Von Prosecco-Müttern und Pils-Papis

WOCHENBLATT-Redakteur Sascha Mummenhoff

Auf ein Wort: Alkoholkonsum bei Jugendspielen: Muss das sein?

Neulich auf einem Sportplatz im Landkreis Harburg: Einige Väter prosten sich ganz selbstverständlich mit ihren Bierflaschen zu. Wahrscheinlich wäre dies nichts Ungewöhnliches, doch es ist gerade einmal 10.30 Uhr an einem Sonntag und die Männer stehen am Rande eines Punktspiels der U9. Selbst der Co-Trainer der Jungs, die höchstens neun Jahre alt sind, hält ein Bier in der Hand. Auf einem anderen Sportplatz ist es ganz selbstverständlich, dass sich die Mütter eine Flasche Prosecco mit zum Spiel ihrer Kinder nehmen. Während eines Hallenturniers kaschieren wiederum Eltern ihren Alkoholkonsum, indem sie den Sekt aus Pappbechern trinken. Verantwortliche eines Vereines rühmen sich, die einzigen zu sein, die bei einem Fußball-Jugendturnier einen Bierwagen betreiben. Und selbst bei einem Club der sich als „größter und erfolgreichste Jugendfußballverein des Landkreises“ bezeichnet, soll Alkohol aus einem Kiosk am Spielfeldrand heraus verkauft werden - bei Jugendspielen.
Alles Einzelfälle? Oder gehört Alkohol inzwischen einfach dazu, wenn selbst Kinder und Jugendliche dem Ball hinterherjagen. Aktuellen Umfragen zufolge, hat der Alkoholkonsum bei Sportveranstaltungen zugenommen. Und damit ist nicht das Bier in einem Bundesliga-Stadion gemeint.
Der Niedersächsische Fußballverband im Kreis Harburg hat zum Thema Alkohol eine klare Meinung. „Bei Jugendspielen gilt ein Rauch- und Alkoholverbot für die gesamte Sportanlage“, sagt Frank Dohnke, Vorsitzender des Jugendausschusses. Viele Vereine hätten Hinweisschilder aufgestellt. „Es ist mir bekannt, dass manche Zuschauer völlig ignorant sind und trotzdem rauchen oder trinken.“ Leider habe der Verband keine Möglichkeiten, dies zu sanktionieren. Dohnke: „Es ist Vereinssache, dieses Verbot umzusetzen.“
Bier und Fußball - das gehört offensichtlich für viele zusammen. Mir fehlt das Verständnis für Eltern, die vor, während und nach Jugendspielen Alkohol konsumieren. Auch Vereine, die dies zulassen, sind für mich nicht tragbar. „Keine Macht den Drogen“ lautete eine Kampagne, an der sich auch der Deutsche Fußball Verband beteiligte. Und die jüngsten Beispiele im Landkreis Harburg zeigen, es ist höchste Zeit, die Kampagne wiederzubeleben. Ich möchte nicht, dass schon Neunjährige den Eindruck bekommen, ein Vater, der mit seinem Pils am Spielfeldrand steht, ist „normal“. Was für ein Vorbild geben Väter und Mütter ab, die mittags nicht auf Alkohol verzichten können?
Sascha Mummenhoff
• Uns interessiert Ihre Meinung zum Thema Alkoholgenuss bei Jugendspielen. Gehört das Bier einfach dazu? Oder sollten die Vereine stärker auf das Alkoholverbot achten? Schreiben Sie uns Ihre Meinung an mum@kreiszeitung.net.

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