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Grünes Licht für das Hotel in Itzenbüttel

Der Entwurf zeigt, wie sich das Büro von Axel Brauer die Entwicklung der Hofstelle in Itzenbüttel vorstellt. Das Gebäude rechts im Bild wird heute als Restaurant genutzt (Foto: Brauer Architekten)
 
Landwirt Robert Böttcher kann aufatmen. Der Ausschuss empfahl die Verschiebung der Baugrenzen (Foto: as)
 
Steffen Lückings Pläne für ein Neubaugebiet in Lüllau fielen im Ausschuss durch

Axel Brauer stellt "Hof + Gut"-Erweiterungspläne vor / Robert Böttcher darf Baugrenze verschieben / Steffen Lücking scheitert mit Neubaugebiet.

mum. Jesteburg. Das war zu erwarten! Bei diesen Themen blieb bei der Bauausschuss-Sitzung in Jesteburg kein Stuhl unbesetzt. Unter anderem ging es um die Entwicklung des Grundstücks, auf dem sich noch der Reit- und Fahrverein Nordheide befindet. "Hof + Gut" plant in Itzenbüttel ein Hotel mit 82 Zimmern und Investor Steffen Lücking möchte eine Acker-Fläche in Lüllau für Wohnbebauung nutzen. Die Projekte in der Übersicht.

• Die 20.100 Quadratmeter große Fläche, auf der sich noch der Reit- und Fahrverein Nordheide befindet, bleibt weiter im Besitz der Gemeinde. Wie berichtet, hatte sich Jesteburg das Areal am Ortsausgang in Richtung Asendorf für 1,8 Millionen Euro gesichert. Das Unternehmen Adler SPR aus Hamburg wollte dort  "nachhaltiges, emissionsarmes Wohnen und Fahren für die Zukunft" entwickeln Doch dafür gab es von der Politik kein grünes Licht. "Wir müssen uns erst selbst im Klaren darüber werden, was wir mit dem Areal vorhaben", so Ausschuss-Vorsitzende Britta Witte (CDU). Sollten Grund- und Oberschule erweitert werden, sei diese Fläche dafür vorgesehen Auch ein Verbleib des Bauhofes auf dem Gelände sei nicht ausgeschlossen. "Wir wollen zeitlichen Druck ohne Not vermeiden und ganz bestimmt auch nicht uns selbst Chancen verbauen", so Steffen Burmeister (SPD). "Deswegen haben wir uns verständigt, das Thema erstmal nicht weiter zu behandeln, bis alle Punkte geklärt sind." Da es um ein konkretes Kaufangebot ging, geschah dies im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung. Hinter vorgehaltener Hand hieß es zudem, dass es Zweifel daran gebe, ob das Unternehmen überhaupt in der Lage sei, ein so großes Projekt zu stemmen.

• Wie sehr Politik und Bürger in ihren Ansichten auseinander liegen zeigte sich bei der Diskussion um die Erweiterungspläne von "Hof + Gut" in Itzenbüttel. Architekt Axel Brauer stellte seine Pläne vor - unter anderem sollen 82 neue Hotelzimmer geschaffen werden. Zudem sind Eventflächen und eine Art Plaza (die auch als Parkplatz genutzt werden kann) vorgesehen. Produkte aus der Region sollen in einem 400 Quadratmeter großen Hofladen angeboten werden. Über diese Pläne sind die Itzenbütteler entsetzt. Es hagelte ausschließlich Protest. "Das ist zu groß und zerstört die Balance in unserem Ort", sagte ein Anwohner. "Die Verkehrssituation gibt so ein Projekt gar nicht her." Andere Nachbarn fürchten eine weitere Zunahme der Lärmbelastung. "Schon jetzt muss ich häufig die Polizei rufen, weil nachts um 2 Uhr die Musik zu laut ist, jedoch niemand im Restaurant mehr ans Telefon geht", beschwerte sich die direkte Nachbarin Uta von Finteln.
Deutlich gegen das Projekt sprachen sich Karl-Heinz Glaeser (Die Grünen)  und Tim Pansegrau (UWG Jes!) aus. Ihre Kritik galt vor allem dem Umstand, dass die Pläne nicht schon während der Diskussion zum Masterplan Itzenbüttel auf den Tisch kamen. Dem widersprach Brauer. "Wir reagieren nur auf die Einwände des Landkreises. Die Größe des Projekts ist unverändert."
Britta Witte, Steffen Burmeister und Cornelia Ziegert nahmen die Kritik der Bürger zwar zur Kenntnis, folgten aber Brauers Argumentation. "Wir brauchen in Jesteburg ein Hotel", so Witte. "Das Konzept passt gut zur Erweiterung der Waldklinik. Angehörige benötigen Unterbringungsmöglichkeiten", sagte Ziegert. "Nur in einem geordneten B-Plan-Verfahren werden die Einwände und Bedenken der betroffenen Anwohner ausreichend gewürdigt", so Burmeister. "Ein offizielles Verkehrsgutachten im Zuge eines solchen Verfahrens zeigt auf, welche Maßnahmen in diesem Zusammenhang notwendig sind." Mit 3:2 Stimmen empfahl der Ausschuss den Einstieg ins B-Plan-Verfahren.

• Gute Nachrichten gab es auch für Landwirt Robert Böttcher (Itzenbüttel). Obwohl der Landwirt mit seinen Entwicklungsplänen (20 Wohneinheiten) bereits im Gemeinderat gescheitert war (das WOCHENBLATT berichtete), gab es jetzt doch die Empfehlung für eine Verschiebung der der nördlichen Baugrenze. Das Thema landete erneut auf der Agenda, weil Böttcher die Politik zu zwei Ortsterminen geladen hatte. "Wir haben uns vor Ort ein Bild gemacht", so Witte. Mit den Stimmen von CDU und SPD wurde der Antrag angenommen. "Bevor wir hier jetzt die Grenzen verschieben, halte ich es für sinnvoll, dass Robert Böttcher einen neuen Plan vorlegt", regte Glaeser an. Pansegrau lehnte den Antrag ebenfalls ab. "Wir werden jetzt erleben, dass jeder Landwirt das Maximum aus seiner Hofstelle herausholen wird."

• Weniger Glück als Robert Böttcher und Axel Brauer hatte Investor Steffen Lücking. Seine Pläne, auf einer 6.500 Quadratmeter großen Fläche im Bereich Kohlhoff/Pinnerbarg in Jesteburg-Lüllau ein neues Wohngebiet zu entwickeln, lehnte der Ausschuss einstimmig ab. Lücking wollte dort Einfamilienhäuser mit einer Grundstücksgröße zwischen 730 und 1.020 Quadratmeter errichten.


Auf ein Wort
Bequem oder erpressbar?

Robert Böttcher dürfte erleichtert sein. Mit der Verschiebung der Baugrenze kann er seine Flächen nun besser vermarkten. Dagegen ist nichts zu sagen.
 Aber der Weg dorthin wirft ein ganz schlechtes Licht auf die Arbeit des Bauausschusses - vielleicht sogar auf den gesamten Gemeinderat. Offen gab Britta Witte zu, dass erst jetzt ein Ortstermin stattgefunden hat. Dieser führte letztlich zum Umdenken bei der Politik. Zuvor waren Böttchers Anträge mehrfach gescheitert - zuletzt im Gemeinderat.
Die Botschaft, die die Hobby-Politiker mit ihrer "Rolle rückwärts" damit aussenden, lautet: Wir entscheiden vom Schreibtisch aus, ohne zu wissen, wie es vor Ort tatsächlich aussieht.
Es gibt aber noch eine zweite Möglichkeit der Interpretation. Böttcher hat im WOCHENBLATT ganz offen gedroht: Gibt es kein Einlenken der Politik, dann baut er einen Megastall. Damit wären ziemlich alle Entwicklungspläne für die übrigen Hofstellen blockiert. Ist die Politik also erpressbar?
Wie auch immer: Das Beispiel Böttcher sollte nicht Schule in Jesteburg machen.
Sascha Mummenhoff