"Keine Festlegung!"

Wird aus den Grundschulen in Hanstedt und Egestorf (Foto) eine Ganztagsgrundschule? Im Zuge einer Info-Veranstaltung werden die Eltern informiert Fotos: mum/Gemeinde Hanstedt
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Samtgemeinde Hanstedt informiert Eltern über mögliche Modelle der Ganztagsgrundschulen.

mum. Hanstedt. "Grundschulen Hanstedt und Egestorf - auf dem Weg zu Ganztagsgrundschulen?" lautet eine Informationsveranstaltung, zu der die Samtgemeinde für Donnerstag, 28. Februar, im 19.30 Uhr in die Grundschule nach Hanstedt einlädt. Bereits am gestrigen Dienstag fand eine identische Veranstaltung in Egestorf (ebenfalls in der Schule) statt.
Hintergrund der Veranstaltung ist, dass der Rat der Samtgemeinde Hanstedt 2017 beschlossen hat, einen Arbeitskreis zum Thema Ganztagsschule zu gründen. Diesem gehören außer Verwaltung und Politik die Schulleiterinnen, Lehrer- sowie Elternvertreter an. Der etwas sperrige, einstimmig gefasste, Beschluss lautete: "Eruierung der Notwendigkeit und gegebenenfalls Vorbereitung einer Umwandlung der Grundschulen Hanstedt und Egestorf zu Offenen Ganztagsschulen".
"Entgegen anders lautender Stimmen gibt es keinerlei Vorfestlegung durch den Rat, sondern es ist eine ergebnisoffene Diskussion", betont Samtgemeinde-Bürgermeister Olaf Muus. "Alles andere würde aus meiner Sicht auch keinen Sinn machen, da ich die Ausführungen des Landes in den Hintergrundinformationen zum Ganztagsschulerlass teile." Dort heißt es: "Letztlich ist die Entscheidung zur Einführung einer Ganztagsschule eine Entscheidung, die Schulträger, Schule und Schulelternrat gemeinsam treffen sollten."
Hintergrund für den Beschluss des Rates sind die Entwicklungen auf Landesebene in den vergangenen Jahren, die auf eine deutliche Präferenz der Ganztagsschule gegenüber anderen Modellen schließen lassen, sowohl durch die Bereitstellung von mehr Lehrerstunden im Nachmittagsbereich als auch eine bessere finanzielle Unterstützung. Auch der niedersächsische Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) habe dieses laut Muus noch einmal deutlich gemacht: "Der Ausbau der Ganztagsschule schreitet weiter voran. Besonders im Grundschulbereich wird hier ein großes Entwicklungspotenzial gesehen."
In der Samtgemeinde Hanstedt bestehen aktuell zwei Modelle - in Brackel die erste im Landkreis Harburg eingerichtete Ganztagsschule mit außerschulischen Angeboten und in Egestorf und Hanstedt jeweils Grundschulen mit einer hortähnlichen Betreuung. Muus erklärt einen wesentlichen Unterschied: Für die Ganztagsschule dürfen nach Erlass keine Elternbeiträge (Ausnahme Mittagessen) erhoben werden, für die hortähnliche Betreuung gibt es eine Richtlinie der Samtgemeinde, wonach je Betreuungsstunde ein Euro von den Eltern zu zahlen ist (ebenfalls zuzüglich der Kosten für das Mittagessen). Ebenfalls unterscheiden sich die Betreuungsangebote im Stundenumfang. "Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass nach wie vor die Mittel des Landes für die Ganztagsschule nicht reichen, sondern auch hier die Samtgemeinde einen Zuschuss gewährt, um die Kosten zu decken", so Muus. In der Vergangenheit sei die Ganztagsschule mit außerschulischen Angeboten das teurere Modell gegenüber der hortähnlichen Betreuung gewesen. "In den letzten Jahren hat sich dies deutlich verändert", so Muus (siehe Kasten).
"An allen drei Grundschulen werden die Angebote von den Eltern sehr gut angenommen", so Muus. Deshalb habe sich die Arbeitsgruppe auch über die unterschiedlichen Modelle informiert. "Aus meiner Sicht ist es jetzt aber wichtig, ein breiteres Meinungsbild aus der Elternschaft zu bekommen", so Muus. Dazu gehöre es aber nicht nur, einen Fragebogen auszuteilen, sondern die Eltern ausreichend zu informieren. Erst im Anschluss sei eine Befragung geplant.
"Es ist gut, dass das Land sich im Bereich der Ganztagsschulen finanziell mehr engagiert, die Erfahrungen an den Grundschulen Egestorf und Hanstedt zeigen aber, dass der Bedarf an Ganztagsbetreuung deutlich größer ist, als dies der Ganztagsschulerlass des Landes abbildet", so Muus. "Ich kann mir deshalb einen Rückschritt hinter die aktuellen Modelle an den Grundschulen Egestorf und Hanstedt nicht vorstellen." Ehrlicherweise gehöre aber zu einer Gesamtbetrachtung nicht nur eine Qualitätsdiskussion, sondern auch die Betrachtung der Kostenstrukturen - unter anderem die zurzeit sehr günstigen Elternbeiträge. "Ich sehe deshalb weniger ein Entweder-oder, sondern eher die Herausforderung, wie es uns gelingt, das Beste aus den zwei Welten zum Wohle unserer Kinder zusammenzuführen." Klar sei für Muus aber auch, dass jedes Modell weiter eine erhebliche Kostenbeteiligung der Samtgemeinde Hanstedt erfordere.

Mehr Betreuung, höhere Kosten
Im Schuljahr 2017/2018 stellte die Samtgemeinde der Grundschule Hanstedt etwa 153.000 Euro (inklusive Ferienbetreuung) zur Verfügung. Für die Grundschule Brackel waren es etwa 87.000 Euro (exklusive Ferienbetreuung). "Dabei ist zu beachten, dass die Anzahl der Betreuungsstunden beziehungsweise die Stundenanzahl außerschulischer Angebote pro Kind deutlich differieren", so Olaf Muus. "In Hanstedt sind es pro Kind und Jahr im Durchschnitt 604,49 Stunden. In Brackel 284,29 Stunden."

"Das ist nur eine Mogelpackung" 
Eltern der Grundschule Hanstedt kündigen Widerstand gegen das neue Modell an

mum. Hanstedt. Aufgrund der Ankündigung der Samtgemeinde, eine Info-Veranstaltung zum Thema "Ganztagsgrundschule" abzuhalten, hat sich der Schulelternrat (SER) der Hanstedter Grundschule zu einer Diskussionsrunde getroffen. "Der Schulelternrat ist sich einig in der Ablehnung einer Umwandlung und möchte diese Position auch öffentlich vor der Veranstaltung der Samtgemeinde in die Diskussion einbringen", sagt Sprecher Dirk Treue.
"Was so schön nach einem Schritt hin zu mehr Vereinbarkeit von Familie und Beruf klingt, würde in Hanstedt das genaue Gegenteil bewirken", ist sich Treue sicher. Er fürchtet, dass mit einer Umwandlung das derzeitige Konzept der Grundschule Hanstedt vor dem Aus steht. "Auch wenn die Grundschule sich nach den Maßstäben der Landes Niedersachsen nicht Ganztagsschule nennen darf, so bietet sie doch eine durchgängige, verlässliche Unterbringung der Kinder von 7 bis 17 Uhr an fünf Tagen der Woche an." Zusätzlich gebe es auch noch ein Betreuungsangebot in den Ferien. Das alles werde durch eine Kooperation mit dem Deutschen Roten Kreuz auf Basis des Kita-Gesetzes gewährleistet. Eine Betreuungsstunde kostet die Eltern einen Euro pro Kind; weitere 3,13 Euro übernimmt die Samtgemeinde.
"Klingt soweit also nach einem für alle Beteiligten idealen Modell, das dem der 'echten' Ganztagsschulen mit maximal nur 37 Stunden Unterricht inklusive Betreuung deutlich überlegen ist. Zumal in beiden Modellen gleich viel Unterricht mit denselben Inhalten geleistet wird", so Treue. Warum also will die Politik der Samtgemeinde das Modell abschaffen, das derzeit Eltern von 80 Kindern den Freiraum schafft, ihren Beruf auszuüben, ohne sich Sorgen über die Betreuung der Kinder zu machen, fragt Treue. Ein Blick in den angespannten Samtgemeinde-Haushalt schafft aus seiner Sicht Klarheit: "Der finanzielle Beitrag zum Betrieb der Grundschule Hanstedt und der Betreuung ist im Vergleich zur benachbarten Grundschule Brackel um einiges höher, weil Ganztagsschulen vom Land Niedersachsen mehr finanzielle Mittel erhalten." Treue zieht folgendes Fazit: "Hier wird zur Lösung eines Haushaltsproblems mit einem vermeintlich besseren Schulmodell Werbung betrieben, das bei genauerer Betrachtung nur Nachteile für Kinder und Eltern nach sich zieht."
Die Elternschaft der Grundschule Hanstedt habe deshalb bereits ihren Widerstand gegen das neue Modell angekündigt. Positiv: In Bezug auf den Elternbeitrag sei bereits gegenüber der Samtgemeinde Kompromissbereitschaft signalisiert worden. "Aus dem Rat wurde angekündigt, keine Änderung ohne breite Zustimmung der Elternschaft anzustreben", so Treue. "Wie viel diese Aussage wert ist, wird sich dann zeigen, wenn das Ergebnis der Eltern-Befragung vorliegt."

Wird aus den Grundschulen in Hanstedt und Egestorf (Foto) eine Ganztagsgrundschule? Im Zuge einer Info-Veranstaltung werden die Eltern informiert Fotos: mum/Gemeinde Hanstedt
Olaf Muus: "Ich kann mir einen Rückschritt hinter die bestehenden Modelle nicht vorstellen."

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