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Bossard sympathisierte mit NS-Ideen

Eröffneten die Ausstellung (v. li.): Udo Bermbach, Frank-Lothar Kroll, Janina Willems, Magdalena Schulz, Maike Bruhns, Roger Fornoff, Gudula Mayr, Rainer Rempe und Marion Junker (Foto: Engelmann)

"Über dem Abgrund des Nichts": Die Bossards in der Zeit des Nationalsozialismus.

mum. Jesteburg-Lüllau. Am Wochenende eröffnete die Kunststätte Bossard ihre Ausstellung zu den Bossards in den 1930er und 1940er Jahren. In einem ganztägigen Kolloquium diskutierten Fachleute mit dem Publikum das künstlerische Schaffen und die Weltanschauung des Künstlerpaars.
Fest steht nun, dass Johann Bossard zwar nie Mitglied der NSDAP war, dass er aber zwischen 1932 und Mitte 1934 mit einzelnen Inhalten der NS-Ideologie sympathisierte. In dieser Zeit versuchte er, mit Unterstützung seiner Förderer, Funktionäre der NSDAP für sein Gesamtkunstwerk zu begeistern. Diese Bemühungen blieben jedoch erfolglos.
"Nach dem missglückten Putsch Alfred Rosenbergs und der Mordwelle vom Sommer 1934 ("Röhm-Putsch") brach Bossard im September 1934 die Phase der "vorsichtigen Fühlungnahme" zu den neuen Machthabern abrupt ab", stellte Museumsleiterin Dr. Gudula Mayr fest. "In der Folge verhielten sich die Bossards unauffällig und bewegten sich in vorsichtiger Distanz zum NS-Regime." Zusammenfassend lasse sich diese Haltung eines Rückzugs in die private und unpolitische Neutralität am besten mit Bossards eigenen Worten aus dem März 1937 beschreiben: "Die Erfolglosigkeit meiner Lebensarbeit ist kein Argument gegen den künstlerischen Wert meiner Werke. Vielleicht ist es sogar eine Gunst des Schicksals, dass wir nicht den Missbrauch guter Absichten zu erleben brauchen."
Das Team der Kunststätte Bossard und der Stiftungsvorstand beschäftigt sich schon seit Längerem mit der Geschichte der Bossards in der NS-Zeit. Landrat Rainer Rempe resümierte im Podiumsgespräch: "Ich freue mich, dass es Frau Dr. Mayr gelungen ist, hochkarätige Wissenschaftler für ein interdisziplinäres Forschungsprojekt zu gewinnen. Wir zeigen, dass wir transparent und kritisch mit der Vergangenheit des Gesamtkunstwerks umgehen. Die Befürchtungen einer NS-Belastung Bossards konnten so transparent und belastbar ausgeräumt werden." Mit dem sehr gut besuchten Kolloquium, der Ausstellung, einem begleitenden Katalog und der Edition von Bossards theoretischen Texten werden die Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
• Die Ausstellung wird bis zum 5. Mai an der Kunststätte Bossard gezeigt. Die Schriftenedition kann ab sofort im Museumsshop oder telefonisch unter 04183 - 5112 erworben werden.