Ist die Wohnungsbau-Politik in Jesteburg gescheitert?

Insgesamt 39 Gebäude - darunter einen Kindergarten - möchte Steffen Lücking in dem neuen Quartier am Schierhorner Weg bauen
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  • Foto: Gemeinde Jesteburg
  • hochgeladen von Sascha Mummenhoff

UWG kritisiert jüngste Ergebnisse / Wird Schierhorner Weg vorgezogen?

mum. Jesteburg. Seit vier Jahren wird das Thema "fehlender preiswerter Wohnraum in Jesteburg" immer wieder auf die politische Agenda gehoben. "Für die SPD scheint es wichtig zu sein, die seit Jahrzehnten verfehlte Wohnungsbau-Politik Hamburgs in Jesteburg zu lösen und die CDU glaubt, dass das ortsansässige Gewerbe vor allem deshalb keine Mitarbeiter findet, weil es in unserem Dorf zu wenig preiswerten Wohnraum gibt", sagt jetzt UWG-Chef Hansjörg Siede. "Was hilft es aber, wenn man Hunderttausende für Planungen ausgibt, wenn die Konzepte dann aus Kostengründen nicht umgesetzt werden können?" kommentiert Siede die aus seiner Sicht gescheiterten Pläne für den Bau von Sozialwohnungen am Pfarrweg. Dass man jetzt die Umsetzung von "bezahlbarem Wohnraum" für 8,50 Euro/Quadratmeter als einen großen Erfolg feiern will, sei gemessen an den vor vier Jahren beschlossenen Zielen (5,60 Euro/Quadratmeter) lächerlich.
Doch nicht nur die Planungen von Sozialwohnungen am Pfarrweg seien gescheitert, auch die bisherigen Planungen für "bezahlbaren Wohnraum" im Neubaugebiet "Brettbeekskoppeln" scheinen vor dem Aus zu stehen. Die kommunale Wohnungsbaugesellschaft soll laut Siede bereits Bedenken geäußert haben, dass auch dort die angedachten Konzepte nicht umgesetzt werden können. Es müsse wohl "dichter" bebaut werden.
Das kann Joachim Thurmann, Geschäftsführer der kommunale Wohnungsbaugesellschaft, so nicht bestätigen. "Der B-Plan-Entwurf sieht im vorderen Grundstücksbereich eine GRZ von 0,4 vor. Das reicht grundsätzlich aus, um dort wirtschaftlich bauen zu können." Laut Thurmann wollte Jesteburg 50 Wohnungen (2.500 Quadratmeter Wohnfläche) von der KWG erhalten. "Wir planen im Bereich Brettbeekkoppel mit etwa 30 Wohnungen, ein Teil davon mit Reihenhäusern. Damit stimmen wir in den bisherigen Aussagen überein." Allerdings sei der Grundstückspreis wider Erwarten höher ausgefallen als angenommen. "Aktiver Lärmschutz und aufwändige Erschließungen belasten die Kosten zusätzlich. Da gilt es tragfähige Lösungen zu finden." Aus diesem Grund seien mehrere städtebauliche Planungsvarianten erarbeitet worden. "Sie liegen der Gemeinde zur Bewertung vor", so Thurmann. Der letzte KWG-Bebauungsvorschlag stamme aus dem September 2018. "Ziel der KWG ist es, bezahlbares Wohnen zu realisieren. Mit der Gemeinde sind wir im Gespräch und hoffen auf ein positives Votum für eine für alle Beteiligten tragfähige Lösung." Das erste Mal öffentlich diskutiert werden die neuen Varianten vermutlich in der Sitzung des Bauausschusses am 14. November.
Unabhängig von der Lösung sieht Siede weitere Probleme. "Zusätzlicher Wohnraum bedeutet auch zusätzliche Bedarfe in den sozial- und verkehrspolitischen Bereichen", so Siede. "Wir wollen zuerst die dabei entstehenden Kosten und Verpflichtungen einschätzen können und dann die notwendigen Rahmenbedingungen umsetzen." Die kommunale Wohnungsbaugesellschaft unternehme derzeit ihre ersten Gehversuche. "Leider scheint es ihr bisher nicht zu gelingen, wie es die SAGA-GWG in Hamburg mit Systemhäusern schafft, den gewünschten Wohnraum preiswert genug umzusetzen", so Siede weiter.

Steffen Lücking steht bereit
Vor dem Hintergrund, dass die Gemeinde selbst nur sehr schwierig bezahlbaren Wohnraum realisieren kann, ist Jesteburg vielleicht gut beraten, das von Steffen Lücking vorgeschlagene Projekt zwischen Schierhorner Weg und Seevekamp erneut zu diskutieren. Wie berichtet, möchte Lücking auf einer fast 47.000 Quadratmeter großen Fläche 95 Wohneinheiten entwickeln. Der Investor aus Langenrehm (Rosengarten) plant unter anderem zwei Mehrfamilienhäuser mit jeweils zehn Wohneinheiten, ein Mehrfamilienhaus mit acht Wohneinheiten sowie fünf Mehrfamilienhäuser mit jeweils fünf Wohneinheiten. Südlich angrenzend sind auf einer Gesamtfläche von etwa 5.600 Quadratmetern acht Doppelhäuser mit je zwei Wohneinheiten vorgesehen. Für den südlichen Teil des Areals sind 23 Einfamilienhäuser angedacht. Lücking hat zudem 3.000 Quadratmeter für einen Kindergarten eingeplant. Die drei Mehrfamilienhäuser (insgesamt 28 Wohneinheiten) sind für "bezahlbaren Wohnraum" fest verankert. "Das macht 30 Prozent des insgesamt geschaffenen Wohnraums aus", so Lücking bereits im Februar im WOCHENBLATT-Gespräch.
Die Politik zeigte sich damals angetan von Lückings Konzept. Allerdings wurde eine Entscheidung vertagt. "Wir müssen erst das Verkehrsproblem in den Griff bekommen, bevor wir so einer großen Ansiedlung zustimmen", sagte Britta Witte (CDU) damals. Lückings Konzept sollte erst im Zuge der Agenda Jesteburg 2030 weiter beraten werden. 

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