Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

"Je länger, je lieber"

Christian Kind ist Rektor der Grundschule in Brackel (Foto: mum)

Brackels Grundschulleiter Christian Kind spricht sich für eine Ganztagsschulbetreuung aus.

mum. Hanstedt/Egestorf/Brackel. "Ganztagsschulbetreuung hat etwas Totalitäres und ist Instrument undemokratischer Staaten!" Zu diesem Schluss kam Carsten Stinshoff-Hinselmann, Frauenarzt aus Hanstedt, am Ende einer Info-Veranstaltung in der Grundschule Egestorf. Dorthin sowie nach Hanstedt hatte die Samtgemeinde unter dem Motto "Grundschulen Hanstedt und Egestorf - auf dem Weg zu Ganztagsgrundschulen" eingeladen. Beide Veranstaltungen waren, mit jeweils mehr als 100 Menschen, sehr gut besucht. Vertreter der Landesschulbehörde stellten das Modell "Zukunftsoffensive Ganztagsschule des Landes" vor, mussten sich aber auch mit kritischen Fragestellungen, ob eine Ganztagsbetreuung durchgehend ab dem Krippenalter wirklich der pädagogisch richtige Weg sei, auseinandersetzen (das WOCHENBLATT berichtete).
Einige Aussagen von Carsten Stinshoff-Hinselmann will Christian Kind, Rektor der Grundschule Brackel, nicht unkommentiert lassen. Völlig widersinnig, so Kind, sei die Behauptung "Ganztagsschulbetreuung ist ein Instrument undemokratischer Staaten". Der Schulleiter: "Die offene Ganztagsschule, wie sie in Brackel seit zehn Jahren sehr erfolgreich existiert, wird freiwillig jeweils für ein Schulhalbjahr von den Kindern besucht." Die Einrichtung von teilgebundenen Modellen folge immer pädagogischen Überlegungen, die mit allen an Schule beteiligten Parteien - besonders dem Schulelternrat, der Gesamtkonferenz und dem Schulvorstand - ausgearbeitet werden. "Alle drei Gremien sind mit Eltern besetzt", macht Kind deutlich.
Auch den Hinweis von Stinshoff-Hinselmann, dass es nicht genug Lehrer gebe und somit eine qualitativ hochwertige Förderung nicht möglich sei, kann Kind nicht stehen lassen. "Richtig ist sicher, dass es auch in Niedersachsen zu einem Lehrermangel kommen kann. Richtig ist allerdings auch, dass wir hier in der Nordheide von der attraktiven Nähe zu Hamburg stark profitieren", so Kind. Alle zwei Monate erhalte er Initiativbewerbungen von Kollegen aus anderen Schulbezirken und Bundesländern, die gern bei Kind arbeiten würden. "Die Versorgung der Grundschulen der Samtgemeinde Hanstedt ist auch im kommenden Schuljahr gesichert und gut", fasst Kind zusammen. "Ich habe keinen Zweifel, dass wir weiterhin von unserer geografischen Lage profitieren und eine gute Versorgung gewährleisten können."
Der Behauptung von Carsten Stinshoff-Hinselmann, dass eine Fremdbetreuung in der durch Elternfürsorge geprägten Gegend nicht benötigt werde, "widerspricht die Inanspruchnahme der Eltern unseres offenen Ganztagsangebots", macht Kind deutlich. 182 der 230 an der Grundschule Brackel angemeldeten Kinder nehmen an einem oder mehr Tagen am kostenfreien außerunterrichtlichen Angebot teil. Die Notwendigkeit einer nachmittäglichen Betreuung an den Grundschulen Hanstedt und Egestorf spiegelte sich aus der Sicht des Schulleiters deutlich in den Nachfragen der Eltern während der beiden Info-Veranstaltungen wider. Kind habe dort sogar ein "je länger, je lieber" aus der Elternschaft wahrgenommen. Auch an diesen beiden Schulen werde das kostenpflichtige Angebot in großer Zahl wahrgenommen.

Lesen Sie auch:
Auf dem Weg zu Ganztagsgrundschulen?