Ist das das Ende des Jesteburger Wochenmarktes?

"Mieses Spiel um den Jesteburger Wochenmarkt", so lautete die WOCHENBLATT-Überschrift. 
SPD und UWG könnten das Aus besiegelt haben
  • "Mieses Spiel um den Jesteburger Wochenmarkt", so lautete die WOCHENBLATT-Überschrift.
    SPD und UWG könnten das Aus besiegelt haben
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SPD und UWG nehmen Jesteburger GeWerbekreis das Marktrecht / Henning Erdtmann zieht Konsequenzen / Beliebtes Maifest abgesagt.

mum. Jesteburg. Das war es dann wohl mit dem Jesteburger Wochenmarkt! Mit den Stimmen von Hans-Jürgen Börner und Angelika Schiro (beide SPD) sowie Hansjörg Siede (UWG Jes!) empfahl der Ausschuss für Wirtschaft, Tourismus und Kultur am Mittwochabend, dem Gewerbekreis das Marktrecht für den Wochenmarkt zu entziehen. Bernd Jost (CDU) und Karl-Heinz Glaeser (Grüne) stimmten gegen den Antrag von Börner. Der ehemalige NDR-Mann hatte unter anderem die schwierige finanzielle Situation der Gemeinde als Grund für seinen Antrag genannt. "Wir müssen in allen Bereichen sparen", so Börner. "Vor diesem Hintergrund können wir es uns nicht erlauben, auf Einnahmen wie die aus dem Wochenmarkt zu verzichten." Laut Antrag forderte Börner, "dass die Gemeinde dem GeWerbekreis das Marktrecht entzieht und an die Jesteburger Tourist-Info (TI) überträgt. Die TI-Mitarbeiter sollen künftig Kooperationspartnerschaften in eigener Regie organisieren." Börner argumentiert in seinem Antrag unter anderem, dass die TI weitere Einnahmequellen benötigt. "Der Wochenmarkt wäre ein erster und notwendiger Schritt." Tatsächlich kostet die TI die Gemeinde viel Geld. Im vergangenen Jahr standen Aufwendungen in Höhe von 96.000 Euro Erträgen von etwa 23.000 Euro gegenüber. Das Defizit betrug 73.000 Euro. Beim Wochenmarkt geht es übrigens um Einnahmen in Höhe von jährlich unter 5.000 Euro.
Noch dreister als Börner argumentierte UWG-Vorsitzender Siede. Er unterstellte dem GeWerbekreis-Vorstand, dass nicht klar sei, wofür die Einnahmen verwendet werden würden. "Bei einem Gewinn von 5.000 Euro kann man wohl nicht von einer ehrenamtlichen Tätigkeit sprechen", so Siede. Der GeWerbekreis habe dank des Wochenmarktes eine Einnahmequelle, die man konsequenterweise auch anderen Vereinen einräumen müsste. Siede kritisierte zudem die Art der Veranstaltungen des GeWerbekreises.
Bei dem Abstimmungsergebnis handelt es sich nur um eine Empfehlung. Diese wird nun als nächstes im nicht-öffentlichen Verwaltungsausschuss diskutiert. Die endgültige Entscheidung trifft schließlich der Gemeinderat. Folgt dieser der Empfehlung, muss die Verwaltung eine Satzung für den Wochenmarkt aufstellen und jemanden finden, der die Betreuung übernimmt. Vorerst dürfte der Job dann wohl bei jemandem aus dem Rathaus hängen bleiben. Viel Arbeit für ein Projekt, das bis Mittwoch seit zehn Jahren bestens funktioniert hat.
Henning Erdtmann will so lange nicht warten. Er zieht bereits jetzt die Konsequenzen. Anfang Mai findet die Mitgliederversammlung des GeWerbekreises statt. "Ich werde dort nicht für ein Amt zur Verfügung stehen", macht Erdtmann deutlich. Das gelte auch für den Verein "Wir für Jesteburg", den er eigentlich ins Leben rufen wollte. Erdtmanns Vision bestand darin, dass jeder sich dort einbringen sollte - ohne einen hohen Mitgliedsbeitrag zu entrichten. "Wenn uns der Markt und damit auch die Einnahmen genommen werden, dann macht es aus meiner Sicht keinen Sinn mehr, über die Neuausrichtung zu diskutieren."
Für den GeWerbekreis dürfte ohne Erdtmann das Aus besiegelt sein. Innerhalb von zwei Jahren gelang es dem Vorstand nicht, einen zweiten Vorsitzenden aufzutun. Kaum vorstellbar, dass sich nun eine komplette Führungsmannschaft finden wird. Jesteburg verliert mit dem GeWerbekreis eine wichtige Institution. Das Aufstellen des Maibaums am 30. April auf dem Spethmann-Platz hat Erdtmann als erste Reaktion abgesagt. Wieder ist Jesteburg um eine beliebte Veranstaltung ärmer.

Auf ein Wort

Sabotage am Gemeinwohl

Börner, Schiro und Siede haben ihrem Dorf einen Bärendienst erwiesen. Seit fast zehn Jahren wird der Wochenmarkt ehrenamtlich von Mitgliedern des GeWerbekreises organisiert. Die Einnahmen kommen ausschließlich Projekten in Jesteburg zugute (unter anderem wurden davon der Weihnachtsmarkt und das Maibaum-Fest finanziert). Daran sollte sich auch künftig nichts ändern, hatte Henning Erdtmann versprochen.
Das Trio hat dem Verein dazu nicht nur die finanzielle Grundlage entzogen. Schlimmer ist, dass die drei Hobby-Politiker dem Vorstand mit ihrem Handeln unterstellen, die Mittel falsch - also nicht für Jesteburg - verwendet zu haben.
Es sind Jesteburger wie Erdtmann, Bernd Jost und Wochenmarkt-Chef Paul Mojen, die Jesteburg zu einem liebens- und lebenswerten Ort machen. Und dafür viele Stunden ehrenamtliche Arbeit investiert haben. Erdtmanns Reaktion ist konsequent. Auch die Absage des beliebten Mai-Festes ist vor diesem Grund nachzuvollziehen. Die Kommentare der Politiker müssen in Erdtmann das Gefühl geweckt haben, dass die Arbeit des GeWerbekreises zumindest von Börner, Schiro und Siede nicht geschätzt wird - oder sprach das Trio sogar für ihre jeweiligen Fraktionen in Gänze?
Meiner Meinung nach sollten Kommunalpolitiker engagierte Bürger unterstützen. In diesem Fall sabotieren drei Politiker Engagement im Sinne des Gemeinwohls.
Sascha Mummenhoff

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Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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