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"Der Start war holprig!"

Jesteburgs neuer Gemeinde-Direktor: Henning Oertzen (Foto: mum)

Gemeinde-Direktor Henning Oertzen bezieht Stellung zu seiner Wahl, den Finanzen und seinen Aufgaben.

mum. Jesteburg. Seit Ende September ist Henning Oertzen neuer Gemeinde-Direktor in Jesteburg. Er trat die Nachfolge von Hans-Heinrich Höper an, der sein Amt vor allem aufgrund der zu großen Belastung niedergelegt hatte. Höper ist Samtgemeinde-Bürgermeister und Verwaltungschef. Eigentlich hätte Oertzen bereits im Sommer gewählt werden sollen, doch CDU, SPD und Grüne ließen die Wahl aus fadenscheinigen Gründen platzen. Schließlich wurde er doch einstimmig gewählt. Der ganze Wirbel dürfte Oertzen gar nicht gefallen haben. Er gilt als fleißiger und sehr kompetenter Verwaltungsfachmann, der jedoch gern im Hintergrund bleibt. WOCHENBLATT-Redakteur Sascha Mummenhoff sprach mit ihm über seine ersten Wochen im Amt.

Wochenblatt: Die Wahl zum Gemeinde-Direktor war nicht reibungslos. Wie haben Sie die Wahl erlebt?
Henning Oertzen: Dadurch dass die erste Wahl verschoben wurde, war der Start natürlich etwas holprig. Hilfreich wäre gewesen, wenn man im Vorwege mit mir gesprochen hätte. Diese Gespräche haben aber im Anschluss stattgefunden und waren auch positiv.

Wochenblatt:
Sie sind bereits seit 15 Jahren als Kämmerer in der Samtgemeinde tätig. Wie hat sich Ihre Arbeit nach der Wahl verändert?
Oertzen: Die Tätigkeit als Kämmerer ist weiterhin meine Hauptaufgabe. Ich muss aber nun für die Gemeinde Jesteburg auch die gesamte Entwicklung im Blick behalten. Ich habe zwar auch Aufgaben abgegeben, es ist dennoch nicht einfach, beides unter einen Hut zu bekommen. Die Verantwortung ist größer geworden, die Aufgabe aber auch vielseitiger.

Wochenblatt:
Was mögen Sie besonders an Jesteburg?
Oertzen: Jesteburg hat seinen dörflichen Charakter bewahrt, aber trotzdem eine gute Infrastruktur. Zudem gibt es hier viele engagierte Bürger, die Interesse an der Entwicklung der Gemeinde haben.

Wochenblatt:
Beschreiben Sie bitte Ihre Aufgaben als Gemeinde-Direktor.
Oertzen: Man darf nicht vergessen, dass die Tätigkeit des Gemeinde-Direktors nicht meine Hauptaufgabe ist. Das ist weiterhin die Leitung der Kämmerei. Die Tätigkeit des Gemeinde-Direktors würde beim Fußball wahrscheinlich der des Schiedsrichters entsprechen. Der soll bekanntlich nicht die Hauptrolle spielen. Wichtige Entscheidungen trifft der Gemeinderat. Ich versuche darauf zu achten, dass die Spielregeln eingehalten werden und dass in den politischen Gremien die nötigen Entscheidung eingeholt werden.

Wochenblatt:
Ihr Vorgänger Hans-Heinrich Höper äußerte sich zuletzt auch immer wieder kritisch zu politischen Entscheidungen. Wie sehen Sie Ihre Rolle zwischen Politik, Verwaltung und Bürgern?
Oertzen: Solange sich Entscheidungen innerhalb eines rechtlichen und finanziellen Rahmens bewegen, habe ich nicht vor, diese zu kritisieren, beziehungsweise mich dort einzumischen. Als Gemeinde-Direktor bin ich nicht Chef der Verwaltung, daher ist mein Einfluss diesbezüglich auch begrenzt. Ich muss aber schon gegenüber der Samtgemeinde-Verwaltung deutlich machen, welche Entscheidungen vorrangig für die Gemeinde umgesetzt werden sollen. Zudem entscheidet der Gemeinde-Direktor bei Gemeindeangelegenheiten, sofern es sich um laufende Verwaltungstätigkeiten handelt.

Wochenblatt:
Der B-Plan ist genehmigt, Famila möchte schon bald mit den Arbeiten beginnen. Welche Auswirkung hat dies für Jesteburgs Finanzen?
Oertzen: Der Verkaufserlös von 3,1 Millionen Euro ist gut für die Gemeindekasse. Man darf aber nicht vergessen, dass ein Teil bereits in die Vorfinanzierung des Schützenhauses geflossen ist und zudem eine große Gewerbesteuerrückzahlung fällig wurde. Abgesehen von dem Verkaufserlös erwarte ich keine großen finanziellen Änderungen.

Wochenblatt:
Welche Herausforderungen kommen in den nächsten Jahren auf Jesteburg zu?
Oertzen: Die Gemeinde muss die zukünftige Bebauung auf dem Reitplatzgelände und dem Parkplatz gegenüber dem zukünftigen Famila-Markt regeln. Zudem muss sich die Verkehrssituation verbessern und das Freibad soll im Mai 2019 wieder öffnen. Nicht zuletzt müssen die Finanzprobleme gelöst werden. Aber auch hier gilt: Die Prioritäten setzt der Gemeinderat. Die Ratsmitglieder können besser beurteilen, wo den Jesteburgern der Schuh drückt, zumal ich auch nicht ortsanssäsig bin.

Wochenblatt:
Zuletzt gab es in der Gemeinde Jesteburg den Wunsch, bestimmte Aufgaben - etwa Kindergarten, Bauhof und Tourismus - auf Samtgemeinde-Ebene zu heben. Wie denken Sie darüber? Welche Vorteile und Nachteile sehen Sie
Oertzen: Insbesondere beim Bauhof wird es durch die Zusammenlegung einige Synergieeffekte etwa bei der Beschaffung von Fahrzeugen oder auch beim Winterdienst geben. Auch beim Tourismus ist eine Konzentration und gemeinsame Vermarktung sinnvoll. Aus Sicht der Gemeinde Jesteburg spricht auch einiges für eine Aufgabenübertragung der Kitas. Sollten die Gemeinden Bendestorf und Harmstorf kein Interesse haben, wäre dies aus meiner Sicht für die Gemeinde Jesteburg auch kein Problem. Die Gemeinde ist hier gut aufgestellt.

Wochenblatt:
Sie sind als Fußball-Trainer tätig. Wie ist es dazu gekommen?
Oertzen: Ich bin schon seit 25 Jahren als Kinder- und Jugendtrainer aktiv, seit zehn Jahre trainiere ich meinen Sohn. Seit diesen Sommer bin ich aber nur als Co-Trainer tätig, da ist es nicht so problematisch, wenn ich beim Training mal fehle.

Wochenblatt:
Danke für das Gespräch.

"Es fehlen 200.000 Euro"

Das sagt Henning Oertzen zum Thema Haushalt: "Da die Gemeinde aufgrund der Gewerbesteuerrückzahlung im kommen Jahr nur geringe Umlagen zu zahlen hat, sieht der Haushaltsplan für 2019 gut aus. Dieses täuscht aber, ab 2020 weist der Haushaltsplan wieder ein Defizit aus, zudem können nach dem jetzigen Stand die Kredite nicht getilgt werden. Die Gemeinde benötigt daher ab 2020 eine Ergebnisverbesserung von mindestens 200.000 Euro jährlich. Hilfreich wäre, wenn der Landkreis seine Zuweisungen für die Kitas erhöhen würde. Eine Entscheidung soll im Dezember fallen. Auch die Samtgemeinde könnte durch eine Übernahme von Aufgaben etwa beim Tourismus die Gemeinde entlasten. Das würde aber zu einem geringeren Spielraum für Investitionen bei der Schule führen. Ohne Unterstützung des Landkreises oder der Samtgemeinde wird ein Haushaltsausgleich problematisch."