„Schrott-Mafia“ das Handwerk gelegt - Staatsanwaltschaft ermittelt gegen sieben Personen

Die Polizei hat das Büro von „Elbe-Metallhandel Ltd“ in Hanstedt durchsucht
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  • hochgeladen von Sascha Mummenhoff

Das WOCHENBLATT hatte es bereits am Samstag exklusiv berichtet: Der Polizei ist am Donnerstag vergangener Woche ein großer Schlag gegen den Betrug mit Schrott gelungen. Jetzt hat Oberstaatsanwalt Andreas Buick aus Göttingen bestätigt, dass gegen fünf Männer und zwei Frauen aus dem Landkreis Harburg - konkret Seevetal, Hanstedt und Winsen - ermittelt wird. „Wir gehen von gewerbsmäßigem Betrug im besonders schweren Fall aus“, so Buick. Den Verdächtigten drohen bei einer Verurteilung Haftstraßen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren. Besonders im Fokus stehe Hannelore B. aus Hanstedt. Sie gilt gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Michael R. als Strippenzieherin.
Und darum geht es: Bei einer Großbaustelle im Raum Göttingen soll ein Hanstedter Unternehmen über Jahre hinweg mehr Schrott abtransportiert haben als sie gegenüber dem Auftraggeber abgerechnet haben. Dadurch sollen sich die Firmeninhaber zwischen 500.000 und einer Million Euro erschwindelt haben. Der Coup sei möglich gewesen dank eines manipulierten Containers, der in Marxen sichergestellt wurde.

(mum). Der Polizeieinsatz war gut vorbereitet. Zeitgleich durchsuchten Polizisten am Donnerstag vor einer Woche Wohnungen, Büros, Firmengrundstücke und Baustellen an sieben verschiedenen Orten - unter anderem in Marxen und Hanstedt. „Wir haben umfangreiches Material sichergestellt“, bestätigt Oberstaatsanwalt Andreas Buick aus Göttingen. Er gehe davon aus, dass die Auswertung der Unterlagen mindestens vier Monate dauern wird. Die Schrott-Betrüger waren äußerst raffiniert vorgegangen.
Ein Insider erklärt den Trick. „In der Regel wird ein Lkw nur zu Beginn des Auftrags gewogen. Der trägt einen manipulierten Container, in dem eine 1,5 Tonnen schwere Platte auf dem Boden verschweißt ist. Die Waage zeigt beispielsweise fünf Tonnen an. Später werden Container ohne das zusätzliche Gewicht eingesetzt. Das bedeutet, das Abfuhr-Unternehmen kann pro Container 1,5 Tonnen Schrott mehr abfahren, als abgerechnet wird. Das rentiert sich schnell, denn für eine Tonne Schrott zahlt der Großhandel etwa 200 bis 240 Euro. Für Zugfahrzeug und Hänger macht das ein Plus von gut 500 Euro. Da bis zu drei Touren am Tag möglich sind, kommen da bis zu 1.500 Euro täglich zusammen.“
„Wir haben jetzt gezielt nach den Wiege-Protokollen bei den Großhändlern gesucht, um die Differenz zwischen Ab- und Antransport zu ermitteln“, so Buick. Da es sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren handelt, geht es um sehr viele Daten.
Der Oberstaatsanwalt bestätigte zudem, dass bald die ersten Beschuldigten befragt werden. „Wir wollten vorher sicherstellen, dass keine Unterlagen verschwinden.“
Ein wichtiges Puzzleteil der Ermittlungen habe die Polizei in Marxen entdeckt. Auf dem Gelände von „Ro-Con Containerdienst“ fanden Beamte einen manipulierten Container. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft.
„Ich habe die Container bei der Firmenübernahme im vorigen Jahr übernommen“, sagt Inhaber Ralf Owsianski. Er habe nichts davon gewusst, dass sie manipuliert waren und für kriminelle Handlungen benutzt wurden. Owsianski habe den Betrieb vor einem Jahr von Hannelore B. aus Hanstedt übernommen. Damals firmierte der Betrieb noch unter dem Name „Elbe-Metallhandel Ltd“. Er habe den Container seitdem ausschließlich zur Lagerung verwendet. Hannelore B. war weiterhin für keine Stellungnahme zu erreichen.

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Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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