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Auf ein Wort: Das ist Isolation und keine Integration

WOCHENBLATT-Redakteur Sascha Mummenhoff
Ich habe Respekt vor denjenigen, die sich für Flüchtlinge engagieren. Es ist wichtig, Menschen, die aus Angst um ihr Leben geflohen sind, zu unterstützen. Gerade im Sport gelingt es vielen Vereinen, Brücken zu bauen. Ich kenne viele Fußball-Teams, in denen ehemalige Asylbewerber längst ein fester Teil der Gemeinschaft sind.
Nachdenklich stimmt mich, dass in der 3. Kreisklasse zwei reine Flüchtlings-Mannschaften am Spielbetrieb teilnehmen. Die FSV Tostedt lässt, obwohl noch zwei weitere Herren-Teams gemeldet sind, in seiner "Zwoten" nur Geflüchtete kicken. Gelegentlich helfen ein oder zwei Spieler mit deutschen Wurzeln aus. Auf die Frage, warum die Flüchtlinge nicht entsprechend ihres fußballerischen Talents in bestehende Teams integriert werden, heißt es, sie würden als Gemeinschaft zusammenbleiben wollen.
Mit dem 1. FC Seevetal wurde sogar ein Verein gegründet, in deren einziger Mannschaft bislang fast ausschließlich Flüchtlinge gemeinsam Fußball spielen. Es heißt, die Vereinsgründung sei notwendig gewesen, weil man die Flüchtlinge in den bestehenden Klubs nicht haben wollte.
Tostedt und Seevetal liegen nach sechs Spieltagen auf dem letzten und vorletzten Platz in der Fairplay-Wertung. Seevetal sammelte schon jetzt 15 gelbe und 5 gelb-rote Karten; Tostedt kommt auf 15 gelbe, eine gelb-rote und zwei rote Karten. Tostedt kassierte schon in der vorigen Saison mit 54 gelben Karten so viele Verwarnungen wie kein anderes Team in der 3. Kreisklasse. Klar: Gerade in den unteren Kreisklassen geht es mitunter nicht zimperlich zu. Ich finde diese Statistik aber alarmierend. 
Außerdem wird innerhalb der Teams während des Spiels ausschließlich arabisch beziehungsweise in einem der vielen afrikanischen Dialekte gesprochen. Ich frage mich, hat das noch etwas mit Integration zu tun? Ich kann mich noch gut an meine Zeit als Jugendtrainer in Eidelstedt erinnern. In meinen Mannschaften spielten Jugendliche unter anderem aus Indien, Afrika, der Türkei, Afghanistan, Frankreich, Polen, dem Iran und den USA zusammen. Die Jungs verinnerlichten schnell, dass es ganz egal ist, woher jemand kommt. Im Vordergrund stand, ob er Teil des Teams werden wollte.
Ich wünsche mir von den Vereinen im Landkreis Harburg, dass sie Flüchtlinge willkommen heißen. Ich erwarte aber von Asylbewerbern, dass sie bereit sind, sich zu integrieren. Die jetzt gelebte Praxis, eigene Flüchtlings-Teams zu gründen, hat für mich nichts mit Integration zu tun. Sie führt zu Isolation.
Sascha Mummenhoff