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Natur contra Bürger?

Die Seeve bei Inzmühlen - entlang ihres Flußlaufes soll ein neues Naturschutzgebiet entstehen (Foto: Landkreis Harburg)

Neues Naturschutzgebiet "Seeve": Hanstedt, Jesteburg, Buchholz und Tostedt sind betroffen.

(mum). Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Harburg bereitet derzeit die Neuausweisung des Naturschutzgebiets "Seeve" vor. Dieses soll gemäß den Vorgaben der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) der Europäischen Union unter besonderen Schutz gestellt werden.
Zuletzt hatte es großen Widerstand gegen die Ausweisung eines anderen FFH-Gebiets an der Este zwischen Moisburg und Bötersheim gegeben. Landwirte, Eigenheim- und Waldbesitzer werden dort durch das FFH-Gebiet in ihren Möglichkeiten stark eingeschränkt - die Betroffenen sprechen teilweise sogar von Enteignung im Dienste des Naturschutzes. Das Gebiet wirkte wie am Reißbrett entstanden, Privatgrund wurde überplant genauso wie Bauland. Gefordert wird das Gebiet von der EU. Die Richtlinie ist aus dem Jahr 1992. Bis 2018 muss sie umgesetzt sein. Wegen des Zeitdrucks nahm man es in der Unteren Naturschutzbehörde auch in Kauf, den Bürger vor den Kopf zu stoßen.
Um die aktuell betroffenen Bürger sowie die Kommunen näher zu den Planungen zu informieren, lädt der Landkreis Harburg für Mittwoch, 22. August 2018, um 18.30 Uhr in das Jesteburger Schützenhaus (Am Alten Moorweg 10) zu einer Informationsveranstaltung ein.
Detlef Gumz, Leiter der Abteilung Naturschutz und Landschaftspflege des Landkreises Harburg, und seine Mitarbeiter werden das Naturschutzgebiet sowie den Aufbau der Naturschutzgebietsverordnung vorstellen und stehen für Fragen zur Verfügung. Zudem wird es Informationen zu den Möglichkeiten der Öffentlichkeitsbeteiligung geben.
Das geplante Naturschutzgebiet "Seeve" erstreckt sich über das Gebiet der Samtgemeinden Hanstedt, Jesteburg und Tostedt, der Gemeinde Seevetal und der Stadt Buchholz. Es verläuft entlang des Ober- und Mittellaufes der Seeve vom Quellbereich östlich von Handeloh bis zum Rangierbahnhof Maschen im Norden. Die bestehenden Naturschutzgebiete "Hangquellmoor bei Weihe" und "Altes Moor" mit ihren schutzwürdigen Biotopen und daran gebundenen Arten werden in das Schutzgebiet integriert.
Die Seeve mit angrenzenden Flächen wurde vorrangig aufgrund der hohen Bedeutung als Aufenthalts- und Laichgewässer gefährdeter Fischarten und Rundmäuler wie Meer- und Flussneunauge sowie der zum Teil gut ausgeprägten Wasservegetation als FFH-Gebiet ausgewiesen. Zudem hat das Gewässersystem der Seeve für den Fischotter eine besondere Bedeutung. Die Seeve-Niederungsflächen, insbesondere um die Gemeinde Ramelsloh, besitzen eine erhebliche Bedeutung für den Weißstorch als Nahrungs- und Brutgebiet.

"Haben bislang keine Infos"

Die Verwaltungschefs der Samtgemeinden Hanstedt, Jesteburg und Tostedt wurden von den Plänen des Landkreises unterschiedlich informiert:
• Olaf Muus (Hanstedt): "Wir waren in der Sache bisher nicht involviert und begrüßen ausdrücklich die Informationsveranstaltung. Ich vermag zurzeit noch nicht abzuschätzen, welche Einschränkungen die entsprechende Ausweisung nach sich ziehen könnte. Die Einwohner in diesem Bereich sind aber sicherlich durch die Berichterstattung zu dieser Thematik bereits entsprechend sensibilisiert. Klar ist aber auch, dass es man hier nicht nur besonders schön wohnen kann, sondern es sich auch um einen besonders sensiblen Bereich handelt."
• Hans-Heinrich Höper (Jesteburg): "Zum Inhalt kann ich noch nichts sagen, da mir noch keine Unterlagen vorliegen. Ich bin deshalb auch gespannt, was am 22. August vorgetragen wird. Geht es über die Einschränkungen des heutigen FFH-Gebietes hinaus? Wenn ja, dürfte es sicher Diskussionen geben."
• Dr. Peter Dörsam (Tostedt): "Der Landkreis hat uns vorab informiert. Nur leider war die zuständige Mitarbeiterin im Rathaus erkrankt. Ich gehe davon aus, dass nicht so viele Personen wie etwa in Moisburg betroffen sind, empfehle aber den Besuch der Info-Veranstaltung." 

Öffentliches Beteiligungsverfahren

Das öffentliche Beteiligungsverfahren für das geplante Naturschutzgebiet "Seeve" wird der Landkreis Harburg von Montag, 27. August, bis Freitag, 26. Oktober, durchführen. Der Entwurf der Naturschutzgebietsverordnung inklusive der Begründung und Gebietskarten werden in diesem Zeitraum beim Landkreis Harburg in der Abteilung Naturschutz und Landschaftspflege, Gebäude B, Zimmer -309, Schloßplatz 6, 21423 Winsen (Luhe), ausliegen sowie in den folgenden Gemeinden:

• Samtgemeinde Hanstedt, Zi. 17 im EG, Rathausstraße 1
• Samtgemeinde Jesteburg, Neues Rathaus, Zimmer 23, Niedersachsenplatz 5
• Samtgemeinde Tostedt, Fachbereich Bauen und Planung, Zimmer 414 – 1. OG, Schützenstraße 26a
• Gemeinde Seevetal, Raum B 213, Kirchstraße 11
• Buchholz, Stadtplanung, 1. Stock, Rathausplatz 1
• Ab Montag, 27. August, können die Unterlagen auch im Internet unter https://www.landkreis-harburg.de/nsgseeve eingesehen werden. Eine Beteiligung ist auch digital möglich. Anregungen und Bedenken können per E-Mail an naturschutzgebiete@lkharburg.de eingebracht werden.