Das Entsetzen ist groß: Nicht nur am Kölner Hauptbahnhof, sondern auch in Hamburg sollen in der Silvesternacht Dutzende Frauen von Männergruppen massiv sexuell belästigt und beraubt worden sein. Die meisten Vorfälle ereigneten sich nach Angaben der Polizei auf St. Pauli. Es soll aber auch Übergriffe am Jungfernstieg gegeben haben. Der Buchholzer Dirk Z.* (44) hat die Silvesternacht auf dem Hamburger Kiez miterlebt.

(mum). Auch nach gut einer Woche beschäftigen ihn die Ereignisse. „So etwas Schlimmes habe ich in meinem Leben noch nicht erlebt“, sagt Z. „Überall auf der Reeperbahn waren außerordentlich große Männer-Gruppen unterwegs. Sie waren sehr aggressiv. Haben uns immer wieder angerempelt.“ Z. hat gesehen, dass Frauen von den Fremden bedrängt und angefasst wurden. „Ich kann es nicht beweisen, aber meine Erfahrung sagt mir, dass es Flüchtlinge waren.“ Z. arbeitet im Hamburger Hafen, viele Menschen mit Migrationshintergrund zählen zu seinen Freunden.
Z. feierte Silvester gemeinsam mit einem Freund in Hamburg-Stellingen. Später wollten sie weitere Bekannte an den Landungsbrücken treffen, um dort das Feuerwerk zu erleben. Bereits in der S-Bahn fiel den Freunden auf, dass ungewöhnlich viele und große fremdländische Männer-Gruppen auf dem Weg in die Stadt waren. (Anm. d. Red.: In der Unterkunft am Volkspark, nahe der S-Bahn-Station Stellingen, sind zeitweise bis zu 3.300 Flüchtlinge untergebracht)
• Necdet Savural (62) ist gebürtiger Türke, lebt seit mehr als 45 Jahren in Deutschland und ist Mitglied der CDU-Kreistagsfraktion. „Die Ereignisse von Köln und Hamburg kenne ich aus der Türkei. Ich hätte niemals geglaubt, dass so etwas auch in Deutschland möglich ist.“ Savural fordert, dass Flüchtlinge sich anpassen.

„Die Reeperbahn war wie ein Hexenkessel“

Nachdem Z. gemeinsam mit einem Freund in einem Restaurant essen war, fuhren sie mit der S-Bahn an die Landungsbrücken. Die Stimmung am Hafen sei friedlich gewesen. Doch als die Freundesgruppe - darunter auch Frauen - auf die Reeperbahn kamen, änderte sich das Bild. „Es war, als ob man in eine Arena - in einen Hexenkessel - einläuft“, erinnert sich Z. „Minütlich rasten Polizei- oder Krankenwagen an einem vorbei. Ständig ertönten Sirenen. Es war beängstigend.“ Z. hat den Eindruck, als hätten die Menschen die Konfrontation gesucht. „Immer wieder wurden wir angerempelt. Die Leute haben absichtlich ihre Ellenbogen ausgefahren.“ Z. sieht, wie Frauen belästigt werden. „Sie wurden festgehalten, begrabscht.“ Ein Einschreiten sei nicht möglich gewesen - überall Menschen, dichtes Gedränge.
In den Kneipen und Bars ist die Atmosphäre wieder anders. Dort seien die Gäste laut Z. friedlich gewesen. Als der Buchholzer und sein Freund gegen 3 Uhr mit dem Taxi nach Hause fahren wollen, hat sich die Situation auf der Reeperbahn nicht geändert. Immer noch blitzt Blaulicht, immer noch werden Frauen und Männer von den Massen bedrängt.
„Jeder, der das nicht vor Ort erlebt hat, kann sich nicht im Geringsten vorstellen, was dort abging“, sagt Z. „Tiere haben ein besseres Sozialverhalten als diese Barbaren.“ Z. fordert Konsequenzen. „Wer zu mir nach Hause kommt, ist mein Gast und wird von mir zuvorkommend behandelt. Wenn er sich aber schlecht benimmt, dann fliegt er raus.“ Wer nach Deutschland komme, solle sich gefälligst vernünftig benehmen. Doch Z. betont auch: „Ich bin davon überzeugt, dass wir alle Menschen, die bei uns Schutz und Hilfe suchen, unterstützen müssen. Das ist unsere Pflicht.“
Nachdem, was Silvester geschehen sei, ist Dirk Z. voller Misstrauen und Sorge. „Die Welt ist im Wandel und nichts wird mehr so sein wie vor der Flüchtlingskrise.“

*Name von der Redaktion geändert

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Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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