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Vom Fußball-Ignoranten zum Trainer

WOCHENBLATT-Redakteur Sascha Mummenhoff steht in seiner Freizeit als Fußball-Trainer an der Seitenlinie (Foto: Elisabeth Karweck)

Redakteur Sascha Mummenhoff findet, "Fußball ist perfekt, um Teamgeist zu vermitteln".

Fußball gehört seit meinem ersten Zeitungsbericht zu meinem Leben. Allerdings anders als man vermutlich annehmen würde. Als ich mit 16 Jahren nach einem Praktikum bei meiner Stadtteilzeitung, den Luruper Nachrichten, als freier Mitarbeiter anheuern durfte, war meinem damaligen Mentor Günther Wilke klar, dass er mich nicht zu wichtigen Terminen schicken kann. Ich war einfach zu jung. Also ging es jedes Wochenende zu einem Fußballspiel. Erst A-Jugend, dann Kreisklasse bis Verbandsliga und schließlich Altona 93 in der Regionalliga. Zeitweise schrieb ich zusätzlich für das damals in der Szene sehr bekannte "Sport Mikrofon".
Dazu muss man wissen, dass ich selbst für Fußball nicht viel übrig hatte. Das galt nicht für die Familie meiner damaligen Freundin. Alle - Vater, Mutter, Schwiegersohn und sogar die Tochter - engagierten sich als Jugendtrainer. Fußball war immer Thema - zu jeder Zeit.
Nachdem ich nach einem Jugendturnier meine schlimmen Eindrücke schilderte und zu dem Ergebnis gekommen war, dass viele Jugendtrainer eine Katastrophe sind, forderte mein damaliger "Schwiegervater" mich auf, es doch besser zu machen. Bei dem Turnier standen die Trainer mit Bier und Zigarette am Spielfeldrand und beschimpften ihre Jungs.
Eine Woche später war ich Co-Trainer und quasi verantwortlich für eine F-Jugend des ETSV Altona-Eidelstedt (heute SV Eidelstedt). Ich besorgte mir jede Menge Bücher und verschlang alles zum Thema Fußballtraining. Wenn ich Zeit hatte, beobachtete ich andere Trainer und schaute mir ab, wie sie Übungsstunden aufbauten. Mein Ehrgeiz war geweckt: Ich ließ mich zu Lehrgängen anmelden und hatte bei der Lehrprobe zur C-Lizenz zum ersten Mal in meinem Leben Prüfungsangst.
Seit diesen Tagen bin ich immer Jugendtrainer gewesen. Erst in Hamburg-Eidelstedt und nach meinem Umzug in die Nordheide beim TV Welle. Ich durfte Kinder und Jugendliche aller Altersklassen trainieren. Ich empfinde diese ehrenamtliche Arbeit als Privileg. Für mich liegt der Reiz des Trainerseins nicht darin, Meistertitel zu holen (auch wenn das ganz nett ist), sondern Kindern zu zeigen, welchen Erfolg man als Mannschaft haben kann.
Und wahrscheinlich würde ich das noch immer tun, wenn mich nicht Andreas Dreyer, Liga-Obmann des TV Welle, gefragt hätte, die "Zwote2 in Welle zu übernehmen. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, wie viele Kandidaten er vor mir angesprochen hatte - und wie viele Absagen er sich holte. Das Team war gerade in die 4.Kreisklasse abgestiegen.
Zumindest kann man da nicht noch tiefer fallen, dachte ich mir und sagte nach kurzer Bedenkzeit zu. Aber: Die Jungs sind einfach klasse - eine wirklich tolle Gemeinschaft. Die Trainingsbeteiligung ist großartig und der Erfolg stellte sich dann auch irgendwie ein. Mit elf Punkten Vorsprung wurden wir Meister. Wie einzigartig der Teamgeist ist, zeigt die Tatsache, dass wir nach dem Abstieg keinen Stammspieler verloren haben. Im Gegenteil: Gute Kicker kamen hinzu. Einige Jungs spielen allerdings künftig für die Alten Herren. Sie hätte ich schon noch gern an Bord.
Im Gegensatz zu mir war die Begeisterung für Fußball bei meinen Söhnen übrigens gleich da. Und im Gegensatz zu mir, können die Jungs auch wirklich kicken. Luis (19) hat während seines einjährigen USA-Aufenthalts sogar ein Stipendium angeboten bekommen. Die lokalen Zeitungen waren voll mit Berichten über den "Stürmer aus Deutschland". Zurzeit konzentriert er sich auf seine Ausbildung und trainiert die U11 beim TV Welle. Ben (17) spielt beim Buchholzer FC in der Landesliga und Ennis (9) hütet beim TV Welle das Tor.
Übrigens: Trotz des Abstiegs bleibe ich Fan des HSV. Gemeinsam mit einem meiner Söhne - sie teilen sich eine Dauerkarte - geht es alle zwei Wochen ins Volksparkstadion.