Diskussion um Firsthöhe
"Vorschriften sind nicht mehr zeitgemäß"

Architekt Axel Brauer plädiert für eine Firsthöhe von zwölf Meter. Als Beispiel nennt er das von ihm stammende Gesundheitszentrum. Dort ist eine Firsthöhe von elf Metern festgesetzt. "Maßnahmen zur Kompensation waren erforderlich, deren Ästhetik ernsthaft diskutiert werden sollte."
  • Architekt Axel Brauer plädiert für eine Firsthöhe von zwölf Meter. Als Beispiel nennt er das von ihm stammende Gesundheitszentrum. Dort ist eine Firsthöhe von elf Metern festgesetzt. "Maßnahmen zur Kompensation waren erforderlich, deren Ästhetik ernsthaft diskutiert werden sollte."
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Axel Brauer macht sich für eine Überschreitung der Firsthöhe um einen Meter stark.

mum. Jesteburg.
"Es mutet schon seltsam an, wenn ein Investor wie Steffen Lücking ein Grundstück erwirbt und nachträglich die Voraussetzungen der Bebauung ändern möchte", sagt FDP-Chef Philipp-Alexander Wagner. Wie berichtet, hatte Lücking angekündigt, die von ihm erworbene Hofstelle von Robert Böttcher in Itzenbüttel verfallen zu lassen, weil die Politik ihm eine Abweichung von der im Masterplan festgelegten Firsthöhe um einen Meter versagt hatte. "Hat sich Herr Lücking nicht mit dem Bebauungsplan auseinandergesetzt? Es hilft auch nicht, wenn er nun wie ein beleidigtes Kind aufstampft und schmollt", so Wagner. Natürlich stehe es Lücking frei, eine Bebauung nicht vorzunehmen. "Sinnvoller wäre es aber gewesen, wenn er wie der Investor von 'Hof & Gut' argumentativ seine Ziele begründet."
Versucht da etwa der erste Politiker seine fehlende Konsequenz zu rechtfertigen? FDP-Chef Philipp-Alexander Wagner kritisiert Lücking für sein Verhalten und kündigt quasi schon die Ausnahmeregelung für die "Hof + Gut"-Hotelpläne von Architekt Axel Brauer an.
Wie berichtet, sieht der Masterplan für Itzenbüttel eine Firsthöhe von elf Metern vor. CDU, UWG Jes! und Grüne hatten Lücking eine Überschreitung von einem Meter auf der Hofstelle von Robert Böttcher - sie liegt nur wenige Meter entfernt von "Hof + Gut" - nicht genehmigt. Lücking wollte 20 Wohneinheiten schaffen. Am heutigen Mittwoch, 6. November, begründet nun Brauer im Ausschuss für Bau und Planung (ab 19 Uhr im Schützenhaus), warum er diese Überschreitung für das Hotel benötigt. Mehr noch. "Bei der Diskussion um die Firsthöhe geht es nicht darum, ein Maximum zu erreichen oder die Firstlinie von zwölf Metern als oberen Punkt zu definieren, um von dort die Gebäude abwärts zu entwickeln. Es geht vielmehr darum, die Limitierung von genau elf Metern, die kaum funktioniert für planerische Optionen, zu öffnen für eine stilvolle und funktionsfähige Architektur."
Brauer hat sich vorige Woche mit den Fraktionsvorsitzenden getroffen, um seine Pläne vorab zu besprechen. "Die Firsthöhe von elf Metern ist jedoch im Zusammenhang mit den in den letzten Jahren gewachsenen Ansprüchen an die Aufbauten von Decken und Dächern - Standsicherheit, Wärmeschutz und Schallschutz - aus meiner Sicht zu überdenken und zu diskutieren." Laut Brauer macht es zwar zum einen aus städtebaulicher Sicht Sinn, etwa bei geschlossenen Bauweisen, die vorhandenen Gebäude nicht durch neue Baukörper, die höher sind, "in den Schatten zu stellen". Jedoch sei dies aufgrund der erwähnten gewachsenen Ansprüche an die Errichtung sinnvollen Nutz- und Wohnraums nur schwer machbar. Brauer wird konkret: "Eine Decke konnte bis vor 15 Jahren noch mit einer 20 Zentimeter starken Betondecke errichtet werden, heute ist je nach Gebäudetyp eine 30 Zentimeter starke Stahlbetondecke erforderlich. Hinzu kommen die Anforderungen aus der Energieeinsparverordnung. Wo früher 20 Zentimeter Beton ausreichten, ist heute ein Aufbau von etwa 50 Zentimetern erforderlich." Durch die erhöhten Ansprüche an die Bauteilaufbauten werde somit ein halber Meter bei einem zweigeschossigen Gebäude verloren.
Brauer hat FDP-Mann Wagner überzeugt, der nun sagt: "Herr Brauer hat für das Vorhaben von 'Hof + Gut' nach meiner Auffassung nachvollziehbar dargelegt, dass aufgrund der Änderungen der Bauvorschriften eine Erhöhung der Gebäude erforderlich sein könnte. Ich bin aber auch der Auffassung, dass vor dem Hintergrund dringend notwendiger Gewebesteuereinnahmen eher bei Gewerbebauten eine Ausnahme gemacht werden sollte als bei Wohnbebauungen."

Auf ein Wort
Einfach mal auf Experten hören
Warum macht es sich die Jesteburger Politik eigentlich immer so schwer? Mit Steffen Lücking und Axel Brauer wollen zwei nachweislich erfahrene und respektierte Bauherren beziehungsweise Architekten in Itzenbüttel interessante Projekte umsetzen. Beide Konzepte - sind sie doch auch unterschiedlich - werden klasse aussehen. Daran besteht kein Zweifel. Scheitern beide Pläne jetzt wirklich an einem Meter? Ich hoffe nicht.
Am Ende der Entscheidungskette kann es aber nur ein Ja oder ein Nein geben, das für beide Projekte gilt. Wer bei Lücking eine Abweichung um einen Meter ablehnt, muss dies auch bei Brauer tun. Andernfalls hätte der Vorgang ein Geschmäckle und sollte dringend juristisch überprüft werden.
Eine Unterscheidung zwischen Gewerbe- und Wohngebäude hinkt übrigens. Das sagt selbst Brauer: "Die Erläuterung gilt für Wohngebäude und für Sondergebäude wie beispielsweise Laden oder Hotelfläche." Dort sei sie aufgrund der erforderlichen Höhe im Erdgeschoss sowieso kaum anwendbar. Vielleicht sollten die Jesteburger Hobby-Politiker bei dieser Entscheidung einfach mal auf den Sachverstand von Experten hören.
Sascha Mummenhoff

Lesen Sie auch:
Bekommt Brauer, was Lücking nicht durfte?

Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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