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Tierliebe aus dem Beutel

Das Bild ist natürlich eine Fotomontage, aber Tee für Kaninchen gibt es wirklich (kl. Foto) Fotos: MSR/ Röhrs / mi
 
Hauke Heitmann und Reinhard Speer (re.) präsentieren den "Nagertee"

Produktneuheit: Landwirt bringt Kräutertee für Kaninchen, Hamster und Co. auf den Markt

mi. Stelle.  "Nagertee"! Das ist keine kreative Schreibweise für "Teenager", sondern gemeint ist tatsächlich ein Tee für Nager, der von Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster & Co. getrunken wird. Entwickelt wurde diese Produktneuheit auf dem Speers Hoff in Fliegenberg bei Stelle, einem der größten Anbieter von Einstreu und Futtermitteln für Kleintiere.
Die Vorgeschichte der kuriosen Tee-Idee reicht bis ins Jahr 2007 zurück. Damals nahm Landwirt Reinhard Speer Kräuterfuttermischungen in seine Produktpalette auf. Vor drei Jahren kam ihm die Idee, wissenschaftlich untersuchen zu lassen, wie und ob das Kräuterfutter tatsächlich wirke. Es gelang ihm, die Agrar- und Umweltwissenschaftliche Fakultät der Universität Rostock für seine Idee zu gewinnen. Dort stellte man fest, dass die Inhaltsstoffe der verschiedenen Kräuter sich positiv bei Tierkrankheiten und zur Vorbeugung einsetzen lassen. "Von da an haben wir überlegt, wie man die Konzentration der Inhaltsstoffe verbessern könnte. Die Wissenschaftler meinten, das ginge, wenn man aus den Kräutern einen 'Sud' koche. Da kam uns die Idee: Warum nicht einen Kräutertee für Nagetiere auf den Markt bringen", erinnert sich Reinhard Speer.

Mit Feuereifer machten sich Reinhard Speer und sein Schwiegersohn und Geschäftsführer Hauke Heitmann an die Umsetzung. Doch bis zur Marktreife dauerte es noch fast drei Jahre. "Wir mussten juristische Probleme klären, denn Tee als Futtermittel gab es bisher noch nicht. Das Ganze ging bis ins Ministerium nach Berlin", so Speer. Schwierig sei auch gewesen, eine Firma zu finden, die Teebeutel für Tiere abpacke. Hauke Heitmann: "Tee wird sonst ausschließlich für den menschlichen Verzehr produziert, die Firmen standen vor rechtlichen und vor allem hygienischen Herausforderungen." Einen heftigen Dämpfer bekam das Vorhaben, als die Erfinder, um die Wirtschaftlichkeit ihres Produkts zu erhöhen, die Kräutermischung veränderten. Ergebnis: Kaninchen, die bis dato den "Nagertee" sogar herkömmlichem Wasser vorgezogen hatten, verweigerten sich dem neuen Angebot.
So beugten sich Speer und Heitmann schließlich ihren "tierischen Produkttestern" und behielten die ursprüngliche Zusammensetzung bei. Den fertigen Nagertee ließen sie abermals von der Uni in Rostock untersuchen. "Das Ergebnis übertraf sogar unsere Erwartungen", so Reinhard Speer. Die Wissenschaftler stellten demnach fest, dass die Gabe von Tee die Flüssigkeitsaufnahme bei Kaninchen erhöhe, dass beuge Beschwerden wie Trommelsucht vor, auch bei Verletzungen im Mund sei der Tee heilsam, er fördere darüber hinaus Vitalität und Wohlbefinden. "Der Einsatz des Tees ist empfehlenswert" lautete das abschließende Urteil der wissenschafltichen Studie.
Doch Wissenschaft hin oder her - ein Tee für Kaninchen & Co., lässt sich sowas wirklich verkaufen? Reinhard Speer und Hauke Heitmann sind jedenfalls davon überzeugt. Sie setzten auf die Tierliebe der Kleintierhalter in Deutschland. Laut dem Online-Portal Statista werden hierzulande rund 17 Millionen Nagetiere gehalten. Reinhard Speer: "Die Zeiten, in denen Haustiere das erhielten, was der Mensch übrig ließ, sind schon lange vorbei. Tierliebe darf heute ruhig etwas kosten." Das stimmt: Gut 4,1 Milliarden Euro gaben die Deutschen im Jahr 2016 für ihre Lieblinge aus - für Bücher waren es nur 3,5 Milliarden Euro. Gekauft wird dabei längst nicht nur Notwendiges wie Futter oder Einstreu. Im Gegenteil, rund ums Haustier hat sich eine schillernde Produktvielfalt etabliert: Ob Waldbeer-Joghurtdrops für Mäuse, Schüsslersalze für Kaninchen oder Muschelpulver für Hund und Katze - der Markt für das tierische Wohlbefinden boomt.  Da scheint auch die Idee des Nagertees gar nicht so abwegig.  
Übrigens: Gemeinsames Teetrinken soll ja ein verbindendes Erlebnis sein - wer das mit seinem heiß geliebten Kaninchen teilen will, kann bedenkenlos zum Nagertee greifen, denn die Kräutermischungen sind zwar in Dosierung und Zusammensetzung auf ihre tierischen Konsumenten abgestimmt, aber auch für uns Zweibeiner absolut verträglich. Auch Nebenwirkungen wie verstärktes Wachstum der Ohren sind nicht zu befürchten...
Den Nagertee gibt es im Fachhandel und unter www.nagerkräutertee.de.