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Wegwerfartikel Wasser / Grüner Garten zu Lasten der Allgemeinheit

Im vielen Regionen der Welt ein kostbares Gut: Trinkwasser (Foto: Fotolia: lovelyday)

Moment mal:

(mi). Wegen der Trockenheit mahnen die Wasserwerke zum Sparen. Zwar droht keine Wassernot, aber es kann Lieferengpässe geben. Besonders das Rasensprengen sollte derzeit unterlassen werden. Allerdings: Bei Wasserpreisen von ca. 87 Cent für 1.000 Liter Gartenwasser dürfte der Anreiz zum Sparen nicht sehr hoch sein.
Der Garten, das ist die grüne Vistenkarte des Eigenheims! Aber was ist, wenn das Grün zu vertrocknen droht? Sich der gepflegte englische Rasen langsam in eine Steppenlandschaft verwandelt? Dann greift der Gartenfreund zum Schlauch.
Moment mal
"Rasensprengen" gehört für viele Eigenheimbesitzer im Sommer zum täglichen Ritual.
Dabei wird sehr viel Wasser verbraucht. Freunde des gepflegten Grüns empfehlen, jeden Quadratmeter Rasen wöchentlich mit bis zu 20 Litern zu bewässern. Bei 200 Quadratmetern Rasen werden so also wöchentlich 4.000 Liter Trinkwasser versprüht.
Setzt man den täglichen Wasserbedarf des Körpers, um nicht zu verdursten, bei einem Liter pro Tag an und geht von zwölfWochen Bewässerungszeit aus, so entspricht die Wohlfühldusche fürs heimische Grün dem Trinkwasserbedarf von 48.000 Menschen, sämtlichen Bewohnern einer Stadt in der Größe von Stade. Wer eine Rasen-Sprinkleranlage sein Eigen nennt, sollte wissen, dass rund 500 Liter in einer halben Stunde verspritzt werden. Zum Vergleich: Einmal Baden verbraucht lediglich um die 150 Liter. Wer sich jetzt einmal ausrechnet, was die "Entwicklungshilfe" für den Garten kostet, merkt schnell, warum viele Mitbürger beim Wasser wenig zurückhaltend sind: Im Landkreis Harburg kostet ein Kubikmeter, also 1.000 Liter Wasser, rund 87 Cent, dazu kommen je nach Kommune Abwassergebühren um die 2 Euro. Das grüne Paradies von 200 Quadratmetern Größe schlägt also pro Woche mit ca. 11,48 Euro zu Buche. Der Badespaß im heimischen Planschbecken ist auch zum Spottpreis zu haben: Er kostet für ein normales Planschbecken mit 145 Durchmesser und 33 cm Höhe mit Abwassergebühr 1,54 Euro. Wer Gartenwasser nutzt, zahlt nur 47 Cent. Mal ehrlich, dass ist ganz schon günstig.
Muss Wasser vielleicht mehr kosten, damit wir es mehr schätzen lernen? Es gibt Länder, so schreibt der Stern, in denen ein Liter Wasser mehr kostet als ein Liter Benzin. Das wäre hier natürlich unvorstellbar und sollte auch nicht das Ziel sein, schließlich hat die UN den Zugang zu sauberem Wasser 2010 zum Menschenrecht erklärt. Dass hierzulande zehntausende Gartenfreunde jährlich Millionen Kubikmeter des kostbaren Rohstoffes fürs heimische Grün verschwenden, war dabei aber wohl eher nicht Teil der Überlegung. Ein solch gedankenloser Verbrauch ist im Übrigen auch hochgradig antisozial. Wohnte ich in einem Mietshaus ohne Garten, wäre ich ganz schön sauer, wenn ich wegen des hohen Wasserverbrauchs nicht mehr duschen kann, meine Toilette nicht funktioniert, die Küche kalt bleibt, nur weil Gartenfreunde und Eigenheimbesitzer zu egoistisch sind, mal einen Sommer auf ihr grünes "Paradies" zu verzichten.
Mitja Schrader