Plädoyer für das Impfen

Nach einem Masernfall an der Integrierten Gesamtschule Buchholz im vorigen Jahr durften 60 Personen - darunter 30 Lehrer - die Schule vorübergehend nicht betreten
  • Nach einem Masernfall an der Integrierten Gesamtschule Buchholz im vorigen Jahr durften 60 Personen - darunter 30 Lehrer - die Schule vorübergehend nicht betreten
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Nach Vorfällen in Buchholz und Neu Wulmstorf: Landkreis warnt vor Masern-Erkrankungen.

(mum). In Niedersachsen wurden in diesem Jahr deutlich mehr Masernfälle festgestellt als üblich. Insbesondere der Landkreis Hildesheim machte von sich reden: Dort waren mehrere Schulen von insgesamt 26 Masernfällen betroffen. Auch im Landkreis Harburg erkrankten seit Jahresbeginn bereits vier Personen zwischen 15 und 36 Jahren an Masern. Im vergangenen Jahr wurden dagegen lediglich zwei Fälle an das Kreisgesundheitsamt gemeldet. Für die Integrierte Gesamtschule (IGS) in Buchholz hatte die Erkrankung einer einzigen Schülerin Ende vorigen Jahres unangenehme Konsequenzen: Das Gesundheitsamt der Kreisverwaltung rückte an und kontrollierte 1.300 Impfausweise von Schülern, Lehrern und Mitarbeitern. Am Ende mussten 60 Personen - darunter 30 von 100 Lehrern - zu Hause bleiben, der Unterricht konnte nur mit einem Notfallplan in Teilen aufrechterhalten werden. An manchen Tagen fiel der Unterricht für ganze Jahrgänge komplett aus (das WOCHENBLATT berichtete). Paradox: Die Schülerin besucht die benachbarte Förderschule "An Boerns Soll" und ist nur im Zuge von einzelnen Stunden auf der IGS. Da auch das Geschwisterkind betroffen war, wurden laut Landkreissprecher Bernd Frosdorfer auch die Impfausweise einer Klasse an der Grundschule "Auf der Heide" in Neu Wulmstorf überprüft.
Damit sich dies nicht an anderen Schulen wiederholt, rät der Landkreis allen erwachsenen Bürgern, auf Nummer sicher zu gehen, ihren Impfstatus zu überprüfen und nötigenfalls Impfungen beim Hausarzt nachholen zu lassen. "Die ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts empfiehlt allen nach 1970 geborenen Menschen, dafür Sorge zu tragen, dass sie zweimal gegen Masern geimpft wurden", so Frosdorfer. Wenn im Impfpass keine zwei Masernimpfungen eingetragen sind, sollte man sich auch im Erwachsenenalter nochmals impfen lassen. Zum Einsatz kommt ein Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln.
Frosdorfer: "Eltern sollten ihre Kinder unbedingt gegen Masern impfen lassen." Im Landkreis Harburg waren bei der Schuleingangsuntersuchung 91,8 Prozent der Kinder zweimal gegen Masern geimpft. Erstrebenswert wäre eine Quote von 95 Prozent mit zwei Masernimpfungen. Damit bestünde eine Ausbreitungsbarriere in der Bevölkerung, die auch Menschen schützt, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können.
Sollten in Schulen Masernerkrankungen auftreten, kontrolliert das Gesundheitsamt routinemäßig alle Impfpässe und spricht Besuchsverbote für Personen aus, bei denen kein ausreichender Impfschutz besteht. Das hieße, dass ungeimpfte Schüler oder Lehrer so lange die Schule nicht betreten dürften, bis sie die nötigen Impfungen oder Immunität nachweisen. Um die Impfquote im Landkreis Harburg weiter zu erhöhen, führt das Kreisgesundheitsamt einmal jährlich nach den Sommerferien Impfaktionen in allen Schulen im Landkreis Harburg durch. In diesem Jahr wird dieses Angebot erstmals auch auf das gesamte Schulpersonal ausgeweitet.
Bernhard Frosdorfer macht deutlich: "Zweifel am Sinn und der Wirksamkeit von Impfungen, die manche Impfgegner äußern, entbehren jeder wissenschaftlichen Grundlage." Impfungen würden nicht zum Ausbruch anderer Krankheiten führen. Genauso wenig stärke das Durchleben der Masern das Immunsystem. "Zwar steht am Ende auch eine Immunität gegen die Masern, es drohen jedoch die Komplikationen", so Frosdorfer.
Bei einer Impfung handelt es sich um eine kontrollierte Ansteckung. Die Körperreaktionen nach der Impfung sind einerseits lokale Reaktion der Impfstelle auf das Einbringen des Serums in den menschlichen Organismus. Es kann zu Rötung, Überwärmung, Schwellung und Schmerzen an der Impfstelle und deren Umgebung kommen. Bis etwa 14 Tage nach der Impfung können etwa Fieber und Ausschlag sowie ein allgemeines Krankheitsgefühl und Abgeschlagenheit auftreten.
• Wer mehr über die Masern erfahren möchte, kann gern einen Beratungstermin im Gesundheitsamt unter der Telefonnummer 04171 - 693-389 vereinbaren.

Jeder Kontakt führt zur Ansteckung
Echte Masern sind eine schwere Allgemeinerkrankung. Sie beginnen mit starken, grippeähnlichen Symptomen: hohes Fieber, Husten und Schnupfen. Nach einigen Tagen entwickelt sich der typische Masernausschlag und das Fieber steigt erneut. Der Ausschlag beginnt im Gesicht und hinter den Ohren, breitet sich dann über den ganzen Körper aus und verschwindet nach ungefähr drei bis vier Tagen wieder. Auch das Fieber klingt dann ab.
Nicht zu unterschätzen sind mögliche Komplikationen der Erkrankung. Bei einem von 500 an Masern erkrankten Patienten tritt statistisch gesehen eine Hirnentzündung auf. Diese kann oft tödlich verlaufen oder bleibende Hirnschäden hinterlassen. Zudem führen Masern zu einer vorübergehenden Schwächung der Immunabwehr. Häufig folgen dann Mittelohr- oder Lungenentzündungen. Zudem können Hörverluste und Sehstörungen dazukommen.
Bei Jugendlichen und Erwachsenen verläuft die "Kinderkrankheit" oft besonders schwer. In sehr seltenen Fällen (sieben bis elf Mal pro 100.000 Erkrankungen) treten noch Jahre nach einer Infektion Spätfolgen in Form schwerer neurologischer Störungen wie der subakuten sklerosierenden Panenzephalitis auf.
Masernviren sind über eine Tröpfcheninfektion leicht übertragbar. Nahezu jeder Kontakt nicht geimpfter Personen mit Erkrankten führt zu einer Ansteckung. Erkrankte sind bereits fünf Tage vor Ausbruch des typischen Masernausschlags ansteckend, also bevor sie oder ihr Arzt bemerkt haben, dass sie erkrankt sind. 

Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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