Der Kiekeberg und "PETAs" ideologische Beißreflexe - warum die Tierschützer nicht ernst zu nehmen sind

Handarbeit wie früher: Ein Fleischer zerlegt ein Schwein. Für Peta eine Verharmlosung der Massentierhaltung
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  • hochgeladen von Mitja Schrader

K O M M E N T A R

Das Freilichtmuseum am Kiekeberg ist zur Zielscheibe der neuesten Peta-Kampagne geworden. Die Tierschutzaktivisten von Peta (People for the Ethical Treatment of Animals) kritisieren das Freilichtmuseum für das dort an diesem Sonntag, 28. Januar, ab 11 Uhr stattfindende Schlachtfest. Eine Veranstaltung, bei der sich das Museum mit der Kulturgeschichte der noch bis weit in die Mitte des 20. Jahrhunderts auf dem Land üblichen Hausschlachtungen beschäftigt. Mit ihrer undifferenzierten Kritik beweisen die Aktivisten mal wieder eindrücklich, dass es ihnen weniger um die Sache als viel mehr um Ideologie geht.
„Schlachten kann niemals ein Fest sein“, schreibt Peta in einer Pressemitteilung. Die Organisation schlägt dem Kiekeberg vor, die Veranstaltung in „Veggie-Fest“ umzubenennen. Käme das Museum dem nach, dann werde man das Fest mit 500 veganen Würstchen und veganen Rezeptideen unterstützen. Dann schlägt Peta einen Bogen zum durch Massentierhaltung verursachten Tierleid. Allein in Deutschland, so die Organisation, fielen im Jahr 800 Millionen „fühlende Lebewesen“ dem menschlichen Hunger nach Fleisch zum Opfer.
Moment mal: Hat man sich bei Peta überhaupt mit der Veranstaltung am Kiekeberg auseinandergesetzt oder löst allein der Begriff „Schlachtfest“ ideologische Beißreflexe aus?
Klar: Beim Schlachtfest wird das Schlachten von Tieren thematisiert. Als Museum beschäftigt sich der Kiekeberg seinem gesellschaftlichen Auftrag entsprechend mit der Kulturgeschichte der früher üblichen Hausschlachtungen. Auf der Museums-Homepage sind die Hintergründe nachzulesen. Demnach war das Schlachten in dieser Zeit, als noch in fast jedem Haushalt auf dem Land Schweine gehalten wurden, für die ländliche Bevölkerung in der Tat ein Fest: Damals war Fleisch für die Landbevölkerung noch ein rares Gut, das mangels moderner Kühlmöglichkeiten - wenn überhaupt - sonst nur gepökelt, geräuchert oder sauer eingelegt verzehrt wurde. Beim Schlachtfest im Museum wird das Thema mit verschiedenen Aktionen beleuchtet, so erleben Besucher zum Beispiel, wie ein Schwein fachgerecht zerlegt wird und lernen dabei, dass es früher komplett verwertet wurde. Auch einige der auf dem Museumsgelände gehaltenen „Bunten Bent­heimer Schweine“ werden in der Woche vor dem Fest durch einen erfahrenen Metzger geschlachtet. Die Tiere dieser vom Aussterben bedrohten Schweinerasse wachsen auf dem Museumsgelände als „glückliche Schweine“ auf. Sie entscheiden selbst, ob sie im Stall bleiben oder sich im großzügigen Auslauf sonnen oder suhlen. Auf dem Schlachtfest können Besucher dann das zu Wurst und anderen Produkten verarbeitete Fleisch kaufen.
Mit der Massentierhaltung der heutigen Fleischindustrie hat das Schlachtfest damit nichts gemein. Im Gegenteil, es handelt sich um eine Bildungsveranstaltung. Die Vorführungen zeigen den Zuschauern in plastischer Weise, dass, wer Fleisch essen möchte, auch den Tod eines Tieres in Kauf nehmen muss. Sie schaffen eine Rückbindung an die Herkunft des Fleisches, das eben sichtbar vom Schwein und nicht aus der Kühltheke kommt. Auch der Blick in die Vergangenheit ist nicht - wie von Peta moniert - verharmlosend, er bringt den Museumsbesuchern nämlich eine Zeit nahe, in der Schweine und andere Nutztiere noch keine industriell produzierten Massengüter waren. Das regt zum Nachdenken über unseren heutigen Umgang mit Schlachttieren an. Es ist sicher nicht
zu gewagt zu behaupten, dass eine Veranstaltung wie das Schlachtfest am Kiekeberg dazu beitragen kann, bewusster mit dem eigenen Fleischkonsum umzugehen.
Dazu sagt die Pressesprecherin des Kiekebergs, Marion Junker: „Das Schlachtfest ist in erster Linie eine Bildungsveranstaltung. Das bestätigen uns auch immer wieder viele Gäste, gerade Kinder finden die Vorführungen oft sehr interessant.“ Im Agrarium zeige der Kiekeberg im Übrigen auch die moderne Fleischverarbeitung. Marion Junker: „Wir haben den Anspruch, das Thema ganzheitlich zu beleuchten.“
Das Einzige, was von der groß aufgezogenen Peta-Kritik übrig bleibt, ist, dass es beim Schlachtfest um die Schlachtung von Tieren geht. Diese lehnt Peta bekanntlich per se ab. Das ist jedoch wenig Argument und viel Ideologie. Es wirkt so, als ginge es Peta
vor allem darum, Aufmerksamkeit und nicht zuletzt Spendengelder zu generieren. Dass die Aktivisten ausgerechnet das Freilicht-
museum am Kiekeberg zur Zielscheibe machen, zeigt, wie wenig sie sich mit der Einrichtung ausein­andergesetzt haben. Am Kiekeberg gab es in den vergangenen Jahren diverse Veranstaltungen zum Thema Bio und Ernährungswende und sogar einen Veggie-
Tag. Im März findet hier eine
Podiumsdiskussion zum „Tierwohllabel“ statt.
Die Peta-Kampagne mag somit taugen, um bei der eigenen Gefolgschaft die Spendenmoral hoch zu halten - für mehr aber auch nicht.
Mitja Schrader

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