Neue Wege für Erzieherausbildung

Die Stadt Stade zahlt für Erzieher in der Ausbildung bis zu 1.000 Euro im Monat. Im Landkreis Harburg soll es keinen Alleingang einer einzelnen Kommune geben
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Nach Vorstoß aus Stade: Landkreis-Gemeinden plädieren für einen gemeinsamen Weg.

(mum/tk). "An Stade sollten sich die Kommunen im Landkreis Harburg möglichst kein Beispiel nehmen", sagt Hanstedts Samtgemeinde-Bürgermeister Olaf Muus. Die Hansestadt ist die einzige Kommune im Landkreis Stade, die angehende Erzieherinnen und Erzieher bezahlt. Und das vergleichsweise gut mit mehr als 1.000 Euro im Monat. Zum Vergleich: Ein Azubi als Kauffrau oder -mann verdient etwa 900 Euro monatlich im dritten Lehrjahr. Im Gegenzug für das Gehalt müssen sich die dann fertigen Fachkräfte für Krippe und Kita verpflichten, zwei Jahre in Stades Einrichtungen zu arbeiten.
Im Landkreis Stade kommt der Alleingang übrigens nicht gut an. Zwar sorgt die Stadt Stade dafür, dass ihre angehenden Pädagogen endlich ein angemessenes Gehalt bekommen. Wer Erzieher werden will, verdient in der Regel nichts. Bis zum Sommer 2019 ist sogar die Ausbildung an privaten Einrichtungen kostenpflichtig. Aber bei der Stader Lösung schauen alle anderen Kommunen bei der Fachkräfte-Anwerbung in die Röhre. In Buxtehude beklagen Politik und Verwaltung unisono, dass der Nachbar damit den Markt leerfischt.
Hanstedts Verwaltungschef Olaf Muus ist sich sicher, dass so ein Alleingang im Landkreis Harburg falsch wäre. "Die Suche nach Erziehern ist schon jetzt schwierig, ohne dass sich die Kommunen untereinander Konkurrenz machen." Andere Kommunen stimmen Muus zu.

Landkreis Harburg wartet auf Entscheidung aus Hannover

(mum). Stade hat für sich einen eigenen Weg gefunden, um dringend benötigte Erzieher zu finden. Künftig erhalten dort Azubis bis zu 1.000 Euro pro Monat. Eine Alleingang, der im Landkreis Harburg wohl keine Nachahmer finden wird - zumindest, wenn es nach den Verantwortlichen in den Kommunen geht. Heinrich Helms, Sprecher der Stadt Buchholz, sagt etwa: "Wir wollen auf gar keinen Fall eine Insel-Lösung. Egal, was wir machen, es muss für den gesamten Landkreis gelten." Für Helms steht außer Frage, dass die Kommunen Geld in die Hand nehmen müssen, um die dringend benötigten Erzieher zu finden.
Diese Position gilt auch für Winsen, wo Stadt-Sprecher Theo Peters noch einen Schritt weiter geht. "Aus städtischer Sicht ist eine duale Ausbildung von Erziehern dringend erforderlich. Das Land ist aufgefordert, sehr zügig die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Überall ist der Bedarf groß; auch bei uns in den Kindertagesstätten." Um den Beruf und die Ausbildung attraktiver zu machen, sollten die Bedingungen aber einheitlich verbessert werden. "Ansonsten wird der Wettlauf um das Personal weiter zunehmen, was doch nicht gewollt sein kann."
Jesteburgs Samtgemeinde-Bürgermeister Hans-Heinrich Höper meint, dass "Personen in der Ausbildung eine Vergütung haben müssen, damit die Berufsausbildung attraktiver wird." Die Kommunen würden über den niedersächsischen Städte- und Gemeindebund schon länger die Forderung auf eine duale Ausbildung stellen. "Eine zeitliche Bindung nach der Ausbildung ist tarifrechtlich nicht so einfach", kritisiert Höper das "Stader Modell".
Das Thema Erzieher-Ausbildung wird auch beim Landkreis Harburg diskutiert. "Uns ist klar, dass dringend etwas geschehen muss", sagt Fachbereichsleiter Reiner Kaminski. In einigen Kommunen seien einzelne Gruppen bereits aufgrund des Personalmangels von der Schließung bedroht gewesen. Allerdings wagt sich der Landkreis noch nicht in die Offensive. Derzeit finden auf Landesebene Gespräche zu dem Thema statt. "Die Ergebnisse wollen wir abwarten", so Kaminski. Letztlich geht es bei dem Thema auch um Geld. Wer übernimmt die Kosten für die Erzieher-Ausbildung? Das Land, die Kommunen oder die Träger der Kindergärten? "Wir befürworten auf jeden Fall eine Neuregelung in Form einer dualen Ausbildung", so Erster Kreisrat Kai Uffelmann. Das heißt, die angehenden Erzieher besuchen entsprechende Schulen und arbeiten zeitgleich in Kindergärten. Bislang ist die Ausbildung rein schulisch und wird von den Azubis getragen.

Landkreis prüft Modellversuch
(mum/tk). "Das Thema Vergütung der Erzieher-Ausbildung ist für uns sehr wichtig", sagt Kai Seefried, Generalsekretär der Niedersachsen-CDU, zu der Forderung, dass angehende Erzieher während ihrer Ausbildung endlich bezahlt werden - so wie alle Auszubildenden im dualen System. Mittlerweile sei "Bewegung in der Sache", so Seefried.
Das von der SPD geführte Kultusministerium plane, in einigen Regionen Niedersachsens Modellversuche zur Bezahlung von Kita-Azubis. Welche Regionen das sind, stehe noch nicht fest.
Am Montag fand zu diesem Thema ein Forum in Hannover statt. "Wir wollen die Ergebnisse abwarten und dann entschließen, ob wir uns für das Modellprojekt bewerben", sagt Erster Kreisrat Kai Uffelmann.
Ungeachtet davon hat die Landkreis-SPD einen Antrag gestellt. Unter anderem soll die Kreis-Verwaltung Modelle entwickeln, die der "Förderung der Ausbildung von Erziehern und sozialpädagogischen Assistenten" dienen. Konkret heißt es: "Die erarbeiteten Modelle gewähren den geförderten Personen eine finanzielle Zuwendung durch den Landkreis Harburg. Im Gegenzug verpflichten sich diese Personen zur Einbringung ihrer Arbeitskraft in das Kinderbetreuungsangebot im Landkreis Harburg für mindestens drei Jahre."

Stade hat 15 Erzieher gefördert
(tk). Seit 2016 hat Stade 15 angehende Erzieher gefördert, erklärt Stadtsprecherin Myriam Kappelhoff. "Die ersten Erfahrungen sind sehr positiv." Im Jahrgang 2018 bis 2020 werden sechs angehende Fachkräfte unterstützt, vom ersten Förderjahrgang 2016 haben drei ihre Ausbildung erfolgreich beendet. Das ist bei drei Geförderten zum Start eine Erfolgsquote von 100 Prozent. Unter den Geförderten sind sowohl Schüler der BBS als auch Sozialpädagogische Assistenten, die bereits in einer Kita arbeiten und sich zur Erzieher weiterbilden. Die Verpflichtung, zwei Jahre in einer Stader Einrichtung zu arbeiten, "gibt eine gewisse Planungssicherheit", so Myriam Kappelhoff. Die Stadt sehe zudem einen großen Vorteil in diesem Modell, weil die künftigen Kollegen bereits frühzeitig in Krippe und Kita im Stadtgebiet eingebunden werden. Das führe auch zu einer größeren Identifikation mit dem jeweiligen Arbeitsplatz.

Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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