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Luchse schaffen Remis beim Favoriten

Die erste Larven-Ernte ist auf dem Tisch

Die Soldatenfliege, deren Larven als Nahrungsmittel dienen
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  • Die Soldatenfliege, deren Larven als Nahrungsmittel dienen
  • Foto: Insectus
  • hochgeladen von Sascha Mummenhoff

Der Jesteburger Arzt Dr. Werner Huber ist am Freitag mit einer zehnköpfigen Reisegruppe nach Sambia aufgebrochen. Huber gründete bereits 1993 den Sambia-Förderverein. Eines der wichtigsten Projekte ist die Unterstützung des 2009 eröffneten Kinderdorfs für Aids-Waisen „Fountain Gate“. Vor seiner Abreise gab es gute Nachrichten: Erstmals erhält sein Verein einen Zuschuss vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. 50.000 Euro stehen für den Bau einer Photovoltaikanlage zur Verfügung. „Außerdem werden wir ein Doppelhaus für zwei Lehrerfamilien und eine Unterkunft für 20 weitere Internatskinder errichten“, so Huber. „Weiterhin planen wir in den nächsten Jahren die Ausbildung von Journalisten und die Förderung des Internetzugangs für die Bevölkerung.“
Begeistert ist der Jesteburger aber von den ersten Zahlen der Larven-Farm. Wie berichtet, haben Studenten der Leibniz Universität Hannover herausgefunden, dass Larven der Soldatenfliege als Nahrungsmittel eingesetzt werden können. Die erste Farm produziert wöchentlich 45 Kilo.

(mum). „Ich bin überzeugt, dass wir auf diesem Weg viele Menschen vor dem Hungertod bewahren können“, sagte Werner Huber (68) Anfang des Jahres im WOCHENBLATT-Gespräch. Der Jesteburger Arzt stellte mit „Insectus“ ein Programm vor, bei dem Larven in Farmen gezüchtet werden.
Huber gründete bereits 1993 den Sambia-Förderverein. Eines der wichtigsten Projekte ist die Unterstützung des 2009 eröffneten Kinderdorfs für AIDS-Waisen „Fountain Gate“. Dort wohnen 90 Jungen und Mädchen in familienähnlichen Gemeinschaften. Eine Schule befindet sich auf dem Gelände. Doch Huber erreicht deutlich mehr Menschen mit seiner Hilfe. „Gemeinsam mit unserem sambischen Partner Chreso Ministries behandeln wir mehr als 40.000 AIDS-Kranke, von denen etwa zehn Prozent unter Tuberkulose leiden und unterernährt sind“, so der Jesteburger. „Sie bekommen alle nötigen Medikamente kostenfrei.“ Um wieder zu Kräften zu kommen, müssten sie sich auch ausreichend ernähren. Aber: Das Geld reiche nicht für eine ausgewogene Ernährung. „Die meisten Kranken essen nur einmal täglich und dann auch nur sehr einseitig.“
Vor diesem Hintergrund unterstützt Huber das Projekt einer Gruppe von Studenten der Leibniz Universität Hannover. „Sie haben herausgefunden, dass Larven der Soldatenfliege als Nahrungsmittel eingesetzt werden können“, so Huber, der seit einiger Zeit im engen Kontakt mit ihnen steht. Im März waren drei Studenten in Sambia, um dort die erste „Insekten-Farm“ zu eröffnen. Weitere Reisen folgten. Und das Ergebnis übertrifft alle Erwartungen: 45 Kilo können pro Woche „geerntet“ werden. „Außerdem leben die Fliegen deutlich länger als erwartet.“ Die erste Verteilung an Unterernährte soll schon in gut einem Monat starten. Zunächst werden die unterernährten AIDS-Patienten, bei denen eine Therapie begonnen hat, versorgt. Pro Woche erhalten sie 100 Gramm gemahlene und kurz erhitzte Larven in 1.000 Gramm Maismehl gemischt.
Und es gibt schon weitere Pläne: „Bald soll eine zweite Insekten-Farm in Siavonga bei unserer Mubuyu-Mädchenschule gegründet werden“, so Huber, der am gestrigen Freitag mit einer zehnköpfigen Gruppe nach Sambia gereist ist, um sich selbst vor Ort ein Bild zu machen.

Maden mit hohem Proteingehalt

Das Ziel des Projekts „Insectus“ sei die Bekämpfung von Hunger und Nährstoffmangel im Zusammenspiel mit der Schaffung von Arbeitsplätzen. „Das Projekt basiert hauptsächlich auf der Vermittlung des notwendigen Know-hows über die Zucht der sehr nährstoffreichen Soldatenfliege“, sagt Sprecherin Lea Bergmann. Dank Schulungen könnten Dorfbewohner die Farm schnell eigenständig und nachhaltig betreiben.
Eine Umfrage habe ergeben, dass neun von zehn Sambier keine Problem damit haben, sich von den Maden zu ernähren. Laut der Universität in Hannover ist der Proteingehalt der Larven mit 17,5 g/100 g in natürlicher Form sowie 42,1 g/100 g in getrockneter Form besonders hoch. Demzufolge könnten die Larven einen Teil-Ersatz für die nicht ausreichende und teure Versorgung mit tierischen Produkten darstellen. Zusätzlich kann die Soldatenfliege die bei mehr als jedem zweiten Kind auftretende Eisenmangelanämie lindern oder gar ganz beseitigen. Täglich circa 7 Gramm der getrockneten Larven würden bei Kindern ausreichen, um die empfohlene Menge an Eisen zu decken.
• Werner Huber ist unter Tel. 04183-5295 oder E-Mail an m-g-a@t-online.de zu erreichen. Infos auch unter www.millennium-goals-achievement.org und www.unihannover.enactus.de.

15,7 Millionen Einwohner

Sambia liegt in Afrika, südlich des Äquators und grenzt an acht andere afrikanische Staaten. In der Hauptstadt Lusaka befindet sich die erste Insekten-Farm. In ganz Sambia leben rund 15,7 Millionen Menschen, die überwiegend christlichen Glaubens sind. Da Sambia einst eine britische Kolonie war, ist die Amtssprache Englisch, Sambia ist seit 1964 Mitglied des Commonwealth. Die Währung heißt Kwacha. Ein Euro entspricht etwa 10,13 Kwacha.

Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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