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"Die wollen uns gar nicht dabei haben!"

Andreas Baier ist Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft (Foto: as)
 
Immerhin ein Projekt ist schon gestartet: Hier freuen sich Landrat und KWG-Aufsichtsratsvorsitzender Rainer Rempe (v. li.), KWG-Geschäftsführer Joachim Thurmann und Salzhausens Verwaltungschef Wolfgang Krause über den Spatenstich in Salzhausen. Dort entstehen zehn Wohnungen (Foto: ce)
 
Steffen Lücking hält wenig von der Wohnungsbaugesellschaft

Kreishandwerkerschaft-Chef Andreas Baier kritisiert Kommunale Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises scharf.

 

(mum). „Ich habe das Gefühl, die Kommunale Wohnungsbaugesellschaft möchte das lokale Handwerk nicht beschäftigen!“ Ein Satz wie ein Peitschenhieb - vor allem, wenn man weiß, wer da so deutliche Kritik an der KWG des Landkreises Harburg übt. Das Zitat stammt von Andreas Baier, dem Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft des Kreises Harburg, während der Herbstversammlung der Elektro-Innung. Baier repräsentiert mehr als 700 Betriebe - darunter allein 350 Unternehmen aus dem Bereich Bau und Ausbau. Für diese Mitglieder ergreift Baier nun das Wort und attackiert KWG-Geschäftsführer Joachim Thurmann scharf - vor allem, weil angekündigte Gespräche nicht stattgefunden hätten.
„Mir ist schon klar, dass man sich nach billigen Handwerkern umsehen muss, wenn man Wohnraum für unter 8,50 Euro pro Quadratmeter anbieten will“, so Baier. „Allerdings hätte ich mir schon gewünscht, dass man uns zumindest fragt.“
Laut dem Kreishandwerkerschaft-Chef sei das lokale Handwerk außen vor. „Da es sich bei der Wohnungsbaugesellschaft um eine GmbH handelt, darf eingeschränkt ausgeschrieben werden. Das bedeutet, Thurmann holt sich nur bei von ihm ausgewählten Betrieben ein Angebot“, so Baier. Paradox: Bis auf die Sparkasse Harburg-Buxtehude sind mit dem Landkreis Harburg nur Kommunen Gesellschafter der KWG. „Und die müssen offen ausschreiben.“
Obwohl die KWG mit großem Tamtam im September vorigen Jahres gestartet ist, ist bislang nur ein Projekt angeschoben worden. In Salzhausen entstehen gerade einmal zehn Wohneinheiten. „Thurmann hat den Auftrag an einen Generalunternehmer aus Rotenburg/Wümme vergeben“, weiß Baier. Dieser wiederum beschäftige nur Handwerksbetriebe aus der Region Hannover/Bremen.
Insgesamt scheint der Landkreis mit seiner KWG nicht richtig in Fahrt zu kommen. Innerhalb der ersten fünf Jahre sollten 1.000 Wohnungen entstehen. Im WOCHENBLATT-Interview im März dieses Jahres hatte Thurmann noch stolz berichtet, er sei bereits mit fünf Kommunen in fortgeschrittenen Gesprächen. Er sprach von einem Volumen von etwa 300 Wohnungen - bis Ende 2019. Im Sommer waren es dann sogar 350 Wohnungen.
Investor Steffen Lücking, der nach eigenen Angaben in den vergangenen fünf Jahren 250 Wohneinheiten überall im Landkreis realisierte, wundert die Kritik an der KWG nicht. „Ich halte nichts davon, dass sich der Staat in den Wohnungsbau einmischt“, sagt Lücking. Er selbst könne pro Jahr bis zu 80 Wohneinheiten realisieren. „Und wenn mich die Kommunen nicht ausbremsen würden, könnten es noch mehr sein - auch im sozialen Wohnungsbau.“ Konkret nennt er das Beispiel Jesteburg. „Mein Vorhaben für 95 Wohneinheiten - davon 23 Sozialwohnungen - liegt seit mehr als einem Jahr auf Eis.“ Stattdessen werde dort viel Zeit für ein deutlich kleineres KWG-Projekt verschwendet. Ob das je realisiert wird, steht in den Sternen.

Nur zehn Wohnungen in einem Jahr realisiert

"Uns wurde gesagt, dass die lokalen Handwerker beschäftigt werden", sagt Andreas Baier, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft des Kreises Harburg. Doch das sei zu einer Zeit gewesen, als der Landkreis noch auf Werbetour für die Kommunale Wohnungsbaugesellschaft (KWG) gewesen ist. Baier habe eine Umfrage unter allen in Frage kommenden Mitgliedern gestartet. Das Ergebnis: Viele würden trotz voller Auftragsbücher gern KWG-Aufträge übernehmen, doch zum Zug sind sie jedenfalls bislang noch nicht gekommen. Baier weiß, dass zumindest bei einem Projekt ein Bauträger aus dem Landkreis im Gespräch ist.
Die Stellungnahme des Landkreises, warum keine Handwerksbetriebe aus der Region Aufträge erhalten haben, fällt erwartungsgemäß lang aus. Gut 5.000 Zeichen braucht Landkreis-Sprecher Andres Wulfes, um eigentlich nichts mitzuteilen. "Unser Ziel ist es, eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem örtlichen Handwerk aufzubauen", so Wulfes. Eine Garantie, wer letztlich beauftragt werde, könne es nicht geben. Zudem mutmaßt der Sprecher, dass "die örtlichen Handwerker angesichts des Baubooms in der Metropolregion Hamburg oft nur über knappe Kapazitäten verfügen und nicht unbedingt Angebote abgeben". Außerdem setze die KWG auf Standardbauweise, um schnell den dringend benötigten bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.
Zielsetzung der KWG sei es, bezahlbaren Wohnraum für jedermann zu schaffen. Voraussetzung dafür sei, auch die Baupreise möglichst niedrig zu halten. "Hinzu kommt, dass wir gerade beim sozialen Wohnungsbau an enge gesetzliche Vorgaben gebunden sind, Aufträge nicht freihändig vergeben dürfen, sondern öffentlich ausschreiben müssen", so Wulfes, der damit allerdings Baier widerspricht. Dieser ist der Meinung, dass die KWG nicht öffentlich auszuschreiben braucht.
Und wie geht es weiter? "Zunächst setzen wir auf Generalunternehmer. Erste Ausschreibungen der KWG sind für Anfang 2019 geplant", so Wulfes. "Parallel dazu bauen wir selbst eine kleine technische Abteilung auf, um auch selbst Gewerkeausschreibungen vornehmen und steuern zu können." Generalunternehmer müsse nicht eine einzelne Firma sein. "Mehrere Handwerker - beispielsweise aus dem Landkreis Harburg - können sich zu Arbeitsgemeinschaften zusammenschließen und gemeinsam Paketangebote erstellen." Hier sehe die KWG durchaus Chancen für die lokalen Unternehmen, "die dafür allerdings selbst aktiv werden müssen".
Auch auf Nachfrage kann Wulfes bis auf Salzhausen keine weiteren konkreten Projekte benennen. Eine äußerst dürftige Bilanz nach gut einem Jahr! Immerhin beschäftigt die KWG außer Thurmann, der zuvor 26 Jahre in unterschiedlichen Leitungsfunktionen beim kommunalen Wohnungsbaukonzern Saga GWG Hamburg arbeitete, weitere vier Mitarbeiter. Über die Gehälter und Kosten möchte der Landkreis keine Angaben machen. Der Bauunternehmer Steffen Lücking wundert sich nicht. "Für das Geld, das dort bereits in einem Jahr verbrannt wurde, hätte man auch ein Gebäude in der Hafen-City anmieten können und die Wohnungen dann für 8,50 Euro anbieten können."