Diskussion um Bossard-Erweiterung
"Wir handeln im Sinne von Johann Bossard!"

Das Interesse an der "Kunsthalle der Nordheide" ist riesig: 
Die Aula der Oberschule Jesteburg platzte aus allen Nähten
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  • Das Interesse an der "Kunsthalle der Nordheide" ist riesig:
    Die Aula der Oberschule Jesteburg platzte aus allen Nähten
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Zustimmung für "Kunsthalle der Lüneburger Heide" / Kritik an Größe und offene Fragen zur Finanzierung. 

mum. Jesteburg.
Mit so einem großen Interesse hatte die Stiftung der Kunststätte Bossard offensichtlich nicht gerechnet. Die 150 Stühle in der Jesteburger Oberschule reichten nicht aus, um allen Besuchern am Montagabend einen Platz zu bieten. Also mussten weitere Sitzgelegenheiten herangetragen werden. Am Ende dürften es wohl 200 Gäste gewesen sein, die sich unter anderem von Landrat Rainer Rempe (er ist zugleich Vorsitzender des Bossard-Stiftungsrats), Museumsleiterin Dr. Gudula Mayr, Museumsberater Professor Dr. Rolf Wiese und Architekt Christoph Frenzel über das Konzept informieren ließen. Wie berichtet, fördert der Bund die Zukunftsvision, in deren Zentrum der Bau einer "Kunsthalle für die Lüneburger Heide" als neuer Eingangshalle zum Gesamtkunstwerk steht, mit 5,38 Millionen Euro. Zwei Millionen Euro für die mit insgesamt 10,76 Millionen Euro veranschlagte Erweiterung übernimmt der Landkreis, sofern der restliche Betrag durch weitere Zuschüsse Dritter aufgebracht wird. Außerdem soll der laufende jährliche Zuschuss des Landkreises auf 400.000 Euro erhöht werden.
Die Grundstimmung der Zuhörer war positiv. Alle Redner bestätigten, die Kunststätte als einmaliges Gesamtkunstwerk erhalten zu wollen. Viele sehen in der Erweiterung eine Chance, das Werk von Johann Bossard angemessen zu präsentieren. Im Vordergrund steht dabei auch die wirtschaftliche Seite. "Der Erhalt der Kunststätte stellt uns jedes Jahr vor eine große Herausforderung", räumte Rempe ein. Unter anderem schieße der Landkreis aktuell jedes Jahr bis zu 150.000 Euro in den Tempel. Weitere Gelder kommen von der Sparkasse Harburg-Buxthehude und der Gemeinde Jesteburg. Mit nur 10.000 Besuchern im Jahr, unregelmäßigen Öffnungszeiten und einem mäßigen gastronomischen Konzept sei keine deutliche Verbesserung möglich. Mit der "Kunsthalle der Nordheide" erhofft sich der Stiftungsrat vor allem einen deutlichen Anstieg der Besucherzahlen (bis zu 30.000).
"Verliert dieses einmalige Kleinod nicht seinen besonderen Reiz, wenn ihm so ein riesiges Bauwerk vor die Nase gesetzt wird?", wollte ein Zuhörer wissen. "Wir sind davon überzeugt, dass wir im Sinne von Johann Bossard handeln", so Mayr. Dennoch nehme die Stiftung die Kritik der Jesteburger ernst. Unter anderem kündigte Wiese an, dass der riesige Parkplatz im ersten Schritt nur zu einem Drittel umgesetzt wird (120 statt 360 Parkplätze). Auch das Design des Museums sei noch nicht in Stein gemeißelt. "Sollte es zur Umsetzung kommen, müssen wir ohnehin europaweit ausschreiben", so Rempe. "Dann werden wir die Gelegenheit nutzen, um wichtige Punkte der Bürger zu berücksichtigen." Bei der aktuellen Zeichnung handele es sich lediglich um einen "Geld-Hol-Entwurf", so Mayr. Man habe nur wenig Zeit gehabt, um ein Konzept für die mögliche Bundesmittel-Förderung zu erstellen.
Unzufrieden waren die Anwohner mit der möglichen verkehrlichen Anbindung der Kunsthalle. "Wir möchten, dass die Besucher über Lüllau anreisen", so Wiese. Wahrscheinlich ist das allerdings nur ein frommer Wunsch, denn "wer die Kunststätte ins Navi eingibt, wird über den Schierhorner Weg geführt", so ein Anwohner. Das sei ein schlecht ausgebauter Weg, auf dem sich schon jetzt kaum zwei größere Autos begegnen können.
Keine Antworten gab es auf die zu erwartenden Kosten, die auf die Gemeinde Jesteburg zukommen. Kommt es zu keiner Sonderlösung, müssen die Jesteburger die Infrastruktur bezahlen. Rempe konnte zudem nicht beantworten, wie viel Geld bereits eingeworben wurde. Wie berichtet, müssen 3,38 Millionen Euro extern finanziert werden. Der Landrat machte deutlich: "Bevor die Gemeinde sich nicht zu der Erweiterung bekennt, wird kein Geldgeber Mittel in Aussicht stellen." Rempe ging noch einen Schritt weiter: "Wenn die Gemeinde die Erweiterung nicht will, dann hören wir auf, über das Thema nachzudenken."

Heute wird schon weiter diskutiert
Die Eindrücke von der Informationsveranstaltung sind noch frisch, da soll der Ausschuss für Bau und Planung bereits am heutigen Mittwoch, 26. Februar, eine Empfehlung abgeben. Die Zeit drängt, denn laut Vorlage soll das Verfahren beschleunigt werden. Bossard-Leiterin Dr. Gudula Mayr wird das Projekt in der Sitzung vortragen und für Fragen zur Verfügung stehen. Die Sitzung im "Heimathaus" (Niedersachsenplatz) beginnt um 19 Uhr und ist öffentlich.
Weiter wird dann am Mittwoch, 4. März, um 19 Uhr im Ausschuss für Wirtschaft, Tourismus und Kultur diskutiert ("Heimathaus"). Laut Tagesordnung geht es um die "Behandlung inhaltlicher und finanzieller Aspekte zur Erweiterung der Kunststätte Bossard in Bezug auf die Gemeinde Jesteburg". Einen Tag später, am Donnerstag, 5. März, wird sich der Bauausschuss der Samtgemeinde mit der notwendigen Änderung des Flächennutzungsplans auseinandersetzen.
Darüber hinaus plant die Kunststätte selbst ein "Netzwerktreffen Kunst & Kultur". Ein Termin steht noch nicht fest. Zudem sollen weitere Info-Veranstaltungen stattfinden, wenn neue Erkenntnisse vorliegen.
• Auch die Gegner der Erweiterung wollen sich weiter organisieren. Ein Treffen der "Allianz gegen den Bau des Bossard-Kunst-Bunkers" soll am Dienstag, 10. März, um 19 Uhr stattfinden. Der Ort wird noch bekannt gegeben.

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Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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