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Hollenstedter Herbstmarkt: T-Shirt eines Retters sorgt für Ärger

bim. Hollenstedt. War es Dummheit, oder steckt eine politische Motivation dahinter? Das bedarf in der Samtgemeindeverwaltung Hollenstedt und der örtlichen Feuerwehr nun einer Klärung. Ein Mann, der offensichtlich der Feuerwehr angehört und anlässlich des Herbstmarktes an deren Wurst-Stand grillte, fiel am Samstagmittag wegen seines schwarzen T-Shirts negativ auf. Darauf zu lesen die Aussage: „Klagt nicht, kämpft“, dazu ein Reichsadler und eine schwarz-weiß-rote Flagge.
"Der Spruch entstammt dem Vokabular der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg, der Reichsadler und die Flagge verweisen direkt auf das nationalsozialistische Deutschland vor 1945", kritisiert ein Herbstmarktbesucher *. "Dieses T-Shirt-Motiv wird praktisch ausschließlich in rechtsradikalen Kreisen getragen, es ist nur über rechte Szene-Händler erhältlich. Ein solches T-Shirt trägt man höchstwahrscheinlich nicht aus Versehen, sondern mit Absicht. Es muss daher als Ausdruck einer rechtsradikalen Gesinnung gewertet werden."
Dabei stehe die Feuerwehr für eine Gemeinschaft, die Menschen Hilfe leistet, unabhängig von Herkunft, Religion, Geschlecht und Ansehen der Person, zitiert der Marktbesucher aus dem Leitbild des Deutschen Feuerwehrverbandes. Wer ein solches T-Shirt trage, sei offensichtlich empfänglich für nationalsozialistisches und rassistisches Gedankengut und unterscheide in seinem Denken sehr wohl zwischen Menschen deutscher und nicht-deutscher Herkunft. "So jemand ist nicht für den Dienst an der Allgemeinheit, also bei der Feuerwehr, geeignet", sagt er.
Im Feuerwehrkonzept der Samtgemeinde Hollenstedt von 2017 sei das Grundgesetz als rechtliche Grundlage der Feuerwehrarbeit festgelegt. "Wer ein solches T-Shirt trägt, sucht hingegen die Nähe zu denjenigen, die das politische System der Bundesrepublik und somit das Grundgesetz bekämpfen und abschaffen wollen. Die Feuerwehr soll Brände löschen. Dieses T-Shirt aber findet man eher bei Leuten, die lieber Flüchtlingsunterkünfte anzünden, als sie zu löschen", so der Marktbesucher. Und: "Vereine und ehrenamtliche Organisationen wie die Feuerwehr tragen als Zivilgesellschaft einen wichtigen Teil zur gelebten Demokratie und zum friedvollen Miteinander bei. Ein Träger dieses T-Shirts glorifiziert hingegen eine autoritäre, aggressive und ausgrenzende Gesellschaft."
Der Besucher will wissen: Wie gehen die Freiwillige Feuerwehr und die Gemeinde Hollenstedt mit der Zurschaustellung rechtsradikaler Symbole um?
"Klar ist, rechtsradikale Symbole oder Symbole des Nationalsozialismus werden weder bei Mitarbeitern der Samtgemeinde noch bei Organisationen der Samtgemeinde geduldet", erklärt Samtgemeinde-Bürgermeister Heiner Albers auf WOCHENBLATT-Nachfrage. Das sieht auch Hollenstedts Bürgermeister Jürgen Böhme so, der als Veranstalter des Herbstmarktes involviert ist. "Wir werden so etwas weder bei der Feuerwehr noch bei Bediensteten der Gemeinde dulden und auch nicht hinnehmen." Heiner Albers, Jürgen Böhme und Gemeindebrandmeister Carsten Beneke wollen den Sachverhalt nun klären.
* Name ist der Redaktion bekannt