Die Corona-Warn-App kann seit Dienstag heruntergeladen werden

Die Corona-Warn-App des Bundes stößt bei den Menschen in Deutschland auf eine überraschend hohe Resonanz. Seit ihrem Start am Dienstagmorgen wurde sie bereits mehr als acht Millionen Mal heruntergeladen und installiert. Doch es gibt auch Kritik.
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Kein Allheilmittel - aber ein wichtiger Schritt

Die Corona-Warn-App ist da: Sie steht seit Dienstag zum kostenlosen Download im App-Store von Apple beziehungsweise im GooglePlay-Store zur Verfügung. Laut Medienberichten wurde sie bis Donnerstag bereits acht Millionen Mal installiert. Die App soll helfen, Infektionsketten schneller und umfassender zu erkennen und effektiv zu unterbrechen.
Die App ist ein wichtiger Beitrag, um die Covid19-Pandemie zu begrenzen. Sie ist aber kein Allheilmittel. Weiterhin bleiben Abstandhalten, Einhalten der Hygieneregeln und das Tragen der Alltagsmasken die wichtigsten Säulen der Pandemiebekämpfung.
Die App nutzt Bluetooth, um den Abstand und die Begegnungsdauer zwischen Personen zu messen, die die App installiert haben. Die Mobilgeräte "merken" sich Begegnungen, wenn die vom Robert-Koch-Institut (RKI) festgelegten Kriterien, insbesondere zu Abstand und Zeit, erfüllt sind. Dann tauschen die Geräte untereinander Zufallscodes aus. Werden Personen, die die App nutzen, positiv auf das Coronavirus getestet, können sie freiwillig andere Nutzer darüber informieren. Dann werden die Zufallscodes des Infizierten allen Personen zur Verfügung gestellt, die die App aktiv nutzen. Wenn die App installiert ist, prüft sie, ob der Nutzer Corona-positiv getestete Personen getroffen hat. Falls das der Fall ist, zeigt die App eine Warnung
an.
Konkret: Mithilfe der Corona-Warn-App sollen Menschen nachträglich darüber informiert werden, wenn sie sich in der Nähe von Personen aufgehalten haben, bei denen ein positiver Corona-Test vorliegt. Als Nutzer erfährt man nicht, um welche Person es sich dabei handelte. Die App sagt einem ebenfalls nicht, ob man sich in einem bestimmten Moment gerade neben einem infizierten Menschen aufhält. Wer über einen
Kontakt mit einem Corona-Infizierten informiert wurde, soll sich an seinen Hausarzt oder an das zuständige Gesundheitsamt wenden.
Die Corona-Warn-App ist ein Projekt im Auftrag der Bundesregierung und wird vom RKI herausgegeben.
Absolute Transparenz, hohe IT-Sicherheit sowie umfassender Datenschutz und größtmögliche Barrierefreiheit sind laut Bundesregierung wesentliche Merkmale der App. Weiterhin gewährleiste die Anwendung die notwendigen Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit.
Der Bundesregierung ist es wichtig, dass alle Bürger wissen: Die Nutzung der App ist freiwillig.
• Weitere Informationen gibt es unter www.corona-warn-app.de.

Wo die Corona-App nicht läuft
Voraussetzung für die Corona-App ist, dass eine aktuelle Version des jeweiligen Betriebssystems installiert ist. Der Grund: Die Warn-App benötigt eine Schnittstelle zu den Betriebssystemen. Apple und Google haben die mit einem Update ihrer Betriebssysteme zur Verfügung gestellt. Für einige ältere Smartphone-Modelle stehen aber keine Updates mehr zur Verfügung. Auch die Hardware spielt eine Rolle: Die App nutzt die neue Bluetooth-LE-Technologie.
Laut ZDF muss beim iPhone das aktuelle Betriebssystem iOS 13.5 installiert sein. Das gibt es für Geräte ab dem iPhone 6s oder dem iPhone SE. Die älteren iPhones 5, 5s oder 6 reichen nicht aus, weil auf ihnen die aktuellste Version von iOS nicht mehr läuft. Bei Android-Handys ist die Lage etwas unübersichtlicher. Hier ist Android 6 und die Unterstützung von Bluetooth LE Mindestvoraussetzung. Zudem müssen auch die GooglePlay-Services laufen, weil der Konzern die Schnittstellen nicht über Android selbst zu Verfügung stellt, sondern über diese Google- Dienste.
Nutzer eines freien Android-Systems ohne Google-Services können die App nicht installieren. Für die aktuellen Huawei-Modelle, die wegen des Handelskonflikts zwischen den USA und China die Google-Dienste nicht nutzen dürfen, will der chinesische Hersteller die notwendigen Schnittstellen nachbauen.

Pro
App-Gegner ignorieren ihre Verantwortung
Weltweit sind fast 450.000 Menschen am Coronavirus gestorben - das ist quasi die Einwohnerzahl der Landkreise Harburg und Stade. Und welche Spätfolgen (etwa Lungen- und Gehirnschädigung) das Virus verursacht, wird von Experten immer noch heftig diskutiert. Ein Corona-Experte beziehungsweise Virologe bin ich nicht. Ich mache mir allerdings Sorgen - um die Gesundheit meine Kinder, meiner Frau, meiner Freunde, meiner Kollegen und der Menschen, die mir täglich begegnen. Ich möchte dabei helfen, das Virus unter Kontrolle zu bekommen. Vor allem möchte ich Menschen im meinem Umfeld nicht gefährden. Sollte ich mich infizieren, sollten diese Menschen zumindest selbst entscheiden können, ob sie zu einem Arzt gehen. Und genau aus diesem Grund habe ich die Corona-App installiert. Nur die App gewährleistet eine nahezu perfekte Information.
Am kommenden Montag wird es weitere Lockerungen geben. Vermutlich dürfen sich dann sogar zehn Personen aus unterschiedlichen Haushalten treffen - vielleicht sogar ohne Abstandsregel. In meinem  Umfeld beobachte ich, dass immer mehr Menschen das Virus nicht ernst nehmen. Sie sind der Einschränkungen überdrüssig - und das kann ich nachvollziehen. Aber genau hier wird die App wichtig: Breitet sich das Virus wieder schneller aus, dann ist sie ein wichtiges Instrument, um die Infektionsketten aufzubrechen. Wenn jeder Einzelne schnell über eine mögliche Infektion durch Kontakt mit einem Infizierten informiert wird, kann er schnell reagieren und sich und andere schützen.
Wer sich der App verweigert, spielt nicht nur mit seiner Gesundheit. Er ignoriert seine Verantwortung gegenüber der Allgemeinheit. Sozial ist etwas anderes.
Sascha Mummenhoff

Kontra
Scheinbare Sicherheit für Technikgläubige
Kein Impfstoff, kein Heilmittel, aber eine (weitere) Überwachungsapp. Weil es immer noch keine Klarheit über Corona-Infektionsketten gibt, sollen nun die App-Nutzer für gesundheitsbehördliche Aufgaben Pionierarbeit leisten.
Ich möchte das nicht. Die Erfahrungen im Umgang mit Daten in der virtuellen Wolke zeigen, wie einfach sich darauf zugreifen und eine Entschlüsselung knacken lässt. Und wie der Fall der vermissten Rebecca gezeigt hat - bei dem womöglich automatisch erfasste Kennzeichen ohne rechtliche Grundlage gespeichert wurden - sind sich auch Behörden für Missbrauch und unberechtigtes Anlegen von Bewegungsprofilen nicht zu schade. Zumal die App bislang nur auf top-modernen Smartphones funktioniert und damit vielfach von älteren oder finanziell schlechter gestellten Menschen gar nicht genutzt werden kann.
Diese App beinhaltet auch (Eigen-)Verantwortung: derjeniger, die aufgrund ihrer Kontakte mit „Positiven“ den Kontakt zum Arzt suchen sollten, und der Gesundheitsämter, die auf den möglicherweise größeren Ansturm von befürchteten Verdachtsfällen eine ausreichende Anzahl an Tests vorhalten müssen. 
Meine weiteren Befürchtungen: Wer die (bislang ausdrücklich freiwillige!) App nicht nutzt, wird von obrigkeitshörigen und technikgläubigen Menschen diffamiert. Denn derzeit macht sich bei einigen Bürgern (wieder-)entdecktes Denunziantentum bei Masken- und Abstandspflicht bemerkbar. Auch ist zu befürchten, dass die App eine scheinbare Sicherheit vermittelt und eben diese Vorsichtsmaßnahmen vergessen lässt. Ich werde weiter auf meinen Körper und Krankheitsanzeichen „hören“, Abstand halten, große Menschenansammlungen möglichst meiden und hoffen, dass bald ein Impfstoff gefunden ist.
Bianca Marquardt

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Das Stichwort lautet "Corona-App".

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Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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