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Die Folgen der Corona-Krise
Niels Battenfeld: "Das ist die Corona-Wahrheit!"

Niels Battenfeld feierte erst vor zwei Wochen das einjährige Bestehen des neuen "Meinsbur" in Bendestorf. Im WOCHENBLATT beschreibt er die aktuelle Situation
  • Niels Battenfeld feierte erst vor zwei Wochen das einjährige Bestehen des neuen "Meinsbur" in Bendestorf. Im WOCHENBLATT beschreibt er die aktuelle Situation
  • Foto: Lieblingsplatz
  • hochgeladen von Sascha Mummenhoff

Mitarbeiter, Banken und Versicherungen: Unternehmer Niels Battenfeld spricht offen über seine Situation als Hotelier und Gastronom, 

mum. Bendestorf.
Die Corona-Krise lähmt das Land. Viele Unternehmer fürchten um ihre Existenz. Mit neuen Ideen versuchen sie, sich neue Einnahmemöglichkeiten zu erschließen. Doch was ist mit Hoteliers und Gastronomen, die ihre Häuser schließen müssen? Niels Battenfeld hat voriges Jahr das Meinsbur in Bendestorf übernommen. Auch für dieses Jahr hatte er viele neue Ideen. Unter anderem wollte er mit der "Villa B" einen Platz für besondere Tagungen und Veranstaltungen eröffnen. Im WOCHENBLATT beschreibt Battenfeld die aktuelle Situation.
"Sie möchten wissen, wie die Wahrheit in Zeiten von Corona wirklich aussieht? Sie möchten wissen, ob die Milliarden schon auf unseren Konten angekommen sind oder wie wir die Soforthilfen verwenden? Sie möchten wissen, wann unsere Versicherung einspringt? Sehr gern berichte ich aus dem Alltag eines jungen Unternehmers und zeige Ihnen, was hier wirklich passiert", so Battenfeld.
Bei Battenfelds Unternehmen handelt es sich um einen Familienbetrieb, der zusammen mit einem befreundeten Investor kleinere Betriebsstätten - in diesem Fall kleinere ehemalige Familien- und Traditionshotels sowie Restaurants - aufgrund von ungelösten Nachfolgeregelungen kauft und zukunftsfähig gestaltet. Marke, Vertrieb, operative Prozesse werden neu gestaltet und der Betrieb nachhaltig wirtschaftlich in die Zukunft begleitet.
Battenfeld hat in den vergangenen fünf Jahren jedes Jahr ein bis zwei Hotels gekauft, renoviert und umgebaut. Jede Betriebsstätte hat zwischen sechs und 14 Mitarbeiter. Insgesamt beschäftigt er etwa 50 Mitarbeiter in Vollzeit im Gesamtunternehmen mit sieben Betriebsstätten in Deutschland und einer Betriebsstätte in Österreich. "Wir leben unseren Traum und sind Dienstleister aus Leidenschaft", sagt der Unternehmer. "Nun hat die Corona-Realität zugeschlagen und wir meinten uns nach bestem Wissen und Gewissen in alle Richtungen aufgestellt und abgesichert zu haben. Aber nichts ist so, wie es scheint."
Battenfeld sagt: "Die Politik redet von Rettungsschirmen, Zuschüssen, die Versicherungen von Betriebsschließungsversicherungen, die wir in vollem Umfang haben, und im Allgemeinen redet man von Solidarität und schnellen, unkomplizierten Hilfen." Aber wie sieht es wirklich aus?

Battenfeld über die Politik:
"Die Zuschüsse werden für kleine Betriebe gezahlt. Dies ist von Bundesland zu Bundesland auch noch sehr verschieden. Ich habe gelernt, man nennt das Förderalismus. Wir beschäftigen uns aktuell sehr intensiv mit den Möglichkeiten der Förderungen und sind permanent auf dem Laufenden. Aber: Ein Unternehmen wie wir, mit 50 bis 250 Mitarbeiten, fällt durch jedes der aktuellen Zuschussraster. Wissen Sie, wie viele Betriebe es in unserer Branche gibt, die zwischen 50 bis 250 Mitarbeiter beschäftigen? Es sind sehr viele. Oder darf ich in unserem Fall für jede Betriebsstätte, die in sich ein Kleinbetrieb ist, die Zuschüsse im jeweiligen Bundesland beantragen? Davon wurde mir aktuell von unserem Steuerberater abgeraten. Undefiniert, Grauzone, Subventionsbetrug - so die Stichworte. Konkret heißt dies, wir bekommen keinen Cent.
Alles was uns bleibt, ist Kurzarbeit. Wir schicken unsere wertvollen Mitarbeiter, die in unserer Branche vielleicht 1.400 bis 1.800 Euro netto verdienen, nun mit 500 bis 600 Euro weniger im Portemonnaie nach Hause. Wie soll man mit 900 Euro eine Familie ernähren oder seine Miete bezahlen? Die Mitarbeiter ohne jeden Umsatz weiter zu beschäftigen, ist für uns nicht darstellbar."

Battenfeld über die Versicherungen:

"Eine große Enttäuschung ist die Versicherungsbranche. Bis Mitte Februar wurde uns zugesichert, dass wir im Rahmen unserer Betriebsschließungsversicherung mit einem Spezialkonzept für Hotels und Restaurants im Falle von Corona versichert sind. Dafür haben wir uns versichert, dafür haben wir Prämien bezahlt. Nun, wo der Schaden eingetreten ist und wir diesen gemeldet haben, bekommt man keine Antwort mehr. Die Informationen, dass man versichert sei, wurden von deren Internetseiten gelöscht. Im Augenblick wird uns geraten, schnell Anwälte einzuschalten. Die Branche stellt sich auf, um sich aus der Nummer herauszureden. Kalkül, würde ich sagen."

Battenfeld über die Banken:
"Die Banken verharren wie gewohnt auf ihren Regularien. Hast du Geld, bekommst du Geld. Hast du kein Geld, kannst du dann wiederkommen, wenn du welches hast. Die aktuelle Aussage bei uns ist, dass die positive Planung für 2020 aufgrund der Schließung nicht mehr beziehungsweise kaum noch haltbar ist und man sich von Seiten der Bank erst dann lieber weiter engagieren möchte, sobald die Zahlen dann auch wieder eintreffen. Dieses Jahr können wir uns das, wen wundert es, wohl abschminken.
Das letzte Mittel ist am Ende einer der aktuellen KfW-Kredite. Aber auch hier muss individuell entschieden werden. 90 Prozent Sicherheit sind eben keine 100 Prozent Sicherheit. Ein gangbarer Weg ist dies für uns als Unternehmen aber im Grunde auch nicht. Sollten wir diesen KfW-Kredit überhaupt bekommen. Denn: Wie soll dieser Kredit bezahlt werden, ohne die Rentabilität zu steigern? Unser Geschäft hat keine großen Margen. Die einzige konkrete Möglichkeit sehe ich hier, dass die Politik die Mehrwertsteuer im Bereich Essen und Getränke von 19 Prozent auf sieben Prozent senkt. Nur so können wir unsere Kredite, die für uns als einzige Möglichkeit bleiben, zurückzahlen."

Battenfeld über die Veranstalter:
"Die Realität sieht im aktuellen Fall so aus, dass wir von unseren Geschäftspartnern - also in dem Fall von Veranstaltern - trotz Verträgen nicht mehr bezahlt werden für Leistungen, die rückwirkend noch im Februar bis Mitte März geleistet wurden. Sechsstellige Beträge bleiben offen. Mit der Argumentation, man werde sich erst einmal selbst konsoldieren und grundsätzlich keine Rechnungen mehr bezahlen. Konkret bekommen wir für erbrachte Leistung kein Geld mehr."

Battenfeld über die Zukunft:
"Nun stehen wir allein da. So ist das. Unternehmerisches Risiko - sagte man mir, nennt man das auch in diesen Zeiten. Das muss doch kalkuliert sein. Wir haben viel kalkuliert, aber Corona war bestimmt nicht auf der Liste. Unsere Veranstalter haben nicht bezahlt. Fördermittel oder Zuschüsse konnten wir nicht beantragen. Die Versicherungen spielen auf Zeit und lassen uns im Regen stehen. Bei den Banken können wir wieder anfragen, wenn unsere Zahlen gemäß Planung verlaufen. Das ist doch alles ein Witz. Ein ganz ganz schlechter Witz. Vertrauen und Solidarität. Ich kann es nicht mehr hören. Was uns bleibt, ist das Vertrauen und die Solidarität unserer Gäste und unserer Familien. Darauf konzentrieren wir uns nun. Wir werden nicht aufgeben. Wir finden einen Weg und haben bereits wieder viele Ideen im Kopf. Also: Weiter gehts."

Ein weitgereister Unternehmer
(mum). Sein beruflicher Lebensweg führte Niels Battenfeld rund um die Welt - mit Stationen unter anderem in Wien, Zürich, Kapstadt und Tokio. Er lernte das Hotel- und Gastronomiegewerbe von der Pike auf bei Branchenriesen wie Marriott und A-Rosa. "Ich bin sicher, dass ich auch weiterhin in einem großen Unternehmen hätte arbeiten können, doch die Lust auf etwas Eigenes war größer", erinnert sich der 44-Jährige. Eher zufällig wurde er auf ein kleines Hotel in St. Peter-Ording aufmerksam. Der Anfang der "Lieblingsplatz"-Kette"  war gemacht. Battenfeld verwandelte seitdem mehrere Privathotels in "Lieblingsplätze". Standorte in Travemünde (2014), Hahnenklee im Harz und Zell am Ziller (beide 2016) sowie Rügen (2018) kamen hinzu. Zuletzt folgte Bendestorf (2019).
Für Battenfeld schließt sich dort ein Kreis. Da sein Vater in der Stahlbranche tätig war, lebte er in seiner Jugend auf mehreren Kontinenten - Amerika, Europa und Asien. "Alle zwei bis drei Jahre sind wir umgezogen", erinnert sich der Unternehmer. Im Alter von 14 Jahren hatte das Reisen dann ein Ende. "Meine Mutter wollte, dass wir sesshaft werden." Die Wohnortwahl fiel auf Bendestorf. Im "Meinsbur" feierte er seine Konfirmation, sein Bruder heiratete dort.

Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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