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Vom Schnitt im Finger bis zum Atompilz: Firma aus Hollenstedt simuliert Notfallszenarien

Wie aus einem Action-Steifen: Ein Feuerball verschlingt den Minivan Buchardt (3), mi
 
Liane Buchardt mimt eine Schwerverletzte

Tino und Liane Buchardt habe sich auf die realistische Darstellung von Nofallszenarien spezialisiert

mi. Hollenstedt. Dichter Rauch dringt aus dem Lagerhaus als das erste Einsatzfahrzeug eintrifft. Eine Frau mit schweren Verbrennungen an Armen und Gesicht schreit panisch: "Er ist noch da drinnen", und läuft in Richtung des vom Qualm verschluckten Gebäudes. Die Einsatzkräfte reagieren blitzschnell: Gerade rechtzeitig erreichen sie die Verletzte und können sie in Sicherheit bringen, bevor ein lauter Knall aus der Lagerhalle die Erde erzittern lässt. Erst auf den zweiten Blick fällt auf: Es raucht zwar kräftig, aber ohne Feuer, die Explosion hat das Lagerhaus nicht auseinandergerissen und die Brandwunden sind nur aufgeklebt - alles nur eine Übung.
Die Choreographen hinter der täuschend echten Inszenierung sind Tino Buchardt und seine Frau Liane. Das Paar hat sich mit ihrer Firma auf die möglichst realistische Darstellung von Notfallszenarien spezialisiert. Mit welchen mitunter schrecklichen Szenerien Retter am Einsatzort konfrontiert sind, wissen der ausgebildete Notfallsanitäter und seine Frau, die als Krankenschwester arbeitet, aus eigener Erfahrung.
Tino und Liane Buchardt erlebten durch ihre ehrenamtliche Tätigkeit bei der DLRG, wie wenig einprägsam herkömmliche Erste Hilfe Kurse sein können. "Das kann man besser machen", dachten sich die DLRGler. Sie erlangten selbst die Befähigung zur Ausbildung und entwarfen ihr erstes Kursusprogramm. "Wir begannen kleine Szenarien in die Übungen einzubauen: Was, wenn der Bewusstlose in einer Miniküche zusammengebrochen ist, wie funktioniert stabile Seitenlage, wenn der Verletzte abschüssig liegt?”, nennt Tino Buchardt Beispiele. "Unsere Teilnehmer waren plötzlich viel aufmerksamer, sie nahmen viel mehr aus dem Kursus mit.”
Anfangs noch mit einfachsten Mitteln - Kunstblut wird aus Lebensmittelfarbe und Soßenbinder hergestellt, zerschnittene PET-Flaschen simulieren Glasscherben - beginnen sie immer realistischere Szenarien zu entwerfen. 2013 Schließlich gründen sie ihre Firma. Die Idee: Je nach Kundenwunsch Szenarien für realistisches Üben zu schaffen. Tino Buchardt: "Damit eine Übung einen Lerneffekt hervorruft, ist es wichtig, bei den Protagonisten ein erhöhtes Stresslevel zu erzeugen." Die Notfalltrainer setzen deswegen auf realistisch geschminkte und gespielte Verletzte, glaubwürdige Szenarien und Pyrotechnik. Beide sind ausgebildete Pyrotechniker, Tino Buchardt sogar für realistische Schadensdarstellung, Bühnen- und Spezialeffekte. "Mittlerweile können wir alles darstellen, vom Schnitt im Finger bis zur Atombombenexplosion. Kein Scherz: Im Kalten Krieg entwickelte die NVA tatsächlich pyrotechnische Anleitungen für die realistische Simulation von Atompilzen. Tino Buchardt: "Es kommen zehntausende Liter Diesel zum Einsatz und man braucht ein Übungsgebiet von mehreren Quadratkilometern, ist also alles kaum realistisch - möglich wäre es aber." In ihrer langjährigen Arbeit haben die Notfalltrainer allerdings gelernt, dass es nicht auf die große Show ankommt. Oft seien ein paar sparsam eingesetzte aber gut platzierte Effekte viel sinnvoller. Schließlich ist für eine Feuerwehrübung eine brennende Mülltonne in der eine Spraydose explodiert, ein glaubwürdigeres Übungsszenario als ein Atomschlag.
Die Polizei, Katastrophenschutz, Feuerwehren, Hilfsorganisationen, aber auch Kindergärten und Schulen - für jeden wird ein passendes Konzept entworfen. Leitsatz: Fordern ohne zu Überfordern. Tino Buchardt: "Wir wollen einen Lerneffekt erzielen, nicht schocken. Das Schönste ist, wenn wir eine Rückmeldung erhalten, dass jemand sich nach unseren Kursus in einer Notsituation bewährt hat, das spornt uns an."