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Waldsiedlung Neu Wulmstorf: Immer noch keine Entscheidung

Das wohl umstrittenste Projekt in der Gemeindegeschichte: die "Waldsiedlung" in Neu Wulmstorf (Foto: WRS Architekten Stadtplaner)

Patt-Situation bei Abstimmung im Bauausschuss

mi. Neu Wulmstorf. Der Bau- und Planungsausschuss der Gemeinde Neu Wulmstorf brachte keine mehrheitliche Empfehlung für das wohl umstrittenste Projekt in der Gemeindegeschichte zusammen. Die Abstimmung endete in einer 3:3 Patt-Situation. Die endgültige Entscheidung liegt jetzt beim Gemeinderat.
Wie berichtet, wollen die Sparkasse und die Niedersächsische Landgesellschaft auf einem ca. 15 Hektar großen Waldstück eine Siedlung für rund 53 Einzelhäuser auf je 1.000 bis 3.000 Quadratmeter Grundstücksfläche schaffen. Sehr zum Unmut der Anwohner des angrenzenden Wohngebiets, die gemeinsam mit Umweltschützern das Vorhaben verhindern wollen. Bis vor Kurzem sah es noch so aus, als wäre das ein Kampf gegen Windmühlen. Bis plötzlich die SPD und damit die stärkste Kraft im Rat angekündigte, das Projekt nicht mehr unterstützen zu wollen. 
Hintergrund: Mit der geplanten Waldsiedlung setzt Neu Wulmstorf den sogenannten „Masterplan Röttiger Kaserne“ um. Ein Konzept, das gemeinsam von Neu Wulmstorf, Hamburg, Niedersachsen und dem Bund aufgestellt wurde, um die Nachnutzung des 275 Hektar großen Kasernengeländes abzustimmen. Auf niedersächsischer Seite gingen 180 Hektar an die Naturschutzstiftung des Landkreises Harburg, die hier ein Naherholungsgebiet entwickelt. Auf zehn Hektar ist dagegen Wohnbebauung geplant.
Was man damals allerdings nicht bedacht hat, ist, dass es aus umweltrechtlicher Sicht gar nicht so einfach ist, eine komplette Siedlung in ein Waldgebiet zu bauen, das dazu noch direkt an ein für viele bedrohte Tiere wichtiges Naturschutzgebiet angrenzt. Das bekamen die Investoren zu spüren, die im Laufe des Verfahrens so manche "Kröte" schlucken mussten. So wurden immer mehr Auflagen in die Planungen eingearbeitet. Stellvertretend sei hier nur die Krötenleitanlage genannt, die dafür sorgen soll, streng geschützte Amphibien sicher in die im Naturschutzgebiet gelegenen Laichgewässer zu führen. Im Laufe des jahrelangen Verfahrens verstanden es die Gegner der Siedlung immer, sich den Umweltschutz ihrer Sache dienlich zu machen. Mit Erfolg: Denn für viele sehr überraschend kündigte die SPD Anfang des Frühjahrs den Konsens für die Waldsiedlung auf. Die diversen Umweltauflagen und die daraus resultierenden teuren Änderungen in der Planung bewegten die SPD dazu. "Hier ist eine rote Linie, die wir nicht überschreiten werden", erklärte SPD Chef Tobias Handtke. Im Ausschuss machte jetzt Thomas Grambow deutlich, dass die SPD trotz eines engen Austausches mit den Investoren das Projekt nicht weiter mittragen werde.
Anders sah es die UWG. Hatte sich die Fraktion um Chef Jan Lüdemann im Mai noch Beratungsbedarf ausbedungen, kündigte Lüdemann jetzt im Ausschuss an, dass die UWG die Waldsiedlung im Rat vollumfänglich unterstützen werde. Man habe die Zeit genutzt, sei mit allen Kräften in Klausur gegangen - letztlich hätten die Investoren alle Zweifel ausräumen können, erklärte Jan Lüdemann. Der UWG-Fraktionschef gab außerdem zu bedenken, dass seinerzeit für die Entwicklung der Fläche Verträge unterschrieben worden seien. Sollte die Gemeinde aus dem Projekt aussteigen, drohten Vertragsstrafen. Durch die bisherigen Planungen, Gutachten und eventuellen Strafgelder entstünde der Gemeinde, steige sie aus dem Projekt aus, ein Maximalschaden von bis zu 2,8 Millionen Euro. "Geld, das wir nicht haben", gab Lüdemann zu bedenken. 
Gerhard Peters, der für die CDU-Fraktion sprach, erklärte, aus Sicht der Christdemokraten seien alle Zweifel an dem Projekt durch den Investor ausgeräumt. Die vom Investor beauftragen Gutachter hätten eindeutig aufgezeigt, dass das Zusammenspiel von Wohnen und Natur funktionieren könne. Peters sagte abschließend: "Es gibt zwar keine Verpflichtung dafür, aber wir sind einen langen Weg mit den Investoren gegangen, es ist eine Sache des Umgangs und der Integrität, das jetzt auch zu Ende zu bringen."