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Rathaus-Erneuerung bleibt offen

Plattmachen oder sanieren? Der Hollenstedter Bauausschuss diskutierte über die Zukunft des Rathauses
 
Architekt Arne Lindemann

Hollenstedts Bauausschuss kann sich nicht zur Empfehlung für Sanierung oder Neubau durchringen

bim. Hollenstedt. Die Hollenstedter Verwaltung ist illegal - zumindest was die Nutzung des früheren Volksbank-Gebäudes an der Ecke Hauptstraße/Tostedter Straße (L141) als Rathaus angeht (das WOCHENBLATT berichtete). Denn eine Nutzungsänderung wurde nie beantragt. Aber nicht deswegen wird seit mehr als zehn Jahren über Sanierung oder Neubau des Verwaltungssitzes diskutiert, sondern weil die Bediensteten unter widrigen Bedingungen in dem Bau von 1966 arbeiten, die Politik sich aber bisher nie zu den notwendigen, aber hohen Investitionen durchringen konnte. Vertagt wurde jetzt durch den Bauausschuss die Empfehlung für eine Sanierung und Erweiterung am jetzigen Standort oder einen Neubau auf der Parkplatzfläche in der Jahnstraße nahe Freibad und Max-Schmeling-Hallen. Geht es doch für beide Varianten um Investitionen von je rund 2,6 Millionen Euro.
Architekt Arne Lindemann hatte zuvor die Mängel und die erforderlichen Investitionen dargestellt. Laut dem immer noch gültigen Nutzungszweck sind Keller und Erdgeschoss Bankgebäude, im Obergeschoss ist die Wohnung des Bankdirektors. Bei einer Besichtigung durch den Landkreis seien 32 Brandschutzmängel festgestellt worden. Wegen mangelnder Fluchtwege seien die Nutzung des Sozialraumes im Erdgeschoss und die des Trauzimmers im Obergeschoss bereits durch den Landkreis untersagt worden. Ein Bauantrag sei bei einer Sanierung zwingend erforderlich. Die Brandschutzmängel abzustellen, reiche aber nicht, um eine Baugenehmigung für ein öffentliches Gebäude zu erhalten, denn das müsse barrierefrei sein. Überschlägig müssten allein in Brandschutz und Barrierefreiheit 255.000 Euro investiert werden.
Neben dem feuchten Keller, fehlender Dämmung und einigem mehr muten auch die alten Verteilerkästen der Elektrik im Rathaus abenteuerlich an. "Teilweise gibt es dubiose Leitungsführungen", so Lindemann. 
Bei Fenstern und Türen seien diverse Materialien verbaut, die auf dem Stand von 1966 seien, vielfach fehlten Dichtungen, sagte der Architekt. Zur Tostedter Straße hin gebe es keinen Schallschutz. "Ob da ein Fenster oder ein Vorhang ist, das kommt aufs Gleiche raus. Für diejenigen, die dort arbeiten müssen, ist es eine ziemliche Zumutung", so Lindemann.
Auch der Anbau von 1973/74 mit Flachdach müsse erneuert und komplett neu gedämmt werden. Die Sanierung des Altbaus würde mit rund einer Million Euro zu Buche schlagen.
Das vorhandene Gebäude reiche aber auch von der Größe her nicht aus, eine Erweiterung wäre erforderlich. Dafür hat die Verwaltung ein Raumprogramm aufgestellt. Demnach wären für Erd- und Obergeschoss jeweils 630 Quadratmeter anzusetzen. Zulässig seien laut Bebauungsplan aber insgesamt nur 800 Quadratmeter.
Weiteres Problem: Bei einem Bauantrag müssten 28 Parkplätze nachgewiesen werden, aber maximal 18 bis 20 passen auf die Fläche. Und die Parkplätze zur Tostedter Straße hin müssten anders angeordnet werden, denn laut Straßengesetz ist es unzulässig, rückwärts auf eine Landesstraße zu fahren. Sanierung des Altbaus und Erweiterungsbau würden nach Einschätzung des Architekten 2,64 Millionen Euro kosten.
Nur wenig günstiger wäre mit 2,62 Millionen Euro ein Neubau auf der Parkplatzfläche in der Jahnstraße, die sich im Besitz der Samtgemeinde befindet. Für den Bau des Rathauses dort müsste die Gemeinde den Bebauungsplan ändern. Bei einem 630 Quadratmeter großen Baukörper wären 75 Parkplätze hinzubekommen, erläuterte Arne Lindemann. Weitere 55 Parkplätze für Pendler und Badegäste wären denkbar.
"Jeder Cent in den Altbau ist rausgeworfenes Steuergeld", sagte Stefan Mantei (AfD), der bemängelte, dass die nötigen Investitionen zu lange hinausgeschoben wurden.
Ruth Alpers (Grüne) hat Bedenken bei der Bebauung der Parkplatzfläche, die insbesondere im Sommer kaum für Freibadbesucher und Sportler ausreiche und in der Woche auch von der Oberschule mit genutzt wird.
Die Parkplatzsituation könne nicht ausschlaggebend sein, meinte Kay Wichmann (WGH). Die Vollbelegung komme vielleicht an zehn Tagen im Jahr vor. Auch für ihn macht es keinen Sinn, das alte Gebäude zu sanieren. 
Samtgemeinde-Bürgermeister Heiner Albers machte deutlich, dass es keinen alternativen Standort für einen Neubau gebe. Mit Unterstützung durch Gemeinde-Bürgermeister Jürgen Böhme habe er drei Jahre lang vergebens nach einem geeigneten Grundstück gesucht.
Um Geld beim Neubau zu sparen, fordern die Grünen eine Überarbeitung des Raumprogramms. Schließlich müssten - wie bei  den Jüngsten in den Kindertagesstätten - auch für Verwaltungsmitarbeiter nur Mindeststandards gelten, so Christine Melbeck. Und die lägen entgegen dem Raumprogramm der Verwaltung bei acht bis zehn Quadratmetern und nicht bei den vorgeschlagenen 15 Quadratmetern. "Da ist Luft, was die Größe angeht", sagte sie.
Gleichstellungsbeauftragte Martina Munz, die selbst jahrelang in der Kommunalpolitik engagiert war, appellierte: "Sie als Ratsmitglieder haben auch eine Fürsorgepflicht den Verwaltungsmitarbeitern gegenüber! Sie sollten jetzt den Schritt machen und sagen, man saniert oder man baut neu." Doch zunächst wollen die Ausschussmitglieder das Thema in ihren Fraktionen weiter beraten.