„Risse in Beton - na und?“

Bundestagskandidatin Svenja Stadler (li.) begleitete den Rundgang, den Cornelia Ziegert organisiert hatte
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Unterwegs mit der SPD: Cornelia und Siegfried Ziegert kritisieren aktuelle Planungen und Ratskollegen.

mum. Jesteburg. Das Bild hat Symbol-Charakter: Siegfried Ziegert (75), der alte Haudegen der SPD, steht gestikulierend vor einer Weide am Rande Jesteburgs. Es hat begonnen zu schneien und der Wind ist eisig. „Hier soll die neue Oberschule hin“, erzählt Ziegert einer Gruppe interessierter Bürger. Gemeinsam mit Tochter Cornelia (Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat) hat er zu der Veranstaltung „SPD vor Ort“ eingeladen. Mit dabei ist auch Bundestagskandidatin Svenja Stadler (Seevetal). Es geht um das Areal auf dem das Famila-Warenhaus, der neue Schützenstand und die Oberschule entstehen sollen.
Zuletzt wehte den Ziegerts ein rauher Wind ins Gesicht: Selbst Parteikollegen warfen ihnen vor, ihre persönliche Meinung in Bezug auf die Groß-Projekte über die Interessen der Partei zu stellen. „Da ist überhaupt nichts dran“, wehrt sich Siegfried Ziegert. „Wir wollen Famila nicht verhindern. Aber es muss erlaubt sein, auf Miss-Stände hinzuweisen.“ Und davon gibt es viele - davon ist Siegfried Ziegert überzeugt.
Beispiel Schützenhalle: Als Ersatz für die alte Festhalle will die Gemeinde für 1,2 Millionen Euro ein neues Schützenhaus bauen. Für weitere 240.000 Euro wird ein öffentlicher Versammlungsraum entstehen. „Für das neue Schützenhaus reicht die vorhandene Fläche nicht aus“, sagt Siegfried Ziegert. „Deshalb soll die angrenzende Straße ,Am Alten Moor’ überbaut werden. Dazu wird auf einer Länge von 60 Metern eine Verlegung der Fahrbahn in Richtung Brettbach erforderlich.“ Für die Realisierung des Objekts müssten viele gesunde Eichen weichen - drei davon seien über 100 Jahre alt.
Cornelia Ziegert sieht zudem Konfliktpotenzial bei der Nutzung des öffentlichen Versammlungsraums. „Die Schützen tun so, als ob es ihr Raum wäre“, sagt sie. Dabei würden sie nur die Termine koordinieren. „Der Raum steht allen offen.“
Siegfried Ziegert ist zudem davon überzeugt, dass die Fläche, die den Schützen als Festplatz bleibt, zu klein ist. Und es drohe ein Verkehrsproblem: Zwar halten die Busse während des gesamten Schützenfestes vor der Grundschule am Moorweg. Ein Problem sieht die SPD-Fraktionschefin Cornelia Ziegert jedoch für die Zeit des Auf- und Abbaus der Fahrgeschäfte. „Da sollen die Schulbusse trotzdem Am Alten Moor parken. Das gibt ein enormes Durcheinander und gefährdet die Kinder.“
Für die geplante Buskehre wird übrigens das alte Bademeisterhaus abgerissen. „Das ist ein Skandal! Die Gemeinde vernichtet hier ohne Not einen Wert von mindestens 50.000 Euro“, kritisiert Siegfried Ziegert die Planung. „Aber das will ja keiner hören.“
Inzwischen ist die Gruppe dort angekommen, wo demnächst die neue Oberschule entstehen soll. Zuletzt hatte sich Siegfried Ziegert, er ist Vorsitzender des Umweltausschusses, darüber geärgert, dass viele Bäume auf dem Areal gefällt worden sind. „Naturnahe Bach- und Flussabschnitte stehen nach Paragraf 28 a des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes unter Schutz.“ Der SPD-Ratsherr hält die Aktion des Landkreises an dieser Stelle für überzogen. Im „Landschaftspflegerischen Begleitplan zum Neubau der Oberschule und Sporthalle“ spreche man von drei bis vier schräg stehenden Bäumen, die aus Sicherheitsgründen gefällt werden müssten, berichtet Ziegert. Jetzt seien jedoch mehr als zehn Bäume verschwunden.
Für den geplanten Bau der Oberschule muss Jesteburg laut Siegfried Ziegert eine Ausgleichszahlung in Höhe von 100.000 Euro leisten. Für 25.000 Euro würde man auf dem Schulgelände Verwendung finden. „Und da Verwaltung und Politik nichts Besseres eingefallen war, sollten die restlichen 75.000 Euro in eine Ausgleichsfläche in Wenzendorf gesteckt werden.“ Das bringt Ziegert auf die Zinne: „Es kann doch nicht sein, dass uns da nichts einfällt, damit das Geld im Ort bleibt.“
Ziegert hält den Schul-Standort ohnehin für ungeeignet: „Das Gelände ist sehr feucht. Das Moor ist nah“, so das SPD-Urgestein. Schon jetzt heißt es, dass das Areal wohl um mindestens einen Meter aufgeschüttet werden müsse. Ziegert zitiert einen Ratsherren: „Was interessiert mich, ob in 30 Jahren Risse im Beton sind!“. Ziegert: „So denken einige! Ich nicht - auch wenn ich schon 75 Jahre alt bin.“

Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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