Änderung des Schulgesetzes - Kommunen befürchten neuen Kostenschock

Sprachförderung soll bald in Kitas stattfinden: Greift das Land Niedersachsen den Kommunen dafür mal wieder tief in die Tasche?
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mi. Landkreis. Die Kommunen haben den Schock über die (befürchtete) finanzielle Belastung durch die vom Land beschlossenen Kita-Beitragsfreiheit noch nicht verdaut, da kündigt sich schon die nächste Hiobsbotschaft an: Mittelfristig soll die Sprachförderung für die Erlangung der Schulreife von der Schule in den Kindergarten verlagert werden. In den Kämmereiabteilungen heulen die Alarmsirenen. Die Befürchtung: Mehraufwendungen für neues Kita-Personal.
Auf den ersten Blick wirkt die Änderung unbedeutend: Im Niedersächsischen Schulgesetz soll lediglich vor dem Wort „Sprachförderung das Wort „schulische“ gestrichen werden. Doch die von der Großen Koalition auf den Weg gebrachte Änderung könnte für die Kommunen weitreichende Folgen haben.
Hintergrund: Kinder, bei denen absehbar ist, dass sie beim Erreichen der Schulpflicht wegen sprachlicher Defizite nicht schulreif sein werden, erhalten in Niedersachsen ein Jahr vor Schulbeginn Sprachförderung. Die Durchführung dieses Unterrichts obliegt bisher den Grundschulen. Konkret bedeutet das: Betroffene Kinder erhalten schon ein Jahr vor der Einschulung pro Woche Sprachförderungsunterricht durch spezielle Lehrkräfte. Das Land finanziert für diese schulische Maßnahme extra Lehrerstunden, die sich nach der Anzahl der geförderten Kinder richten.
Im Koalitionsvertrag haben sich SPD und CDU nun allerdings darauf geeinigt, diese Sprachförderung mittelfristig von den Schulen in die Kitas zu verlegen. Die Idee hat für das Land durchaus ihren Charme. Denn auch wenn es längst nicht nur Migrantenkinder sind, die eines Sprachförderunterrichts bedürfen, so hat die Anzahl der geförderten Kinder durch die Flüchtlinge doch stark zu genommen. Das bedeutet: Die Anzahl der zu finanzierenden Lehrerstunden ist gleichermaßen gestiegen. Wenn das Land jetzt die Förderung in die Kitas verlegt, könnten diese Lehrerstunden entweder eingespart, oder was sicher nicht abwegig ist, der allgemeinen Unterrichtversorgung zugeschlagen werden. Die Unterrichtsversorgung zu verbessern, ist bekanntermaßen auch das erklärte Ziel der SPD/CDU Landesregierung.
In den Kommunen befürchtet man, dass sich das Land der kostenintensiven Sprachförderung auf elegante Weise entledigen will.
Entsprechend verhalten fallen die Reaktionen der kommunalen Spitzenverbände aus. Marco Trips, Geschäftsführer des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebunds, erklärt dazu: „Wenn der Gesetzgeber die wichtige Aufgabe der Sprachförderung in die Kindergärten verlagern will, muss er auch einen finanziellen Ausgleich leisten und für die entsprechende Qualifizierung des Personals sorgen.“ Auch in der Region stehen die Kommunen dem Vorstoß aus Hannover äußerst skeptisch gegenüber „Wir teilen die Auffassung des NSGB und befürchten weitere Mehrbelastungen“, erklärte zum Beispiel Buchholz‘ Pressesprecher Heinrich Helms auf Anfrage des WOCHENBLATT. Ähnlich sieht man es auch in der Hansestadt Buxtehude. Hier befürchtet man erhebliche Kapazitätsprobleme bei den Sprachförderkräften. In Buxtehude müssten demnach ca. 1.050 Stunden im Jahr an Sprachförderung geleistet werden, teilte Andrea Lange-Reichardt, Leiterin der Fachgruppe Jugend und Familie, mit.
In Kindergärten und Schulen ist man dagegen geteilter Ansicht über die Pläne der Landesregierung. „Ich glaube nicht, dass sich für uns dadurch groß etwas verändert. Die Sprachförderung gehört auch jetzt schon zu den Aufgaben im Kita-Bereich“, sagt zum Beispiel Gisela Johst vom Kindergarten „Kunterbunt“ in Buchholz. Ähnlich sieht es Martina Buddelmann, Leiterin des DRK-Kindergartens in Dollern. Sie sagt: „Bei uns in der Kita fördern speziell geschulte Fachkräfte schon jetzt gezielt Kinder, die sprachliche Defizite aufweisen.“ Die Leiterin stellt allerdings auch klar: Dass, sollte die Sprachförderung komplett in den Kindergarten verlegt werden, diese Aufgabe ohne zusätzliches
Personal nicht zu leisten sei.
Sandra Pankow-Waller, Leiterin der Grundschule „Glockenbergschule“ in Hollenstedt, hält die Verlagerung für keine gute Idee. „Dass wir den Unterricht durchführen, hat den Vorteil, dass wir die Kinder schon vor der Einschulung kennenlernen.“ Auch die manchmal sehr komplizierte Arbeit mit den Eltern finde bereits im Vorfeld statt. Nicht zuletzt profitierten davon auch die Kinder. Pankow-Waller: „Sie verlieren die Angst vor der Schule.“ Die Schulleiterin räumt aber auch ein, dass mit dieser Praxis eine Menge Organisation verbunden sei. Pankow-Waller: „Längst nicht alle Kollegen teilen meine Auffassung.“

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