wie in anderen Regionen Deutschlands - aufwändig gereinigt werden. "Wir sind in einer komfortableren Lage als diejenigen Versorger, die Oberflächenwasser entnehmen müssen." Da das Wasser aus tief liegenden Gesteinsformationen stamme, sei mit Schadstoffen belastetes Wasser, worüber die Presse immer wieder berichte, kein Thema für die Stadtwerke: "Wir müssen uns derzeit weder um zu hohe Nitratwerte noch um Medikamentenreste oder andere chemischen Rückstände aus dem Abwasser Sorgen machen - und zum Glück auch nicht um multiresistente Keime."

Dass es vor ein paar Wochen dennoch im Stader Osten Probleme mit einer Keimbelastung gegeben hat, bedauert Schacht. Solche Vorkommnisse seien trotz aller Vorsichtsmaßnahmen nie 100-prozentig auszuschließen. Die Analyse habe ergeben, dass es kein Fäkalkeim gewesen sei: "Es war ein Umweltkeim, wie er überall zu finden ist. Es ist 100-prozentig auszuschließen, dass der Keim aus dem Wasserwerk ins Trinkwassernetz gelangt ist." Vermutlich sei die Kontaminierung über einen Hausanschluss oder Hydranten erfolgt.

In solchen Fällen tritt ein sogenannter "Notfallwasserplan" in Kraft. Dann leiten die Stadtwerke verschiedene Maßnahmen ein - wie das Spülen von Leitungen, die Sperrung bestimmter Netzbereiche oder die Aufforderung an die Kunden, ihr Trinkwasser abzukochen. "Auch das Gesundheitsamt, mit dem wir ohnehin in engem Kontakt stehen, wird informiert", so Schacht. Ergebe sich aus einer Wasserprobe der Verdacht auf eine mögliche Keimbelastung, dann nehme man umgehend eine Kontrollprobe vor: "In den allermeisten Fällen ist das Ergebnis dann unauffällig."

Die Proben untersucht ein unabhängiges, zertifiziertes Labor. "Das Wasser aus den Brunnen wird umfangreich analysiert und mikrobiologisch untersucht", erläutert Klaus Dede, der seit 38 Jahren als Wassermeister bei den Stadtwerken tätig ist. Sein Reich sind die riesigen Filterbehälter in den beiden Wasserwerken. Dort hat er im Moment einen der angenehmsten Arbeitsplätze in der Region: Das zu Tage geförderte Grundwasser hat eine Temperatur von etwa 10 Grad. Die großen Behälter kühlen den Raum entsprechend ab und sorgen so für ein erfrischendes Klima.