Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

"Dann macht es eben ein anderer"

Henning Oertzen ist seit vielen Jahren Kämmerer der Samtgemeinde Jesteburg. Nun soll er offiziell Gemeindedirektor werden

Henning Oertzen soll am Mittwoch im zweiten Anlauf zum Gemeindedirektor gewählt werden.

mum. Jesteburg. Wird Henning Oertzen am kommenden Mittwoch, 26. September, zum neuen Jesteburger Gemeindedirektor gewählt? Zumindest steht es so auf der Tagesordnung für die Sitzung des Gemeinderats im Schützenhaus (Am alten Moor 10). Los geht es um 19 Uhr. Der erste Versuch Anfang Juli ging gründlich schief. Obwohl Jesteburgs Kämmerer Oertzen als sicherer Kandidat für den Posten des Gemeindedirektors galt und sich alle Parteien für ihn noch kurz zuvor im nicht-öffentlichen Verwaltungsausschuss ausgesprochen hatten, wurde seine Wahl auf Antrag der CDU-Fraktionsvorsitzenden Britta Witte überraschend von der Tagesordnung genommen (das WOCHENBLATT berichtete). SPD und Grüne unterstützten den Antrag. Eine glaubhafte Begründung gab es bislang nicht. Seitdem brodelt die Gerüchteküche.
Während SPD, CDU und Grüne es bei vagen Andeutungen beließen, zeigte sich vor allem die FDP entsetzt über das Vorgehen. Zudem machte Samtgemeinde-Ratsherr Frank Gerdes einen einmaligen Vorgang öffentlich. "Ein Ratsherr aus der SPD telefoniert sich mittlerweile durch den Ort, um unseren designierten Gemeindedirektor mit nebulösen Andeutungen zu diffamieren", so der FDP-Mann Frank Gerdes Mitte Juli im WOCHENBLATT. "Das ist nicht nur schlechter Stil, sondern verletzt auch die Fürsorgepflicht, die der Gemeinderat gegenüber den Angestellten der Verwaltung empfinden sollte."  Laut Gerdes werde im Ort das Vorgehen von CDU, SPD und Grünen diskutiert, auch in den sozialen Medien: "Von Verträgen ist die Rede, die Henning Oertzen nicht unterschreiben wollte." Man höre von unnötigem Druck aus der Verwaltung und der Politik, der auf ihn ausgeübt worden sei. Und immer wieder werde in diesem Zusammenhang das Unternehmen Famila genannt. Die FDP forderte darauf hin: "Schluss mit den Hinterzimmergesprächen! Schluss mit den Unterstellungen! Die Fakten gehören auf den Tisch." In einer Sondersitzung des Gemeinderates sollten nach Ansicht der Liberalen die Jesteburger offen und ehrlich informiert werden. Doch das geschah nicht. "Die UWG Jes! unterstützte unseren Antrag nicht", so Gerdes.
Stattdessen scheint die Wahl Oertzens nun ein Selbstgänger zu werden.  "Ja, ich hatte ein Vier-Augen-Gespräch mit Herrn Oertzen", sagt Britta Witte. "Ich kann hier nur für mich und die CDU-Fraktion sprechen. Das Gespräch war sehr offen und gut. Beide Seiten konnten ihre Positionen erläutern und verdeutlichen. Ich glaube auch, beide Seiten konnten Verständnis für die jeweiligen Handlungen aufbringen." Offenbar ergebe sich nach einer Organisationsanalyse auch eine Entlastung von bestimmten Aufgaben für Oertzen, "so dass er im Moment davon ausgeht, die Kämmerei und die Aufgaben des Gemeindedirektors gleichzeitig bewältigen zu können", so Witte. "Von unserer Seite steht seiner Wahl nun nichts mehr im Wege." Oertzens Vorgänger Hans-Heinrich Höper war nicht nur Jesteburger Gemeindedirektor, sondern auch Verwaltungschef und Samtgemeinde-Bürgermeister. Witte selbst wird an der Sitzung nicht teilnehmen. Sie ist im Urlaub.
Auch die SPD hat offensichtlich keine Einwände mehr. "Wir werden voraussichtlich Herrn Oertzen die Zustimmung als Gemeindedirektor geben", sagt SPD-Fraktionschef Helmut Pietsch. "Allerdings haben wir die vorbereitete Fraktionssitzung noch vor uns." Auch die Grünen heben den Daumen: "Ja, es wurden zielführende Gespräche geführt, so dass wir davon ausgehen, dass Herr Oertzen die Aufgaben des Gemeindedirektors und Kämmerers durch die zukünftigen Organisationsveränderungen übernehmen können wird", sagt Grünen-Fraktionsvorsitzende Birgit Heilmann.
Henning Oertzen selbst zeigt sich versöhnlich. "Ich stehe weiterhin zur Wahl. Ich finde, dass es eine interessante Aufgabe ist. Unterstützung seitens meiner Kollegen habe ich auch." Einen kleinen Seitenhieb kann sich Oertzen nicht verkneifen: "Sollte ich das Gefühl haben, dass die Unterstützung aus der Politik fehlt, dann muss es eben ein anderer machen." Der Job des Gemeindedirektors bringt dem Kämmerer gerade einmal 150 Euro im Monat mehr. Eine Betrag, auf den Oertzen bestimmt auch verzichten kann.

Auf ein Wort

So entsteht Politik-Verdrossenheit

Die Diskussion um Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen führt zu Politik-Verdrossenheit. Die Menschen auf der Straße verstehen nicht, dass jemand, der offensichtlich aus Sicht von CDU und SPD Fehler gemacht hat, noch mit einem besser dotierten Job belohnt wird.
Was hat das nun mit Jesteburg und der Wahl von Gemeindedirektor Henning Oertzen zu tun? Sehr viel. In beiden Fällen bleibt der Wähler ratlos zurück und fragt sich, was wurde da nur hinter verschlossener Tür ausgehandelt?
Ganz offensichtlich gab es gegen Oertzen Vorbehalte. Sonst hätte man den fleißigen Kämmerer auch schon vor der Sommerpause zum Gemeindedirektor wählen können. Doch das war nicht geschehen. Oertzen wurde auf eine ganz miese Art und Weise kalt gestellt. SPD, CDU und Gründe hielten es nicht einmal für notwendig, ihm dies vorab mitzuteilen. Selbst wenn nun Gespräche stattgefunden haben, bleibt in der Öffentlichkeit die Frage, was denn Britta Witte dazu brachte, ihren Antrag zu stellen. Der Bürger hat ein Recht darauf, zu erfahren, was hinter verschlossenen Türen im Rathaus besprochen wurde. Ansonsten bleibt bei der Affäre Oertzen für alle Seiten ein fader Beigeschmack.
Sascha Mummenhoff