Auf ein Wort
Nähe ist wichtig, trotz "Social Distancing"

WOCHENBLATT-Redakteur
Sascha Mummenhoff

Niemand sollte auf freundliche Worte verzichten Der Coronavirus hat uns fest im Griff. Familien in der Isolation, Distanz statt Nähe. Sind wir wirklich dazu gezwungen, uns zu distanzieren? Ich habe genau das Gegenteil beobachtet: Viele Menschen gehen aufmerksamer miteinander um. Und damit meine ich nicht, dass sie darauf achten, den Abstand von mindestens 1,5 Metern zu wahren.
Neulich beispielsweise beim Einkaufen. Dort habe ich eine Bratpfanne abgeholt, die es für eine bestimmte Anzahl von Sammelpunkten gibt. Sie war noch in einer Luftpolsterfolie verpackt. Die freundliche Verkäuferin musste die Pfanne auspacken, um sie einscannen zu können. Danach hielt sie die Folie einen kurzen Moment unschlüssig in der Hand, um sie mir dann zurückzugeben. "Nehmen Sie die Folie doch für Ihre Kinder mit. Dann haben die was gegen die Langeweile", sagte sie zu mir. Ich finde, dass das eine sehr nette Geste war. Nun habe ich bereits Jungs, die deutlich aus dem Luftpolster-Knacken-Alter raus sind. Doch wie schön ist es, dass es trotz der angespannten Situation noch Menschen gibt, die sich solche Gedanken machen.
Dazu passt eine morgendliche Begegnung mit einem Busfahrer. Morgens um 6.45 Uhr bin ich auf dem Rückweg vom Gassigehen mit meinem Hund. Nahezu an der gleichen Stelle fährt jeden Tag ein Bus an mir vorbei. Stets grüßen der Fahrer und ich uns freundlich zu. Bis auf Donnerstagmorgen. Da stoppte der Fahrer seinen Bus direkt neben mir, öffnete die Scheibe und begann einen kurzen Smalltalk. Ihm würden die Schüler fehlen, die er sonst täglich chauffieren würde. Nach ein paar Sätzen wünschten wir uns Gesundheit und einen schönen Tag.
Mit Sicherheit hätte der Busfahrer nicht gestoppt, wenn sein Bus voller Kinder gewesen wäre. Der Coronavirus macht es möglich. Eine erzwungene Entschleunigung quasi.
Die beiden Situationen zeigen mir aber vor allem eines: Wir müssen zwar eine räumliche Distanz zu unseren Mitmenschen wahren. Es geht jedoch nicht um soziale Isolation. Deswegen finde ich den Begriff "Social Distancing" auch total doof. Im Gegenteil: Für viele unserer Mitmenschen bedeuten gerade in diesen Tagen und Wochen ein paar freundliche Worte die Welt. In diesem Sinne: Ein schönes Wochenende und bleiben Sie gesund.
Sascha Mummenhoff

Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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