Kilos gegen Kippel-Kinder. Sind Sandwesten eine Alternative zu Ritalin?

Sandwesten werden individuell auf die Kinder angepasst, wie das Kindermodell zeigt
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Jürgen Pastorino kann die Aufregung um die Westen nicht verstehen. Was ihn ärgert, ist, dass sich kaum jemand fragt, wie die Westen funktionieren.
Mittlerweile ist Jürgen Pastorino achtzig Jahre alt. Seine Firma, die die Westen produziert, hat er in jüngere Hände abgegeben.
Er erzählt: Vor 17 Jahren habe ein Ergotherapeut bei ihm die erste Sandweste bestellt, sie war für ein Kind mit Down Syndrom. „Es es war verblüffend“, erinnert sich Pastorino. „Als ich den Jungen das erste Mal sah, konnte er den Kopf nicht gerade halten, die Zunge hing aus dem Mund“. Nur sechs Wochen später habe sich das Kind gerade gehalten und, wie ihm der Ergotherapeut berichtete, mit dem Sprechen angefangen. Pastorino suchte eine Erklärung und fand sie in Arbeiten moderner Hirnforscher wie Eric Kandel und Norman Doidge. Demnach beginnt der Mensch schon im Mutterleib sich selbst wahrzunehmen. Das Gehirn verarbeitet dort erste Reize wie Druck und Geräusche und zeichnet so eine Karte vom eigenen Körper. Bis zum fünften oder sechsten Lebensjahr ist diese Körperkarte vervollständigt. Das bedeutet, aus den durch die Sinne gesendeten Informationen kann das Gehirn permanent die Position des Körpers im Raum bestimmen, die Körperhaltung beeinflussen und den Muskeltonus entsprechend anpassen. Der Fachbegriff für dieses reibungslose Zusammenspiel zwischen den Sinnen und dem Gehirn ist „sensorische Integration“. Nur deswegen können wir laufen, springen oder mit geschlossenen Augen die Nase antippen. Ist aber die Körperkarte unvollständig, weil die sensorische Integration gestört ist, versucht das Gehirn permanent erfolglos eine Positionsbestimmung im Raum. Die Folgen sind u.a. die typischen AHDS-Symptome: unkontrollierter Muskeltonus, Schreien, Rumzappeln. Hier kommen die Westen ins Spiel. Durch das Gewicht auf der Haut wird dem Gehirn vom gesamten Taktilen-System (dem Tastsinn) ein deutlicher Reiz gesendet, der sagt: „Hier bist Du, das ist Dein Körper“. Unkontrollierte Bewegungen, Zappeln und Schreien werden reduziert. Das klingt plausibel, ist aber nicht wissenschaftlich bewiesen.
Wissenschaft brauchen viele Kritiker auch gar nicht, um die Westen zu verteufeln. Im Internet spricht man gewohnt undifferenziert von „Zwangsjacken.“ Eine NDR- Kolumnistin sieht einen Rückfall in die „schwarze Pädagogik“ und schlägt als Ergänzung „die gute alte Fußfessel“ vor. Auch der Berufsverband der Hamburger Kinder- und Jugendärzte äußert sich kritisch. Es gäbe keinen wissenschaftlichen Beleg für den therapeutischen Nutzen, erklärt dazu Sprecher Dr. Josef Kahl auf der Homepage des Verbands. Man halte es für nicht vertretbar, AHDS-Kindern eine Sandweste anzulegen und sie damit zu stigmatisieren. Außerdem obliege Ärzten die Diagnosestellung bei unruhigen und unkonzentrierten Kinder, nicht einem Pädagogen. Nur etwa drei bis fünf Prozent eines Jahrgangs seien AHDS-Patienten. Viele andere unruhige Kinder hätten meist einfach ein Erziehungsdefizit und nicht gelernt, sich dem Unterricht anzupassen.
Pastorino hält solche Kritik für überzogen. Die Westen werden auf das Gewicht der Kinder abgestimmt und maximal 20 Minuten freiwillig getragen. Stigmatisiert seien die Kinder mehr noch ohne Weste durch ihr Verhalten. Für die Westen spreche außerdem: Im Gegensatz zu Medikamenten sei ihr Ziel, dass sie nicht mehr gebraucht werden. Pastorino: „Das Gehirn soll nur lernen, die Körperkarte zu vervollständigen, dann sind die Westen überflüssig.“
Schützenhilfe erhalten Pastorino und andere Befürworter der Westen jetzt auch von einem renommierten Psychologen: Martin Grundwald ist der einzige Forscher, der sich in Deutschland ausschließlich mit der Haptik, der Lehre vom Tastsinn, beschäftigt. In der WELT sprach sich Grundwald dafür aus, den Westen eine reale wissenschaftliche Chance zu geben. Studien im Ausland hätten bereits erste Beweise für ihre Wirksamkeit erbracht. Er rate daher dazu, Fakten und nicht Meinungen anzuführen. Dem kann Pastorino nur zustimmen.

Sind Tabletten besser?

Erbrechen, Entzündungen im Rachenraum, Depression, in sehr seltenen Fällen Suizid. Das sind nur einige der Nebenwirkungen von Methylphenidat, besser bekannt als Ritalin, das auch in Deutschland bei AHDS verabreicht wird. Außerdem, das hat mir eine Lehrerin bestätigt, sind manche Ritalin-Kinder wegen falscher Dosierung fast apathisch oder genauso anstrengend wie ohne. Ich denke, wohl fast jedes Kind zieht sich da lieber regelmäßig eine Sandweste über. Komisch auch, dass Eltern und Pädagogen Sandwesten als Gefahr für Kinder ablehnen, aber kein Problem damit haben, schon Grundschüler mit einem Aufputschmittel vollzupumpen. Dass Kinder- und Jugendärzte die von Pädagogen und Ergotherapeuten „verordneten“ nebenwirkungsfreien Sandwesten ablehnen und damit auch auf Ritalin setzen - ein Schelm, wer Böses dabei denkt.  Mitja Schrader

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